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My favorite Hawaiian Music

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My favorite Hawaiian Music
Das Ritual zwischen mir und meinen Eltern ist immer das Gleiche: morgens kriechen alle aus dem Bett, jeder macht sich einen Kaffee und wir sitzen zusammen und kommen ins Erzählen. Ich bekomme von meinen Eltern viele kleine Geschichten erzählt. Vergangenheit und Gegenwart bieten einen nahezu unerschöpflichen Fundus. Allein die Story über die amerikanische Staatsangehörigkeit meines Vaters würde einen ganzen Roman hergeben. Sie hatte uns mehrmals nach USA geführt. So auch im Sommer 1967.
Meine Mutter packt unsere sieben Sachen zusammen. Kleidung, Küchenutensilien, Bettwäsche. Alles, was einigermaßen zu gebrauchen ist, wird in einen Schiffscontainer gepackt. Alles, nur keine Möbel. In Amerika werden wir neue kaufen!
Wir wandern aus! Mein Bruder Mike ist sechs Jahre alt und ich fast vier. Es ist das zweite Mal, dass sich meine Eltern auf die Reise machen. Das erste Mal brachte sie die dienstliche Versetzung meines Vaters von Würzburg nach El Paso hierher. Direkt an der mexikanischen Grenze musste er damals seinen Militärdienst absolvieren.
Diesmal herrschte Goldgräberstimmung. Mein Vater hatte das Angebot eine Generalagentur eines großen kalifornischen Versicherungskonzern in Florida aufzubauen. Chance und Risiko zugleich. Mit meiner Mutter hat er den Deal: „Wenn es Dir nach einem Jahr noch nicht gefällt, dann gehen wir zurück nach Deutschland!“
Das Frachtschiff, ein schwedischer Bananendampfer, verlässt samt unserem gepackten Container und unserem neuen roten Opel Rekord, Bremerhaven im Juli 1967. Wir waren die einzigen Passagiere auf dem Schiff. Und so kam es, dass die Matrosen und Offiziere uns all ihre Aufmerksamkeit schenkten. Meine Eltern erinnerten sich mit einem herzhaften Lachen an diese Überfahrt: „Dreimal am Tag hatten wir Captain’s Dinner. Schon morgens stand die Schnapsflasche auf dem Frühstückstisch. Die Schweden vertragen was!“

Ich habe nur wenige, verschwommene Erinnerungen an diese Überfahrt. Ich weiß nur noch, dass alle sehr nett und lieb mit mir umgegangen sind. Und dass es irgendwie unterhaltsam war. Daran, dass ich seekrank war und mich die halbe Überfahrt übergeben musste, kann ich mir kaum erinnern. Ist vielleicht auch besser so!
Zehn Tage dauerte es, bis wir in Baltimore ankamen. Zehn Tage über die raue See. Zehn Tage in der abenteuerlichen Obhut eines riesigen Bananendampfers. Dann endlich der Landgang. Am Rockzipfel meiner Mutter, warteten Mike und ich bis mein Vater die Einreise- und Zollpapiere geregelt hatte. Unser geliebter, roter Opel Rekord durfte nicht einreisen, bevor er nicht gewaschen bzw. dekontaminiert wurde. Wegen der Einschleppungsgefahr von Seuchen und Krankheitserregern. Merkwürdigerweise mussten wir nicht gewaschen werden, was wahrscheinlich mehr Sinn gemacht hätte.

Fast 900 Meilen musste der frisch gewaschene Opel Rekord durchhalten. Tagsüber fuhren wir zu viert im Auto, am Abend suchten wir ein Motel zur Übernachtung. Endlich, am dritten Tag in Orlando angekommen, suchten meine Eltern eine vorübergehende Bleibe. Die ersten Wochen lebten wir in einem Motel, dann in einem Townhouse, bis meine Eltern schließlich ein kleines Häuschen in einer freundlichen Wohngegend in der Nähe des Lake Killarney gefunden hatten. Fortan sollten wir unseren Wochenenden am Beach von New Smyrna oder am Coco Beach verbringen. Welcome to the Sunshine State!

