Week #6

Kona im Triathlon Fieber

Es herrscht geschäftiges Treiben am Flughafen Kona auf Big Island. Triathleten aus aller Herren Länder überfluten die Insel. Sie kommen, weil sie die Besten aus den vorangegangenen Qualifikationsrennen sind. Die Profis, genau wie die ‚Age Grouper‘. Sie haben ihr Equipement und ihre Familie als privaten Fan Club dabei. Sie sind top in Form und bereits im ‚Kona-Fieber‘.

Mitten drin – wir! Top vorbereitet und qualifiziert als ’spectator‘!

Die IRONMAN World Championship 2019 lädt ein. Das Städtchen Kailua-Kona auf Big Island gibt sich ganz und gar seinen Triathleten hin. Es ist geschmückt mit Bannern und Fahnen. Die Vorbereitungen für die Rennstrecke, der Aufbau der Absperrungen und Tribünen sind bereits Tage vorher in vollem Gange.

Wir tun, was getan werden muss! Als wahre ‚World Champonship Spectators‘ besuchen wir die Merchandising-Messe, kaufen Shirts, BaseCap und Renntrikot. Wir wandern die Straßen von Kailua-Kona auf und ab, inhalieren die Atmosphäre, ziehen im Angesicht der durchtrainierten Menschen, die uns auf ihren Aerobikes in Tri-Suites oder laufend in Rennhöschen entgegenkommen, den Bauch ein.

Da allerdings unsere sportliche Performance nicht annähernd für eine Qualifikation ausreicht, müssen wir uns mit dem legendären ‚Coffee Boat Swim‘ zufriedengeben. Für uns ein ‚amazing fun‘, ein ‚Must‘ für jeden Athleten und deren Supporter und genau die richtige Einstimmung. In dem Trubel, der hier wie Musik, die man immer ein wenig lauter stellt, stetig anschwillt, ist der Coffee Boat Swim eine wahre Entspannung:

Als Zuschauer hat man in Kona wenig Möglichkeiten den Schwimmstart der Athleten zu erleben. Man kann an den Absperrungen stehen um den Athleten, sobald sie aus der Wechselzone kommen, zujubeln.

VIP Zuschauertribüne

Mir reicht das nicht! Ich will nicht einfach „nur“ Zuschauer sein. Ich will näher ran, mitten rein. Ich gehe mit schnellem und bestimmtem Schritt – als sei ich hier im King Kamehamea Resort – schon tausend Mal gewesen – voran. Andy hinter her. Room #6. „You wanna sign up?“, „Yeah! You still need volunteers. Swim/Bike Transition?“. „Okay, here you go…, your shirts, your batches. See you tomorrow morning 5.30!“ So schnell kann es gehen!

Auch wenn man das denken mag, Kailua-Kona ist nicht die Geburtsstätte des IRONMAN. Es ist Oahu! 1978 hatten ein paar verrückte ‚Marines‘ die Idee sich miteinander messen zu wollen.

Damit es nicht zu einfach werden sollte, legten sie drei bereits exsistierende Sportveranstaltungen zusammen: Den ‚Oahu Rough Water Swim‘ (2,4 Meilen), die ‚Around Oahu Cycling Race‘ (115 Meilen) und den Honolulu Marathon (26,21 Meilen). Der Mitbegründer dieser Idee, Commander John Collins formulierte damals das „Mantra“, welches heute noch jede Frau und jeder Mann zu hören bekommt, sobald die Ziellinie überschritten wird.

You are an IRONMAN!

You are an IRONMAN!

Andy und ich haben unseren Dienst als ‚Volunteer‘ um 5:30am pünktlich gestartet. ‚As we are German, we are punctual, well organized and proper prepared‘! Andy im ‚Transition Tent Men‘ und ich im ‚Transition Tent Women‘. Es gab alle Hände voll zu tun, bevor die Athleten aus dem Wasser kamen: ‚Cold Towels‘ bereitstellen, Getränkebecher füllen, ’sunsreen‘ und Vaseline griffbereit halten. Eiswürfel holen, Eimer tragen, Stühle zurechtstellen und dann… als Belohnung den Schwimmstart aus nächster Nähe beobachten! Erst kommen die Profis dran, dann die ‚age grouper‘.

Die hawaiianischen Gesänge und die traditionellen Trommelspiele bringen die Spannung, die in den Minuten und Sekunden vor dem Startschuss immer dichter wird, bis in die Magengrube hinein.

Das ist der Held, der die Schwimmer mit ‚Hawaiian‘ Gesang begleitet und die ‘conch’ zum Schwimmstart bläst.

Es wird ganz still und dann, dann mit dem Kanonenschuss schießen sie los, die Helden des Triathlons. Erst die Männer, fünf Minuten später die Frauen. Sie wühlen sich wie Schaufelräder durchs Wasser und wir verfolgen sie johlend mit den Augen.

Jetzt haben wir etwas Zeit, bis „unsere“ Profis zurückkommen. Wir schauen noch bei den ‚Age Groupern‘ zu, als sie starten. Sie sammeln sich gruppenweise vor der Startlinie, welche Surfer mit ihren Brettern bilden und warten gespannt auf ihr Startsignal! Auch sie werden mit dem gleichen Gesang und Trommelspiel in ihren Schwimmstart hinein begleitet. Ich frage mich: „Wenn schon das Zuschauen vom Kailua-Pier aus so ein Gänsehaut-erzeugendes Erlebnis ist, wie muss es dann für diese Amateurathleten im Wasser sein?“ Es liegt etwas ganz Ehrfürchtiges in der Luft.

Swim-Bike-Transition

Voller Demut und Bewunderung kehren wir zurück in die Zelte, um uns auf unsere Aufgabe zu konzentrieren. Andy erzählt:

„Es geht los. Die ‚Pros‘ kommen in die Wechselzone. Es ist gleich ein ganzes Knäuel von Athleten. Der erste ist Jan Frodeno und direkt hinter ihm Patrick Lange. Kienle hat ca. 4min. Rückstand“.