Mein Bruder, der wie ich, kein Wort Englisch sprach, wurde dort eingeschult. Berichten zufolge war das absolut kein Spaß für ihn. In die erste Klasse zu gehen ist als sechsjähriges Kind schon herausfordernd genug. Die Sprache nicht zu verstehen, macht es nicht leichter. Ich war genau zwei Tage im Kindergarten. Dann weigerte ich mich, weil ich Angst vor der Kindergärtnerin hatte. Außerdem konnte ich so meinen Vorlieben, Spiel- und Bastellaunen nachgehen, wann immer ich es wollte.
Und so rüttelten wir uns mehr oder weniger leicht in das neue Leben im Amerika ein. Mein Vater startete sein Business in der Versicherungsbranche, von dem er sich ein lohnenswertes Geschäft erhoffte. Meine Mutter, die nur wenig Englisch konnte, kümmerte sich um den Haushalt, die Kinder und ging eher widerwillig den sozialen Nachbarschaftsverpflichtungen des dort ansässigen Women‘s Club nach. Am Vormittag unterstützte sie meinen Vater mit Schreibarbeiten. Er war unterwegs – mit dem roten Opel, machte Kontakte und erarbeitete sich wichtige Kundentermine, um sein Geschäft ins Rollen zu bringen.
Wir sitzen im Flieger nach Deutschland. Meine Mutter, Mike und ich. Mein Vater bleibt noch etwas länger. Der Versicherungskonzern hatte zwischenzeitlich beschlossen, sich aus dem Florida-Markt zurückzuziehen. Seit einigen Monaten hat er einen neuen Job als Autoverkäufer bei einem GM-Händler. Damit kann er sicher sein und auf seinen Erfolg zählen. Das hatte er in Deutschland nach seiner ‚GI‘-Zeit bereits bewiesen. Hier in Orlando gehörte er schon nach zwei Monaten zur Spitze der Verkäufer.
Die Tatsache, dass mein Vater sich beruflich etabliert hatte und das Auskommen der Familie sicherstellen konnte, half nicht. Mein Mutter konnte keinen wirklichen Gefallen am amerikanischen Lifestyle finden. Sie wollte zurück nach Deutschland.
In Frankfurt angekommen, wurden wir in Empfang genommen und wir fuhren in die Bäckerei meiner Großeltern. Einige Wochen später am Telefon: „Papa, wann kommst Du nach Hause“. Nach diesem Telefonat kündigte mein Vater seine Stelle in Orlando und kaufte ein Flugticket nach Deutschland.

Der rote Opel Rekord musste leider zurückbleiben. Er verbrachte die letzten Tage mit meinem Vater. In seinen Polstern steckten die Erinnerungen eines abenteuerlichen Jahres. In seinen letzten Kilometern steckten auch die sehnsüchtigen Momente eines einsamen Familienvaters. Der Wagen wurde verkauft. Seine Spur verliert sich an dieser Stelle.
Man könnte meinen, dass nach einem Hawai’i Aufenthalt eine kalte Dusche eine erfrischende Sache ist. Ich habe den Wechsel von Hawai’i nach Florida eher als unwillkommene Abkühlung erlebt. Nicht nur wegen der deutlich niedrigeren Temperaturen, die mir nach Ankunft entgegen schlugen. Sonderbarerweise fehlte etwas: Die gewohnte Aloha-Atmosphäre.

Mein Flug nach Florida ging über Dallas. Während des Fluges habe ich meine hawaiianische Lieblingsmusik gehört (Ülili E, Vocal Duet with David Kamakahi) und habe die schönen Erinnerungen der letzten drei Monate an meinem inneren Auge vorbeiziehen lassen. So „angewärmt“ betrat ich den Boden von US Mainland,Florida. Aufgeladen mit Aloha und ‚totally relaxed‘ trat ich meinen Weg zu meinen Eltern an.
In der Warteschlange am Airport Shuttle habe ich darauf gewartet, dass mir jemand Hilfe mit meinem Gepäck aufdrängt, am Car Rental Schalter freundlich herbeiwinkt, oder dass die anderen Autofahrer mich zuvorkommend vorlassen, egal ob die Regeln es erlauben oder nicht. Nichts dergleichen. Jede/r ist mit sich selbst beschäftigt, auf das Eigene fokussiert und ganz offenbar sich selbst der Nächste.
Der Umgang hier erschien mir wie eine kalte Dusche. „Warum ist hier alles so unfreundlich, hektisch und egoistisch?“
Die ersten Tage war mir etwas kalt ums Herz, ohne dass ich sagen könnte, dass irgendjemand unfreundlich zu mir gewesen wäre. Es war einfach der emotionale Temperatursprung, den ich verarbeiten musste.
Kaum sind die Kinder aus dem Gröbsten raus, da kommen die eigenen Eltern dran…, so oder so ähnlich höre ich manche meines Alters reden. Und so stimmt es ja auch ganz oft. Hört man auf, sich um die Kinder zu kümmern, weil sie groß und selbständig geworden sind, sind oft die eigenen Eltern pflege- oder zumindest sorgebedürftig.

Diese zweite Reiseetappe ist meinen Eltern gewidmet. Es ist „meine Elternzeit“. Seit über 22 Jahren leben sie in Florida. Zunächst in einem kleinen Reihenhäuschen an der Ostküste mit direktem Zugang zum Beach. Seit einem halben Jahr wohnen sie in einem kleinen Apartment in einer „Senioren-Residence“, wenige Meilen entfernt vom Meer.
Es ist viel zu tun im Hause Krebs. Der Einzug in die neue Wohnung und die Renovierungsarbeiten schleppen sich dahin. Wenn meine Eltern neues Eigentum erstehen, dann heißt das schon immer: Alles muss neu gemacht werden. Alte Wände raus, Möblierung raus, alte Küche raus, neue rein. Alte Bäder raus, neue rein. Mein Vater ignoriert einfach sein Alter und arbeitete beharrlich. Tag um Tag. Nahezu alles wollen sie selbst machen. So war das schon immer!
Blöderweise spielte das Herz meines Vaters nicht so mit. Er musste die Arbeiten unterbrechen. Eine Zwangspause einlegen. Das Schlimmste, was man diesem Mann antun kann.

Also nichts einfacher, als hier zu unterstützen. Wir schrauben gemeinsam Möbel zusammen, kaufen ein, kochen. Ich dränge beiden eine Pause im beheizten Pool auf oder insistiere, bis wir einen Nachmittag zum Strand gehen. Seit fast einem Jahr waren sie nicht mehr dort.


Seit längerem hatten sie das Mantra „Work, Eat, Sleep“. Ich versuche mich gerade an der Umprogrammierung auf:
Work, Relax, Enjoy!
Without Work this wouldn’t Work… 😉

Wir sehen uns meist nur einmal pro Jahr, hin und wieder telefonieren wir. Bisher war das ok. Sie sind älter geworden – logisch. Langsamer. Hören schlechter. Die Knochen tun hier und da weh. Meine Mutter ist mit 76 ziemlich fit. Mein Vater mit 82 erlebt sein „Revival“ dank eines Herzschrittmachers, den er vor 8 Wochen bekommen hat.