Bei den Frauen ist es ganz ähnlich. Lucy Charles-Barclay flitzt ins Zelt. Eine Volunteer hilft den Swim Suitauszuziehen und unterstützt bei den routinierten Handgriffen. In Windeseile ist sie schon wieder draußen.Dicht gefolgt von Lauren Brandon, dann Erin Sosdian.Anne Haug kommt mit fast fünf Minuten Rückstand zu Lucy ins Zelt. Ich bin die Volunteer, die ihr mit dem SwimSuit hilft. Sie ist angespannt. Ich auch!

Die Wechselzeiten der ‚Pros‘ liegen zwischen gefühlten zwanzig Sekunden und zwei Minuten. Alles geht rasend schnell und schon sind sie wieder draußen!

Im ‚Men’s Tent‘ füllt es sich derweilen. Die ersten ‚Age Grouper‘ kommen aus dem Wasser, schnappen sich ihren Wechselbeuten und rennen ins Zelt. Die Jungs sind teilweise hektisch bis panisch. Schnell den nassen Swim Suit aus. Das ist schon weniger einstudiert als bei den Profis. Man kommt sich vor wie bei einer Massenpanik, alle rennen in unterschiedliche Richtungen, man versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Irgendwann sind alle draußen und es herrscht wieder Ruhe im Zelt. Man findet nur noch die Hinterlassenschaften der einzelnen Triathleten. Brillen, Badekappen, Gels.

Im ‚Women’s Tent‘ startete der ‚Age Grouper‘-Ansturm deutlich später. So konnten wir Volunteer-innen die männlichen Athleten auf ihrem Lauf ins Wechselzelt anfeuern. Dieser Umstand erlaubte mir im Übrigen auch den Einlauf von Jan Frodeno ins Wechselzelt zu filmen.

Logisch, dass es bei uns im Frauenzelt nicht ganz so hoch herging, wie im Männerzelt. Von den 2250 Teilnehmenden waren ca. 30% Frauen. Trotz dieser Tatsache, waren beide Wechselzelte gleich groß und mit gleich vielen Helfern, Stühlen und Toiletten ausgestattet. Die Athletinnen kamen am Schnürchen herein. Es gab einen Peak, an dem es ziemlich hektisch und unübersichtlich wurde. Swim Suit runterziehen, Beutel leeren und die Utensilien (Helm, Radschuhe, Socken, Startnummernband, Gels, Salztabletten, Sonnenbrille….), je nachdem, was die Athletinnen brauchten. „How can I help you?“, war unsere Standardfrage. „Ok, I’ll have your helmet here, you care for your gels!“, „Do you want me to put your gels into your jersey pocket?”, “You want sunscreen?” “YES!” und wir schrien: “Sunsreeeen! Here, we need Sunscreeeeen!”, dann flitze eine Helferin mit Sonnencreme herbei und cremte die Athletin ein. Alle Wechsel-Utensilien wieder zurück in den richtigen Beutel packen. Beutel an Beutelbeauftrage weitergeben oder werfen. Zack, zack. Hand in Hand!

Jede einzelne Athletin wurde von uns mit Applaus „Yeaaaah! You are great. Juhuuuu, have a great race!“ aus dem Zelt verabschiedet. Die Stimmung im Zelt war ‚thrilled, even electric‘!

Bike – Run – Transition

Der zweite Wechsel, also vom Rad auf die Laufstrecke, erlaubte uns Helfern eine längere Pause. Wir konnten im Zelt wieder „klar Schiff“ machen und uns ein wenig ausruhen. Es war sprichwörtlich die Ruhe vor dem Sturm.

Für den folgenden Blog-Beitrag möchte ich mich bei meinem neuen „Gast-Autor“ Andy bedanken, der die Berichterstattung als Augenzeuge aus erster Hand aus dem Männerzelt übernimmt. Quasi eine Live-Übertragung:

Wir stehen in den Startlöchern und warten auf die Profis. Ich höre schon das Gejohle von draußen. Sie kommen! Alles steht parat. Sonnencreme, Vaseline, eisgekühlte Tücher.

Jan Frodeno kommt, wie zu erwarten, als erster ins Zelt. Er setzt sich auf den Stuhl genau vor mir! Ich war überrascht und glücklicherweise geistesgegenwärtig und fragte ihn: „Möchtest Du ein kaltes Tuch? Und Sonnencreme?“ Jan war, trotz dieser Stresssituation sehr entspannt und antwortete höflich: „Ja, gerne!“

Ich lege ihm das eisige Tuch auf Schultern und Nacken und creme ihm die Arme mit Sonnenmilch ein. Als er wieder aufsteht, bittet er noch um Eiswürfel. Ich stecke sie ihm in den Lauf-Suit. Er bedankt sich und läuft aus dem Zelt zu seinem Sieg!

Ich hatte einen gestressten Sportler erwartet, aber im Gegenteil. Er erschien mir sehr entspannt und fokussiert.

Es dauert eine Weile bis seine Verfolger eintreffen. Sie sehen schon etwas angespannter aus… kann man ja verstehen! Dann ist erst einmal eine Weile Ruhe im Zelt. Die nachfolgenden ‚Age Grouper‘ brauchen ja etwas länger!

Dann aber bricht eine Armada von Triathleten über uns herein. In ihren Beuteln sind teilweise unendlich viele Sachen. Wie nach einem Großeinkauf: fünf Riegel, sechs Gels, teilweise in kleinen Kühltaschen verpackt. Allein das Gewicht der ganzen Teile macht sie schon chancenlos.

Ich sehe alle Arten von Typen. Meist durchtrainierte Körper, aber auch dünne oder kräftige Männer. Einer fällt mir besonders ins Auge. Er hat Krampfader wie Nürnberger Rostbratwürste. Ein anderer hat sogar eine Pizza dabei, die er mit einem Helfer genüsslich teilt.

Besonderen Respekt habe ich vor den zuletzt ankommenden Age Grouper zwischen 60 und 80 Jahren. Sie setzen sich in aller Ruhe hin und ziehen sich um. Ab und zu kommt ein jüngerer Nachzügler, der sich völlig gestresst und gehetzt umzieht und versucht seine Sachen zu ordnen. Begleitet vom gnädigen Kopfschütteln der „alten“ Helden. Die wissen nun mal wie das hier abläuft und Stress hilft da nicht weiter!