Vielleicht fällt das hier nur mir auf, denn sie befinden sich in guter Gesellschaft. Hier in der „Vista Pines“-Residence darf man erst Eigentum erwerben, wenn man 55+ ist. Die Anlage ist so groß, dass ich mit dem Fahrrad 5-6 Minuten brauche, um einmal rund zu fahren. Wo ich hinschaue, alte Menschen. Mal mehr, mal weniger fit. Mit und ohne Gehrädchen. Wer nicht mehr laufen kann, fährt mit dem Wagen zum Pool oder Clubhouse. Wenn ich mit dem Badetuch über der Schulter zum Pool laufe, komme ich mir vor wie ein ‚Jung-Spunt‘. Aus dieser Perspektive betrachtet, fühlte ich mich nie jünger als jetzt.
Insbesondere gut gestellte amerikanische Rentner leisten sich gerne entweder einen stetigen Wohnsitz hier im „Sunshine State“ oder ein Winter Domizil. Ein bekanntes und beliebtes Lebensmodell für’s Alter. Alles ist auf die Bedürfnisse der „Alten“ zugeschnitten, egal ob sie fit oder gebrechlich sind. Über 270 Golfplätze, tausende Tennisplätze, beheizte Pools in nahezu jeder Wohnanlage. Breite Straßen, langsames Fahren und große Parkplätze. Segelboote haben oft einen eigenen Steg zum Häuschen am Wasser. Oder man parkt das gute Stück im Club-Hafen unter Seinesgleichen.
Altersgerechte Wohnkonzepte im „Economy, Premium und First Class“ – Niveau. Je nachdem, was der Geldbeutel erlaubt. Ärzte und Kliniken für jedes Wehwehchen, Massage-Praxen und Therapie-Center, wo das Auge nur hinschaut.
Sarkastische Zungen sagen: „Florida is God’s Waiting Room“
Das warme Klima, die Sonne und die zarte ‚Breeze‘ in Meeresnähe, tragen ihren Teil zum „eleganten Koma mit viel Ruhe und Bequemlichkeit“ bei. Das Zitat ist von Iggy Pop, der amerikanischen Punk-Rock Legende. Mit jetzt 72 Jahren lebt er in Miami. So lässt sich komfortabel altern! Bis der Tot sie scheidet.
Mein Vater will hier in USA beerdigt werden. Er ist die dritte Generation in unserer Familie mit amerikanischer Staatsbürgerschaft, seit mein Urgroßvater Phillip sich im zarten Alter von 18 Jahren auf den Weg ins gelobte Land machte. Dieses Erbe möchte mein Vater ehren.
Meine Mutter denkt gar nicht daran zu sterben. Sie trotzt dem Zahn der Zeit mit Energie und Schaffenskraft. Sie genießt ihre Routinen, ist ‚always busy‘ mit Einrichtungs- und Gestaltungsfragen im neuen Apartment und hält meinen Vater auf Trapp.
Ich bin neugierig, was die Zwei zu erzählen haben. Will die Zeit nutzen, mehr über sie und ggf. über mich zuerfahren. Let’s see!
Mich von Hawai’i zu verabschieden, ohne auf einem Surfbrett gestanden zu haben? Das geht nicht! Obwohl ich bisher diese Form von touristischen Aktivitäten vermieden habe, konnte ich nicht umhin, eine Surf-Lesson am legendären Waikiki-Beach zu nehmen. Waikiki heißt ‚Sprudelndes Wasser‘, weil hier die topografischen Verhältnisse und die Strömung so beschaffen sind, dass die Wellen zuverlässig und stetig herein rollen.


Und wie auf Hawai’i so üblich, bekommt jeder bedeutende Platz einen Namen. So auch die Surf-Spots. Waikiki besteht aus sechs aneinander gereihten Strandabschnitten. Einer davon ist ‚Kalehuawehe‘. Das heißt so viel wie ‚Zieh den Lei aus‘. Der Legende nach, überreichte dort ein ‚Surf-Hero‘ der Frau eines herrschenden Oberhauptes seines Blumen-Lei. Was als Zeichen der Anbetung interpretiert wurde. Es ist nicht überliefert, wie diese Geschichte weiter ging.
Waikiki – ‚The Place to Be!‘ Allein schon deshalb, weil hier die ‚Royals‘ vor Jahrhunderten schon diesem anspruchsvollen Sport nachgingen. Niemand durfte sie dabei beobachten. King Kamehameha I (*1758 – 1819) erfuhr für seine Surfkünste besondere Bewunderung. Erst nach Abschaffung des hawaiianischen Kapu (Tabu-System) 1820 war es auch dem gewöhnlichen Volk erlaubt, sich auf den „Wellen-Brettern“ zu vergnügen.

Wer kennt Duke Paoa Kahanamoku (1890-1968) oder schlicht Duke? Er war Silber- und Goldmedaillen-Gewinner bei der Olympiade 1912 in Schweden im Schwimmen. Ganz nebenbei vergnügte er sich in seiner Freizeit mit Surfen. Seine Berühmtheit verschaffte auch diesem Sport Aufmerksamkeit, so dass er den Sport nach Kalifornien und Australien brachte. Seine Statue an der Strandpromenade zeugt von der historischen Bedeutung dieses Ortes.
Hier mit einem Surfbrett unter dem Arm an der Beach-Promenade zu laufen, ist mindestens so selbstverständlich, wie statt einer normalen Hose, Bade-Shorts oder Bikini anzuziehen. Also mache ich das auch so: Im Badeanzug und Surfer-Shirt watschle ich direkt von der gegenüberliegenden Surfschule über die Straße zum Strand. Dort warten schon die Surf-Coaches mit den Surfbrettern auf ihre Schüler.

Der Himmel ist wolkenlos, die Sonne brennt und es ist sehr heiß. Wer kann da an etwas Anderes denken, als sich samt Surfbrett ins Wasser zu werfen. Nach einer kleinen „Trockeneinweisung“ geht es auch schon los. Wir legen uns bäuchlings auf’s Brett und paddeln raus. Dort wo die Wellen ihren Anfang finden und sich aufbäumen.

Warten auf die richtige Welle, den Schwung nehmen, die Knie anziehen, Balance halten, Aufrichten, Balance halten, Arme raus, Balance halten. Umfallen, hinein Platschen ins Meer. Ganz ohne Gracie und Anmut.

All das gehört offenbar ebenso dazu, wie der seltene Erfolg, ein, zwei Mal zu Stehen und die Welle zu reiten. Erst jetzt erlange ich die Adelung den unter Surfern gebräuchlichen Shaka-Gruß, der in Hawaii für Aloha steht, nutzen zu dürfen. Welch‘ Ehre!

Eigentlich hatte ich keine richtige ‚Bucket List‘, als ich abreiste. Ich wusste nur, dass Hula und irgendwas mit Wasser dabei sein musste. Die Vorstellung, wie die ‚Locals‘ unterwegs zu sein, habe ich für das ganze Reisejahr gehabt. Ich verstehe mich nicht besonders gut darauf, ein Tourist zu sein. Viele, intensive Sightseeing-Touren überfordern mich schnell. Ich mag es, länger an einem Ort zu verweilen, hinein zu schnuppern. Leute und Land kennen zu lernen. So zu tun, als ob ich dort zuhause wäre. Auf diesem Wege hat sich die ‚BucketList‘ von selbst gefunden:

30.11.2019. Ich habe alles zusammen gepackt. Mein Rad verstaut und meine ‚Cozy Cottage‘ zur Abreise gecheckt. In zwei Stunden wird mich Karen abholen und zum Flughafen nach Honolulu bringen. Ein schönes Gefühl so persönlich verabschiedet zu werden!
Drei Monate sind vorbei. Ich bin satt und zufrieden und reise ohne Wehmut oder Trauer ab. Ich habe die Zeit hier intensiv und gleichzeitig entspannt erlebt. Mir gehen die vielen Dinge durch den Kopf, die ich unternommen habe. Die Menschen, die ich kennen gelernt habe. Die Freunde die ich gefunden habe.



Ich hatte nicht nur gute Tage. Meine Gesundheit hat nicht immer mitgespielt. Manchmal fühlte ich mich allein, selten einsam. Mal fröhlich, mal betrübt. Mal ungeduldig, mal ruhig, meist gelassen. Immer glückselig darüber, dass ich hier sein und diese wunderbaren Erfahrungen machen durfte.
Jetzt freue ich mich auf die Weiterreise zu meinen Eltern. Ein ganz anderer Abschnitt wartet da auf mich!
Mahalo i nā mea āpau. Ola maikaʻi a aloha i kou ʻāina.
Danke für Alles. Lebe gut und liebe dein Land.

Um etwas zu erleben, muss ich Downtown Honolulu. Ich fahre natürlich mit ‚The Bus‘. Einfach und ‚cheep‘, dafür dauert es ewig! Hier fahren die Schüler, Alltagspendler und Arbeiter. Diejenigen, die sich kein Auto mehr leisten wollen oder können. Und manchmal verlaufen sich ein paar Touristen! Ökomäßig auf jeden Fall mal ein Pluspunkt!
Musik: Diesmal nicht Ukulele und auch nicht Hawaiian Volksmusik. Mir war nach Soul & Blues zumute. Eine feine Mischung aus Jazz, Blues und Funk erwartete mich im Blue Note Club. Warum habe ich solche Konzerte nicht viel öfter in der Vergangenheit besucht? Es war herrlich. Der Laden hat gerockt und ich hatte unendlich Spaß! Empfehlung: Tower of Power – Soul, Blues & Funk. ‚I like it!‘

Kunst: Weder das Museum of Modern Art, noch eine Ausstellung für polynesische Handwerkskunst konnte mich verführen. Ich brauche ja immer etwas zum Erleben und Anfassen. Über einen Social Media Kontakt kam ich zu ‚Paint a Plate‘. In einer kleinen Keramik-Brennerei bekomme ich einen rohen Keramikteller, Farben und eine kurze Einweisung zur Handhabung! Oh Mann, das hat Spaß gemacht. Während ich da so in mich versunken saß und malte, dachte ich: „Kunst und Kindergarten“. So ähnlich war das damals!