Manche dieser erfahrenen Herrschaften haben alle Zeit der Welt ihre – ja, wirklich – Schiesser-Feinripp-Unterwäsche anzuziehen. Man erkennt bei diesen Menschen worum es ihnen bei diesem Wettkampf geht: Finishen, sonst nichts!

Equipment ist auch so ein Thema! An manchem Triathleten kleben mehrere Hundert bis Tausend Dollar Ausrüstung. Da ist das Aero-Bike noch gar nicht mitgerechnet. Es gibt auch Athleten, die verlassen sich auf ihre trainierten Fähigkeiten. Ein Mann, der vor mir sitzt und mit einer Rolle Klebeband vor meiner Nase herumfuchtelt, bittet mich ihm zu helfen. Seine Radschuhe sind so alt und kaputt, dass sie mit einem schwarzen Klebeband zugehalten werden müssen. Da kommt man schon ins Grübeln, ob die Ausrüstung nicht doch überschätzt wird…?! Sonst wäre dieser Athlet wohl kaum nach Kona gekommen. Respekt!

Für das Wechselzelt der Frauen kann ich sagen, dass es nicht ganz so hektisch zu ging. Die Profis waren schnell. So schnell, dass man als Helfer kaum reagieren konnte. Lucy Charles-Barclay kam als erste vom Rad ins Zelt. Sie war ruhig und konzentriert, setze sich kurz, zog die Laufschuhe an, sortierte sich und lief unter unserem tosenden Applaus aus dem Zelt.

Dicht gefolgt von Lauren Brandon und Anne Haug, die mit wenigen Sekunden Abstand nacheinander ins Zelt kamen. Anne Haug hatte sich zwischenzeitlich vom 6. Platz beim Schwimmen auf den 3. Platz nach dem Rad vorgearbeitet.

Die Age Grouper Damen strömten bald darauf ins Wechselzelt. Manche waren noch topfit und relaxed, andere den Tränen nahe! Manche waren in Sekundenschnelle fertig für den Marathon, andere zogen sich von Kopf bis Fuß neue Klamotten an. Ich habe Blasen verarztet, verletzte Füße getapt, Arme und Beine mit Sonnenmilch eingerieben. Ich habe versucht auf hektische und aufgeregte Athletinnen beruhigend einzureden: „Take your time! You’re doing awesome. All good, calm down.“ Kälte Tücher, Sunscreen, Wasser und Eiswürfel gehörten auch hier zum Helfer-Repertoire.

Leider habe ich es nicht geschafft, obwohl ich nach ihr Ausschau gehalten hatte, eine Triathletin mit der Startnummer 646 (Heike Dieteren) aus Bensheim, meiner Geburts- und Heimatstadt, zu begegnen. Ihr gilt mein besonderer Respekt, weil sie es im Alter von 60 Jahren geschafft hatte, eine Qualifikation für Kona zu bekommen! Auch eine Heldin….!

Es fiel uns schwer unseren Platz an die nachfolgende Helferschicht abzugeben, obwohl wir schon zwei Stunden länger als geplant im Zelt geackert hatten. Als wir aus dem gesicherten Bereich draußen waren, hatte Jan Frodeno gerade die Siegerbanderole durchschritten. Aus dem Lautsprecher ertönte:

Jaaaaan Frrrrooodeenoooo, you’re an IRONMAN!

Week #5

Aloha und ‘Unexpected Achievements

The Honolulu Century Ride: Ride Aloha!

Nachdem ich nun vier Wochen auf der Insel war und einige Radtouren bereits mit den ‚Thursday Brunch Rider’ und mit George unternommen hatte, war ich gut für Hawaii’s ‚largest cycling event‘ vorbereitet. Der einzige Stress bestand darin, morgens sehr, sehr früh aufzustehen (4am) und um 6 Uhr im Kapiolani Park, Honolulu mit tausenden anderer Radfahrer am Startpunkt zu erschienen. ‚Well …, done!‘

6am at Kapiolani Park, Honolulu

Man kann nicht gerade behaupten, dass die 100 Meilen lange Strecke (50 hin, 50 zurück) ‚the cyclists delight‘ sind. Insbesondere nicht, wenn man bereits in Deutschland und Österreich radeln war. Abgesehen von den hinreißenden Passagen, die einen wunderschönen Ausblick auf die einzigartigen hawaiianischen Berge und das kristallgrüne Meer geben, fährt man einfach sehr viel auf stark befahrenen Straßen mit teilweise ‚very small shoulder‘. In den Städten gibt es ‚bike lanes‘, auf den Highways teilt man sich die Straße mit trucks, vans, jeeps and other cars‘. Da muss man als Radfahrer schon ‚traffic resistent‘ sein!

Gleichzeitig ist es so wunderbar die Insel, oder besser gesagt die ‚Eastside‘ mit dem Fahrrad zu erkunden und kennen zu lernen. Ich sehe einfach so viel mehr als mit dem Auto. Ich spüre die warme Luft an mir vorbeiziehen. Ich arbeite gegen den Wind, der trotz aller Hitze erfrischend ist. Ich schwitze und tropfe vor mich hin, wenn die Sonne auf den Asphalt knallt und die Hitze zurückstrahlt. Und wenn ein paar Wolken den Himmel queren, dann bin ich dankbar für diese Erleichterung.

Für alle ‚Non Biker‘ hier: Wovon sprechen wir? Von 100 Meilen. Das sind ca. 160 km. Das ist richtig lang! Die ersten 40 km waren ‚easy‘, ab km 80 dachte ich „wow“, ich habe schon die Hälfte!“. Ab km 120 habe ich quasi jede Minute auf mein Garmin geschaut und die Kilometer gezählt – schlechtes Zeichen! Ab km 140 war es richtig Arbeit.