Professioneller und mindestens genauso unterhaltsam war eine private ‚Street Art‘ Tour mit Tamara (… die junge Rentnerin von Woche #11). Auch Honolulu hat hippe Industrie-Mischgebiete, die sich gerade im Aufschwung befinden. Coole Locations, New Work und Life Space. Statt grauer Fassaden, bunt und kunstvoll bemalte Gebäudeflächen.

Die ‚Murals‘ von Kakaako sind berühmt. Sie verwandeln die Strassen dieses ‚upcoming‘ Districts von Honolulu in eine farbenfrohe Outdoor-Ausstellung. Über 100 Künstler aus aller Welt kommen jedes Jahr zum ‚Street Art Festival‘ namens „Pow! Wow!“ und hinterlassen erstaunliche Kunstwerke.

Kultur: Uhhh, damit tue ich mich immer etwas schwer. Zumindest wenn ich die Kultur eines Volkes durch ein Museum begreifen will. Ich mochte es noch nie besonders mich durch Museen zu arbeiten. Das „Bischop Museum‘ machte da leider keine Ausnahme, obwohl es wirklich ein sehr schönes Museum ist. Herkunft und Erbe der polynesischen Völker, archäologische Insel-Raritäten und ‚all about Hawaiian Monarchy‘. So viel, dass es mich schlicht überfordert hat.
Bei drei Monaten Aufenthalt wird einem hier klar, dass sich die „echten“ Hawaiianer – also diejenigen mit polynesischer Herkunft, oftmals nicht als Amerikaner fühlen und auch nicht fühlen wollen. Im Bischop Museum sehe ich warum das so sein kann. Herkunft und Erbe der polynesischen Völker, die Hawaii einst entstehen ließen, wurden im Laufe der Jahrhunderte mit der Einwanderung von „Fremden“ – Entdeckern, Seeleuten, Händlern, Missionaren – unterdrückt und teilweise ausgerottet.
Der Vielgötterglaube, der seinen Ursprung unter anderem in Tahiti, Samoa und Fiji findet, wird durch das Christentum verdrängt. So wie ich es verstehe, haben es die vielen gläubigen Einwohner bis heute geschafft, den Christengott in ihre nahezu unendliche Liste von Göttern und Geistern zu integrieren.
Aber was ist schon ein „echter“ Hawaiianer? Heutzutage darf man nicht nur, sondern muss sich die Frage stellen, ob die Herkunft noch eine Rolle spielt. Hawaii gilt als ‚Melting Pott‘ der Herkünfte und Kulturen. Die meisten Stimmen sagen: „We are all Americans!“. April, eine junge Frau, die ich bei einer Radtour kennen gelernt habe, hat auch diese Einstellung: „I’m the 5th generation. My ancestors were plantation workers on Big Island. I carry a blend of Japanese, Tahitian, Hawaiian and English genes. So what am I? It doesn’t even matter!“

Auch wenn ein Volksentscheid dazu führte, dass Hawaii 1959 der 50. Bundesstaat Amerika’s werden sollte, verstehen sich Teile der Bevölkerung seit der Annektion der Inselkette 1898 durch die USA, nicht als Amerikaner! Diese völkerrechtswidrige Vereinnahmung der Inselkette durch die Vereinigten Staaten diente ausschließlich militärischen Zwecken. An wen oder was erinnert uns das?
Zwischenzeitlich ist viel Zeit vergangen und das Alltagsleben der sehr durchmischten Bevölkerung zeigt davon wenig. Dennoch, im Hintergrund brodelt es. Die Minderheit der indigenen Einwohner wehrt sich gegen zu viel Amerikanisierung und möchte ihre Traditionen gewahrt und respektiert wissen.
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Hier auf Hawai’i lebe ich das Leben eines typischen, fitten hawaiianischen Frührentners. Die meisten derer, die ich hier kennen gelernt habe, frönen bereits zwischen 50 und 55 Jahren dem ‚Retirement‘. Das gelingt deshalb, weil sie entweder beim Militär gedient haben, im Schul- oder Universitätsdienst unterwegs waren oder sich als selbstständige Ärzte oder Anwälte verdingt haben.