Ich war stolz, dass meine Beine so gut mitgemacht haben. Und war dankbar, dass mein Rücken mich hat fahren lassen. Besser, viel besser als ich erwartet hatte! ‚It was great fun‘, denn alles stand unter dem Motto ‚Ride Aloha‘! Man nimmt Rücksicht aufeinander, lacht miteinander, nimmt es ‚easy‘, hat ein Lächeln auf den Lippen und grüßt sich mit dem ‚shaggy‘. That’s Aloha!

Der ‚Aloha Spirit‘

Es ist mir fast peinlich über den berühmten ‚Aloha Spirit‘ noch weitere Worte zu verlieren. Gibt man ‚Aloha Spirit‘ in die Internetsuche ein, poppen hunderte von Beschreibungen und Definitionen auf. Allerdings wird nur selten die Tatsache erwähnt, dass es sich um ein Gesetz des Bundesstaates Hawaii handelt. Als ‚State Law‘ (§5-7.5 Aloha Spirit) ist sein eigentlicher Zweck, das Verhalten der staatlich Beschäftigten, die ihre Arbeit mit ‚deep care‘ und ‚respect‘, also Respekt, Sorgfalt und Achtsamkeit gegenüber den Menschen für die sie arbeiten, ausführen sollen.

Für mich steckt im berühmten ‚Aloha‘, das meist als Grußwort oder Abschiedsfloskel verwendet wird, der ‚spirit‘ drin, von dem die Welt heutzutage mehr braucht: Wechselseitige Anerkennung, Toleranz, Wohlwollen und Freundlichkeit und menschliche Wärme.

Erleben kann das hier jeder und für mich als ‚German perfectionist‘ und Kaizen-Junkie ein weites Übungsfeld der Selbstüberprüfung mit ausreichend Trainingseinheiten für meine Impulssteuerung. Jaaaa, es ist gar nicht so einfach über den eigenen Schatten zu springen…

Ich lerne! Lerne entspannter zu sein. Mir selbst und meinen Mitmenschen gegenüber!

Und weil ich zwischenzeitlich ganz gar diesem Spirit verfallen bin, begrüße ich Andy auch traditionell hawaiianisch. Jede/r verbindet mit Hawaii unter anderem die Blumenkette, die Besuchern bei Ankunft auf der Inselkette von schönen, hawaiianischen Frauen, mit langem, schwarzem Haar, üppigen Blumenkranz auf dem Kopf und Hula-Röckchen geschmückt, um den Hals gelegt werden. Zugegebenermaßen, werde ich nur den Blumenkranz mit dieser Assoziation gemein haben.

Der traditionelle „Flower Lei“, den man zu besonderen Anlässen als Geschenk mitbringt, ist eine Kunst für sich. Man erhält die Standardware in jedem Supermarkt. Solche sind für einfache Begrüßungen gerade recht. Sollte der Lei allerdings als Geschenk beispielsweise an eine schwangere Frau gehen, dann ist ausdrücklich nach dem Grundsatz „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, der Florist bzw. ‚lei maker‘ zu konsultieren. Nur diese Fachleute wissen um die Feinheiten in der hawaiianischen Blumensprache und deren „psycho-sozialen“ Konsequenzen!

‚By the way‘, für alle Damen unter uns: Wer Single ist und nicht bleiben will, trägt eine Blüte hinter dem rechten Ohr – ‚it means she’s available‘. Wer vergeben ist – also ‚already taken‘ – und keine neuen Abenteuer sucht, trägt eine Blüte hinter dem linken Ohr!

Profipaddeln auf Hawaiiansch!

Paddeln oder Kanu fahren ist ja eigentlich nichts Besonderes. Vielleicht seid ihr schon mal auf der Lahn oder sonst einem Flüsschen Kanu gefahren. Manche von euch haben vielleicht sogar im Ruderboot gesessen und können vom technischen Feinschliff des Ruderzugs berichten. All das hatte bisher keine besondere Wirkung auf mich. Ich mag paddeln, Kanu und Kajak fahren, habe aber nie mehr als ein Freizeitevent darin gesehen.

Hier am Kailua Beach konnte ich oft aus der Ferne beobachten, wenn die Locals ihre Outrigger – die traditionellen hawaiianischen Kanus, mit einem Seitenausleger – ins Meer schoben und sich rhythmisch paddelnd gen Horizont entfernten. Ich kann nicht genau sagen, was mich triggerte: „Das muss ich ausprobieren“ murmelte ich!

George, mein „Cyclist-Mate“, gab mir den Kontakt zu Stacey. Sie traf ich am hiesigen ‚Kailua Canoe Club‘! Mittwochmorgen. Ich trete um 7:30 Uhr an. Erste theoretische Instruktionen. Wie steige ich ein, wie sitze ich, wie halte ich das Paddle. Wir (5 Frauen und der Trainer) schieben das Outrigger ins Wasser. Zum Glück geht es nicht gleich ins offenen Meer, sondern in den ‚Canal‘ bzw. das Inlet, welches Wasser vom Landesinneren ins Meer leitet.

Ich bin beruhigt. Jake, der Trainer weist mich kurz ein und ehe ich mich versehe bin ich am Paddeln: ‚Stroke one. Stroke two. Dip stroke. Deep Stroke‘. Long stroke’. “Patricia, hold on! Keep the rhythm. Good joooob! Don’t bend your arm. Smoooooth entry. Relax bottom wrist. One, two, three – One, two, three – One, two, three. Ahhh, there you go! Keep that. “

Eine gute Stunde ging das so. Das Kanu wird wieder an Land gezogen, abgewaschen. Kurze Trainingskritik von Jake. Alle stehen im Kreis, strecken ihre rechte Hand in die Mitte und legen sie aufeinander und schwingen sie mit Energie in die Luft und rufen dabei „Patricia“. Ich bin aufgenommen!

Week #4

Wilde Tiere und Heilige Hühner

Ich habe beschlossen, nicht mehr im offenen Meer zu schwimmen! Zumindest nicht weiter als 10-15m vom Strand entfernt. Mir ist mulmig, wenn ich so allein von den blau-trüben Wassermassen umgeben bin. Dies nicht ganz ohne Grund: Rund um die Inselkette gehören Hai-Begegnungen ‚more or less‘ zum Alltag.

Alle wissen das! Alle sind es gewohnt! Geht man ins Meer, ist das so als wenn man im Straßenverkehr unterwegs ist. Die Gefahr verletzt oder getötet zu werden ist da, sie ist nur unwahrscheinlich!

Ich wollte mein mulmiges Gefühl loswerden. Also begann ich ein paar seriöse Seiten über Haie und ’shark incidents‘ zu lesen. Als Naturwissenschaftlerin hatte ich die Hoffnung, dass mir sachliche Informationen helfen würden ‚to clear up my mind – it didn’t‘.

Auf https://dlnr.hawaii.gov/sharks/ findet man ausgewogene und sachliche Informationen und Statistiken. Jetzt weiß ich: Ich möchte lieber überfahren als gefressen werden!

Jetzt weiß ich: Ich möchte lieber überfahren als gefressen werden!

Allein die Liste aller Hai-Begenungen von Surfern, Paddlern und Schwimmern liest sich für mich, abgesehen von ’shark bit nose of surfboard‘ irgendwie grausig. ‚Bitten on back of lower torso‘ oder ‚Fatal. Loss of leg at knee‘. Och nö! 

Nur für 2019 habe ich neun ’shark-incidents‘ gezählt. Seht selbst: ‚https://dlnr.hawaii.gov/sharks/shark-incidents/

Zur Beruhigung schaut ihr euch noch das Video mit der super-hübschen, schlauen und sexy Meeresbiologin ‚Ocean Ramsey‘ aus Honolulu an.

Hai? Das kann ich auch 😉!

Angeregt durch einen Event „Die Sehnsucht nach dem Meer“ mit Christoph Störmer in der Brainery in Hamburg, in dem mich Gaby und Pia spontan virtuell vom Kailua Beach hinzu geschaltet hatten (… erstaunlich, wie gut die Verbindung Hamburg:Hawaii funktioniert hat!), werde ich tiefer in meine Angst ‚Teil der Nahrungskette zu werden‘ eintauchen!

Brainery – Die Sehnsucht nach dem Meer – 25.09.2019
Week #4 weiterlesen

Week #3

Contemplating in front of Chinamen‘s Hat

Gewohnheiten und Routinen

Noch fühlt es sich wie ein verlängerter Urlaub an, Sonne, Strand, das Meer und das warme Klima – das ist Urlaubs-Feeling. Ich kann tun und lassen, was ich und wann ich will.

Gleichzeitig kehren Alltagsroutinen ein, die mir das Gefühl geben, hier anzukommen: Das morgendliche Kaffee-Ritual, die täglichen Fahrten (natürlich mit Banana-Rad) zum Strand oder ins Städtchen. Ein Cappuccino bei Morning Brew oder ChadLou’s. Ein paar Einkäufe erledigen, ‚laundry‘ und ‚housekeeping‘ gehören dazu.

Im Grunde führe ich hier ein bescheidenes und unspektakuläres Dasein! Der ‚Thursday Ride‘ mit den netten Rennradfahrern oder mal eine zweite Ausfahrt, je nachdem, was in der Gruppe gepostet wird. Zweimal pro Woche abends Schwimmtraining. Die Abende verbringe ich in meiner kleinen Condo. Meist schaue ich irgendeinen unterhaltsamen Movie, mit einem leckeren Sandwich auf der Couch sitzend. Ich sag’s doch – unspektakulär!

Ich liebe das! Dennoch habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu Routinen. Einerseits ist es wunderbar, dass sich die Dinge wiederholen und zuverlässig wiederkehren: Mein Kaffee, die Morgensonne, die Alltagsaufgaben, der Abend-Movie. Andererseits will und muss ich Abwechslung und Herausforderungen haben. Mir fehlt sonst die Intensität im Leben.

Der Hula

Am Donnerstag stellte Hope, meine Ohana-Vermieterin, mich in ihrer Kirchengemeinde der Hula-Gruppe vor. Bonnie und Marge, die Hula Lehrerinnen, haben mich herzlich aufgenommen. Marge, eine große, kräftige hawaiianische Frau, kam auf mich zu: „I’m Marge. It’s good to have you here!“, drückte mich und gab mir einen Kuss auf die Backe. „We meet every Thursday evening. So you are beginner, right? Perfect. In November you will perform your Hula with all the other ladies here!“

„Perfect. In November you will perform your Hula with all the other ladies here!“

Uups…. das ging ja schnell. Die Geister, die ich rief, dachte ich und war mir nicht mehr ganz sicher, ob ich das ’so‘ wollte…  

„I promise, the first lessons are the worst. After that, it’s gettin‘ easy!“, sagte Bonnie und leitete ihre Unterrichtsstunde mit einem ‚wrap up‘ der letzten Stunde ein.

Zu meiner Überraschung gab es einen Liedtext, der in Zeichensprache, also Gehörlosensprache übersetzt wurde und die Handzeichen wurden zur Musik einstudiert. ‚Hand Signing‘ nennt man das und es ist Grundvoraussetzung des Hula-Tanzes, denn Hula ist seit jeher ein erzählender Tanz. Und erzählt wird mit den Händen. Also entgegen all meiner Erwartungen, erst einmal kein einziger Hula-Schritt, kein einziger Hüftschwung, kein Baströckchen – nichts. Jetzt lerne ich jeden Tag ein paar Minuten Handzeichen.

Der Hula wird hier in der Kailua Community Church, einer christlichen Gemeinde gelehrt. Zu Beginn der Stunde und am Ende wird gebetet:
„… and we are worshipping the LORD …“.

Während des Schlussgebetes denke ich: Wenn es Gott gibt, dann wohnt er in der Herzlichkeit dieser Menschen!

Hier fährt man nicht einfach nur Kanu, sondern Outrigger!

Früher zum Fischfang und Transport genutzt, ist ‚Outrigger paddeling‘ heute ein beliebter, hawaiianischer  Wassersport. Jeder verbindet Hawai’i mit Surfen und Kiten, aber sicher nicht mit Outrigger Kanus.

Mir sind diese Kanus am Kailua Beach das erste mal aufgefallen. Die ‚locals‘, die ‚beachside‘ wohnen, haben die Ausleger-Kanus sprichwörtlich vor ihrer Haustür (am Strand) stehen.