Die beiden im Titelbild haben mich zu dieser Story inspiriert! Die Kinder sind groß und aus dem Haus. Beide haben für die Coast Guard gearbeitet. Das erfordert ein hohes persönliches und privates Investment. Schichtdienst, Fitnesstests, Weiterbildung, Bereitschaft häufiger den Wohnort und damit den Lebensmittelpunkt zu wechseln. Nach 30 Jahren Dienstzeit und mit bereits 50 Jahren sind sie verrentet und erhalten eine monatliche Pension vom Staat.
Die beiden sind eher die Ausnahme in den USA. Diese „Ausnahmen“ allerdings scheinen sich auf Hawai’i zu versammeln. Der durchschnittliche Amerikaner geht mit 66 Jahren in Rente. Mit 260 Stunden mehr Arbeitszeit pro Jahr als der durchschnittliche Europäer und einem Urlaubsanspruch von meist nur 5-10 Tagen pro Jahr hat sich unser Durchschnitts-Amerikaner die Rente und Rentenleistungen mindestens genauso verdient wie wir. Das amerikanische Rentensystem krankt an den gleichen Dynamiken wie unser Deutsches! Wer hier das Rentenalter genießen will und nicht zufälligerweise für Staat oder Militär gearbeitet hat, muss rechtzeitig an private Rücklagen denken.

Die fitten Rentner von Hawai’i sind körperlich und geistig fit. Sie treiben regelmäßig Sport. Sie vertreiben sich die Zeit mit Wind-Surfen und genießen ihren Freiraum. Sie sind aufgeschlossen, haben die Ruhe weg und lassen es sich einfach gut gehen. Eine sehr, sehr verführerische Vorstellung, die es mir tatsächlich leichter macht, mit Wohlwollen und sogar einem Hauch von Vorfreude auf meine „übernächste“ Lebensphahse zu blicken!

Ich will mitspielen, also unterwerfe ich mich diese Woche einem strammen Programm:
Den Rest der Zeit verbringt man am Strand, zuhause, trifft sich mit Freunden und überlegt, was es leckeres zum Essen geben könnte. So oder so ähnlich ist das normal im hawaiianischen Rentner-Dasein. Falls sich das Älter werden oder alt sein „so“ darstellt, dann bin ich nicht wirklich unzufrieden.
Der einzige, der nach unserem Verständnis schon längst seine Rente genießen dürfte ist George. Mit 71 Jahren arbeitet er als selbstständiger Consultant. Manchmal, wenn er Ärger mit Kunden hat oder die Aufträge extrem unangenehm sind, dann fragt er sich, warum er das eigentlich noch tut. Nötig hätte er es nicht. Ich frage ihn, ob er nicht langsam weniger Energie hat. „I feel like I just came out of college!“, er lächelt und zuckt mit den Schultern.

Diese Woche habe ich einen Video-Clip von Maren Kroymann gesehen und mich fast schlapp gelacht: Die FDA-Phase! Das ist der Lebensabschnitt, in dem alle Komplimente mit einem „für dein Alter“ versehen werden. „You are in good shape – for your age!“ sagte tatsächlich ein Typ am Strand zu mir. Und war es nicht Trump, der zu Brigitte Marie-Claude Macron sagte: „She’s in such a good shape!“ und meinte damit ‚für ihr Alter‘! In der politischen Öffentlichkeit galt das als Beleidigung!
In der Tat bin ich noch nicht ganz entschlossen, als was ich es einordnen soll. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu viel Zeit habe, über mein Leben nachzudenken? Mich beschäftigt das Älter werden! Ich mag es nicht! Wenn die Bäckchen (damit meine ich ALLE Bäckchen) erschlaffen und die Haut runzelig wird. Kraft und Ausdauer sich davonschleichen. Knochen und Gelenke schmerzen. Der Rücken lahmt. Die Erholungszeit nach egal welchen Aktivitäten, sich nahezu vervierfacht. Das Haar grau wird. Und das, was ich gerade rein körperlich wahrnehme, ist ja nur der Anfang! Ojee… wie soll das nur weitergehen?