Neulich (in der ‚Full Moon Night at Lanikai Beach‘) kam gerade eine 8er-Kanu-Gruppe am Beach angepaddelt. Ich war zwei Meter entfernt und habe spontan mitangepackt, um das Kanu aus dem Wasser an Land zu ziehen. Das war der Moment, in dem ich entschieden habe: Das muss ich ausprobieren! 

Es ist nicht schwer, hier etwas dazu herauszufinden. Stacey, eine Freundin von George, gab mir den Tipp zu dem heutigen Event. Was bei uns der Berlin Marathon ist, ist hier das ‚Annual Hawaiian Outrigger Races’.

Um heute live und hautnah dabei sein zu können, habe ich ‚The Bus‘ genommen. Für $2,75 und viel Zeit kommt man von Kailua nach Honolulu. Aber das ist eine andere Geschichte ….

Als die „Na Wahine O Ke Kai‘, die Frauen des Meeres, nach 41 Meilen über den ‚Kawai Channel‘ von Moloka’i nach O’ahu am ‚Kahanamoku Beach‘ (ganz in der Nähe von Waikiki Beach) ankamen, ertönte über Lautsprecher ein hawaiianischer Sprechgesang und Trommler begleiteten das Spektakel. Jedes einzelne Kanu wurde so traditionell und festlich empfangen.

Schaut euch mal diese Videos an: No Place For Women: The Story of Na Wahine o Ke Kai und Na Wahine O Ke Kai 2012. Ihr werdet geflasht sein!

No Place For Women: The Story of Na Wahine o Ke Kai

Na Wahine O Ke Kai Paddle Out 2012

Obwohl der ‚Kahanamoku Beach‘ touristisch total überlaufen und sonst auch nicht besonders schön ist, herrschte mit Beginn der Zeremonie eine respektvolle und fast demütige Stimmung. Den Frauen und dem Meer gewidmet!

Week #2

Mein Stammplätzchen, Kailua Beach Park

Gerade wollte ich mich an mein „Stammplätzchen“ am Beach setzen, um meine ‚Weekly News‘ zusammen zu fassen, da überkam mich eine unbändige Lust in diesem türkisgrünen Wasser schwimmen zu gehen. Ich konnte dieser Einladung nicht widerstehen – trotz Quallententakel und Hai-Fantasien.

Today’s swim (ca. 1000m)

Jeder hat sein Ding – Schwimmen ist meins!

Um im Kailua Masters Swim Club am regelmäßigen Training teilzunehmen, musste ich einerseits Mitglied in der USA-weiten U.S. Masters Swimming Organization‘ werden und andererseits dem Hawaiianischen Kailua Masters Swim Club beitreten. Beides beschert mir sowohl Versicherung als auch das Gefühl „dazu zu gehören“! Hier schwimmen die ‚residents‘ …. und ICH.

Montag- und Mittwochabend um sieben Uhr geht’s los. Es ist schon dunkel und immer noch sehr warm. Leider bringt auch der Sprung ins Pool keine Abkühlung, das Wasser ist von der Sonne so aufgeheizt, dass man keinen Unterschied spürt – cosy!

Für mich war es das dritte Schwimmtraining und ich habe mich von Lane 1 zu Lane 3 hochgearbeitet. Whitney, ‚our Swim-Coach‘ ist eine zackige, junge Frau, die vom Beckenrand aus ihre Anweisungen gibt: „Oooookaaayy Ladies (…es sind auch Männer im Becken ;-), warm up! Five two hundreds, then fifty easy in between! When you are done then eight three hundreds, fifty easy, then fifty fast.”

Beim ersten Mal fragte sie mich ganz geschäftig: „What’s your time?” Ich: „I don’t know – guess intermediate” und sie steckte mich in die Lane 1, da sind die Langsamsten! Als ‚new kid on the block‘ hielt ich mich höflich zurück, denn das war tatsächlich unter meiner Zeit. Jetzt darf ich in Lane 3 schwimmen, das passt erst einmal.

Zum Schluss ruft Whitney noch vom Beckenrand aus: „Two hundreds as faaaaast as you can, then cool down!” und „See youuuuu Mondaaayy!“ Übrigens: Masters ‚simply means 18 and older‘ und es gibt 8 Lanes!

Training at Kailua Masters Swim Club

Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht

Ed, George, Melanie und Karen. Bei einem Café Latte im Starbucks traf ich Ed. Ed ist ein aufgeschlossener, neugieriger Mann, Anfang 50, untersetzt und hat offenbar Freude an gutem Essen. Er hat ein Haus auf der Insel, wohnt sonst auf dem ‚Main Land‘ und pendelt seit vielen Jahren hin und her. Selbst bezeichnet er sich als ‚locist‘, was die Synopse aus ‚local & tourist‘ ist.

Wir kamen ins Gespräch und schwups, waren die nächsten zwei Tage verplant: Vom Sonnenaufgang (6 am) bis ‚after lunch time‘. Ed war jeweils zwei Vormittage mit mir unterwegs und zeigte mir alle ‚must have‘ an der East und North Shore (Kualoa Ranch, Laie Point mit Ausblick auf Kukuihoolua Island, Turtle Bay, Kawela Bay, Waimea Beach Park, Laniakea, wo die Surfer sind…..), gab mir gute Insidertipps für Unternehmungen, die ich die nächsten Wochen noch abarbeiten kann und nahm mich mit in sein Lieblingsrestaurant Joe’s in Hale’iwa.

Die Shrimps dort sind unvergleichlich und bisher dachte ich meine Mutter macht die besten (…sorry, Mama)!

Sightseeing Trip mit Ed

In der Cycling Community

George traf ich ganz und gar online. Er bot mir an, mich beim Kailua Thursday Ride zu begleiten – ‚just in case the pace is too quick‘! George’s Name fiel über mehrere Beiträge, die im Netz an mich von unterschiedlichen Leuten herangetragen wurden.

Am Donnerstag also früh aufstehen und um 8:00 Uhr am Treffpunkt erschienen! Die Gruppe trudelte nach und nach ein, auch Melanie. Sie ist sicher schon ein ganzes Stück über 60 und fährt wie eine junge Biene. Melanie gibt mir Infos zu Events, ‚which she is highly recommending‘. Weitere Mitfahrer kamen auf dem Makapu’u Lookout hinzu.

George war ein wunderbarer ‚pacemaker‘ – allein wäre ich nie so zügig durch den Gegenwind gekommen und zwischendrin, während wir durch ruhige Straßen fuhren, war immer Zeit für einen kleinen Plausch. George erzählte von seinen Enkelkindern, seiner Familie und seinem Beruf – er ist ‚psychiatrist‘ und arbeitet ‚independently‘. However, er wird mich jetzt öfter mal auf seine Touren mitnehmen und mir die Gegend zeigen. Nebenbei erhält man Einblick in das Leben eines ‚Local‘.

Während des Radelns kam Karen auf mich zu: „Hi, I’m Karen. Nice meeting you!“. Karen ist super aufgeschlossen, einfach eine Frohnatur und ‚sociable‘. Sie war bei der US Army und ist bereits mit 58 quietschfidel in Rente. Karen hat also viel Zeit! Karen lud mich für Freitag zur ‚Full Moon Night‘ am Lanikai Beach ein. Cracker, Dip und Wein und ein gelungener ‚small talk‘ über dies und das.

Während ich diese Zeilen schreibe pingt mein Telefon vor sich hin – die Kailua Thursday Riders sind wieder aktiv und überlegen gemeinsam, wie ich am 29. September am besten am Honolulu Century Ride teilnehmen kann. Ohne Auto ist das hier nämlich ein Problem zum Startpunkt der berühmten alljährlichen Ausfahrt der Rennradler und Triathleten zu kommen, insbesondere morgens um 5 Uhr. Mal sehen wie das klappt…

People @ Kailua Thursday Ride

Go Green!

Heute (Sonntag) startete ich meinen Tag mit dem Besuch des Kailua Farmers Market. Hier kommt die ‚organic community‘ auf ihre Kosten. Gemüse und Obst aus eigenem Anbau, Bäcker und Köche zeigen, was sie können. Smoothies und handgemachte Seife. Und ich kaufe mir ein ‚sourdough bread‘ und werde heute Abend darüber herfallen. Zukünftig muss ich sonntags auf mein Frühstück verzichten, um mich hier Stück für Stück durchzufuttern. Ein kleiner Markt, der das sehr zarte Pflänzchen einer Öko-Bewegung wieder spiegelt.

Go the extra mile for good bread!

Ojee, schon so spät?! Der Wind zieht auf und die Kitesurfer kommen, um die letzten ein, zwei Stunden bis es dunkel wird zu nutzen. An der ‚mountain side‘ ziehen dunkle Wolken auf – ich muss los, bevor ich in den Regen komme….

Gestern Abend ereilte mich mit tierisch lautem Sirenenton aus meinem Telefon (meine Güte, was ist das denn, dachte ich erschrocken…! Wie kommen die an meine Nummer ….? Wahnsinn, diese Digitalisierung und was man sonst noch so denkt ….), eine inselweite Unwetterwarnung:

‚Flash Flood Warning this area. Avoid flooded areas‘.

Gut, dass ich schon zuhause war, am Strand war es sicher ungemütlich geworden. Heute bin ich vorsichtig!

Week #1

Während ich gerade mit meinem (…nur über’s Wochenende) geliehenen Wrangler Jeep zum Strand fahre und darüber nachdenke, was ich euch erzählen kann, läuft im Radio hawaiianische Unterhaltungsmusik. Ein kräftiger Wind biegt die Palmen am Straßenrand Richtung landesinnere. Die Sonne scheint und es ist heiß.

Statt aufgeschnittener, bepflanzter Autoreifen schmücken hier ausgediente Surfbretter die Vorgärten. Große GMCs und Familiy Vans stehen vor den typisch amerikanischen Holzhäusern. Alles nichts Besonderes, wenn man USA kennt. Doch die bergige Kulisse, die sich hinter der Häuserreihe auftut, ist einfach sensationell. In saftigem Grün und gleichmäßigen Falten, die himmelwärts zeigen, geben sie einem sofort das richtige Jurassic-Park-Feeling.

Ich wohne hier in einer ruhigen und typischen ‚neighborhood‘ am nord-östlichen Ende von Kailua – the Kalaheo neighborhood. Meine Ohana (family) ist sehr nett und kümmert sich ganz entzückend um mein Wohlergehen. Ich habe alles, was ich brauche.

Eine Woche bin ich nun hier und kann mich immer noch nicht so recht orientieren. Obwohl das eigentlich ganz einfach sein sollte, denn es gibt eine ‚mountain side‘ und eine ‚beach side‘! Die Straßennamen machen mich ganz kirre: Ich wohne im Kaimake Loop, muss durch die Kaha Street zum Kainalu Drive oder über Kihapai Street, um über die Kailua Road ‚Downtown‘ zu kommen. Oder ich fahre über die Kalahoe Avenue zur Kawailoa Road, um zum Beach zu fahren.

Kaimake Loop, Kailua, O‘ahu

Nachdem ich meine Einkäufe in den einschlägigen Supermarkets, wie Target, Foodmarket und Wholefood erledigt hatte, musste ich eine neue Matratze für mich finden. Gutes Schlafen ohne Rückenschmerzen ist für mich so bedeutsam geworden, wie Zähne putzen.

Ich habe sie alle durch: Bedmart, Costco, FurnitureWorld, Slumberworld etc. – so lernt man auch die Gegend kennen! Und viele neue Wörter über Größe (Queen, King, Split King) und Aufbau von Betten („… do you need a foundation or have a pegboard? “), den Härtegrad von Matratzen („What kind of support do you want? Firm, Extra Firm, Plush, Pillow Top? “). Anyway I‘m done! Ich hab‘ etwas Reisebudget in eine neue Matratze investiert und schlafe hervorragend (… ich brauche übrigens mindestens ‚Firm‘.)

Meist cruise ich mit dem Fahrrad durch die Gegend, radle zum Beach, genieße den Wind, die Sonne und die Zeit, die ich habe.

Die ‚living cost“ sind sehr hoch. Für 5 kinderfaustgroße Kartoffeln habe ich $5,99 und für einen Apfel $2,00 gezahlt und bin jedes Mal, wenn ich aus dem Supermarkt komme, geschockt wie hoch die Rechnung und wie klein meine Einkaufstasche ist. Das liegt nicht nur am Tourismus, sondern auch daran, dass Hawaii quasi ein kleiner Mückenschiss, irgendwo im Zentralpazifik ist. Wenn es sich nicht gerade um Ananas, Papaya, Mangos und Macadamianüsse handelt, dann wird vieles hier eingeflogen.

Gegen Plastikmüll oder für nachhaltige Lebensweisen scheint niemand wirklich einen ‚sense“ zu haben. Hier in Kailua gibt es allerdings eine Menge ‚bike lanes‘, zumindest down town. „Öko“ wacht hier erst langsam auf.

Meinen Cappuccino trinke ich bei Chad Lou‘s und den cold brew bei The Collective.

Man-O-War

Mein erstes, kleines Abenteuer war das ‚Open Water Swimming‘ im Meer. Offen gestanden, hatte ich, trotz der Tatsache, dass ich es liebe im offenen Wasser zu schwimmen, ziemlich Schiss! Nicht so sehr vor den Quallen (man-o-war = Portugiesische Galeere), sondern vor der Vorstellung im großen, weiten Meer einem Hai oder sonst einem großen Getier zu begegnen.

Eine archaische und vielleicht irrationale Angst, allerdings sehr deutlich spürbar! Allein die Tatsache, dass die sechs Schwimmer des Kailua Masters Swim Club so mir nichts, dir nichts in Wasser stapften, hat mich ihnen folgen lassen ohne weiter darüber nachzudenken.

Nach ein paar hundert Metern durchzuckte mich ein brennender Schmerz, eine Quallententakel hatte mich am Bein erwischt. Nicht wirklich schlimm, aber sehr unangenehm. Ich hab’s noch zur zweiten Boje geschafft, bin dann umgekehrt. Weitere ‚man-o-war stings‘ wollte ich mir ersparen.

Wieder aus dem Wasser gekommen, fragte ich eine der Schwimmerinnen: „What about sharks or other big fishes?“ und sie sagte: „If you see a shark with a black tip on its fin, don’t mind. If you see one with a white tip on its fin, they won’t do anything to you. If you see a shark with stripes, ….uuuhhhh you don’t wonna see ‘em!” Ojee, dachte ich, ich habe kaum meine Hand vor Augen gesehen, so unruhig war das Wasser, wie soll ich da einen Hai erkennen, bevor er zubeißen will?

„But remember, we’ve never seen the one with the stripes”

Als sie ging, sagte sie noch: „But remember, we’ve never seen the one with the stripes”, lachte und stieg in ihr Auto. Nächste Woche ist wieder Schwimmtraining im Pool, dann sehen wir weiter…!

Hanauma Bay
Makapu‘u Lookout

Der Countdown läuft …

Wer kennt das nicht: Irgendwas stimmt nicht, obwohl eigentlich alles in Ordnung ist!

Eine diffuse Unzufriedenheit auf hohem Niveau. Keine existenziell bedrohliche Situation. Schon beim Schreiben bekomme ich ein schlechtes Gewissen, dass es genauso bei mir anfing.

Wenn man zu dem Typ Mensch gehört, dessen Unterbewusstsein so lange quengelt und rattert, bis es sich nach „oben“ gearbeitet hat, dann hört man sie: Die eine Stimme, die sich lange Jahrzehnte zurückgehalten hat. Die übertönt wurde vom Bedürfnis nach Sicherheit und Wohlstand. Nach Stabilität und Verbundenheit.

Super Job, herausfordernde Aufgaben mit Fun-Faktor, gutes Einkommen, eine zuverlässige Beziehung, liebe Kolleg*innen, flexible Arbeitszeiten, beste Freunde, eine gesunde, selbstständige Tochter und, und, und …

Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und politischen Dynamiken von Flucht und Migration ist es nahezu peinlich zu offenbaren, dass man unter solchen Voraussetzungen immer noch nach den oder nach noch mehr „Sternen greifen“ will.

Nach nunmehr 6 Jahren seit der ersten Idee läuft der Countdown!

Die Wohnung ist aufgelöst, Hab und Gut eingelagert. Der Job endet. Familie und Freunde werden Stück für Stück verabschiedet. Letzte bürokratische Erledigungen. Kleine Abschiede wo man hinschaut und leuchtende Augen, wenn ich sage „Ich gehe auf meine einjährige Auszeit und ich lasse es mir einfach nur gut gehen. Nein, kein Abenteuer. Nein, auch nicht mutig. Ja, genau. Einfach nur schön soll es werden!“

Die digitale Welt erlaubt es uns, jederzeit in Kontakt zu treten und zu bleiben. Ich lade Euch herzlich ein, hier zu kommentieren oder mir zu schreiben. Freudiges, Kritisches, Neugieriges. Egal, was Euch so bewegt, welche Resonanz gebt ihr mir?

2019 … sabbatical now!

Ursprünglich bezeichnet das Sabbatjahr ein göttliches Gebot, das in der Tora beschrieben wurde. Es ist das letzte Jahr in einer Reihe von sieben Jahren, danach sollen Sklaven freigelassen werden und Äcker und Weinberge sollen brachliegen. Der Wortursprung aus dem Hebräischen šabat bedeutet „inne halten“.

Nun bin ich weder eine Sklavin, noch bin ich im Ackerbau tätig oder bestelle einen Weinberg. Dennoch ist es an der Zeit. Mein Sabbatjahr startet dieses Jahr im September.

In diesem Blog könnt ihr mich ein wenig begleiten.

52 Wochen. 4 Stationen. Hawaii. Florida. Rom. Tirol.

Details folgen später. Und wenn ihr erst einmal etwas über mich erfahren wollt, dann klickt einfach im Menü „über mich“ 🙂

Bis bald,
Eure Patty