Ich teile meine komödiantische Entdeckung mit meinem Cycling-Freunden: „Do you know the FYA-Phase?”. Sie runzeln die Stirn. “It’s the stage in your life, when every compliment ends with a ‘for your age’-phrase!” Gelächter und heftiges Kopfnicken folgen und jeder kennt es. Die erste Reaktion von George war:
“If people start mentioning the FYA-Phrase you’re already on the top! From then on it goes down…“
Widerstand ist sowieso zwecklos! Also gebe ich mich dem Lauf der Dinge hin. Den besten Rat, den ich mir selbst geben kann, ist die Zeit mit mir und anderen zu genießen. Der Blick in den Spiegel, das Keuchen beim bergauf radeln, das Erschlaffen der Haut. All das fordert mir eine gehörige Portion Selbstironie und etwas Humor ab. Ich höre die Leute schon sagen: „Du hast ja gut Lachen – für dein Alter!“ Stimmt ja auch!

Auch das Paradies braucht mal eine Pause! Über eine Woche schon ist das Wetter eher bescheiden. Es ist stark bewölkt. Es regnet. Kein Wind! Die Locals sagen: „It’s becoming winter!“. Der Schwedische ‚husband‘ meiner Radelfreundin Karen hat da nur ein müdes Lächeln übrig: „Come on…“, sein schwedischer Akzent kommt durch: „You even don’t realize it. It’s two degreesless. Ridicules! “.
In der Tat, es ist nur ein leichter Unterschied. Tagsüber wird es etwas schwüler und nachts kühlt es ein klein wenig ab! Es ist immer warm, auch wenn die Wolken die Sonne nicht durchlassen und der Regen eine kurze Abkühlung bringt. Von Flip-Flops, Shorts und ‚tank top‘ muss man sich deshalb nicht verabschieden.
Ich merke es daran, dass ich nachts den Deckenventilator abschalten kann. Die AC (Air Condition) zu benutzen habe ich vom ersten Tag an verweigert. Anfang September, als ich auf die Insel kam, war das eine echte Herausforderung. Wie viele andere Besucher, die AC nicht nutzen wollen oder können, lag ich nach dem Duschen unterm Ventilator, um mich vor der Hitze zu retten. Jetzt brauche ich nachts ein leichtes Tuch, um nicht zu frieren und beim Aufwachen morgens ist es ‚a little chilly‘.
Am schlimmsten waren die windlosen Tage für die Kite-und Wind Surfer. Sie warten auf den Wind. Sie kommen jeden Tag zum Beach, sprechen über den ‚Wind Forecast‘ und warten und warten und warten. Endlos. Ich sitze etwas abseits und beobachte das Warten bei einem Café.

Meinen täglichen Café Latte kaufe ich im ‚Kalapawai Market‘. ‚The iconic place to buy your deli‘!
Der kleine Gemischtwarenladen mit Bistro-Charakter um die Ecke.
So komme ich mit dem ein oder anderen einheimischen Beachgänger ins Gespräch! Da ist Jim the Fish. Jim ist fast 70 Jahre alt und geht täglich ins Meer schwimmen. Er steht immer sehr, sehr lange im kniehohen Wasser am Strand. Er beobachtet irgendetwas. Also gehe ich hin und frage ihn, ob er ein Ritual oder so etwas hat. Nein, sagt er: „I’m just contemplating. It could always be the last time.” Sie nennen ihn ‘Jim the Fish – especiallythe Yellow Tuna‘, weil er mit einer quitschgelbenMonoflosse, Tauchermesser und Schwimmhaut-Handschuhen weit raus ins offene Meer schwimmt. Es dauert Stunden bis er zurück ist. Aber er kommt seit 10 Jahren jedes Mal unversehrt zurück!




Und da ist, ‚Alan’, der ehemalige Professor für Mathematik und ethische Ökonomie! Er wohnt direkt um die Ecke des Kailua Beaches und kann sehr schnell auf die Wetterverhältnisse reagieren. Trotzdem sitzt er immer an der gleichen Stelle am Strand unter den Bäumen und hat IMMER seine Gitarre dabei. Er hat ein nahezu unerschöpfliches Repertoire an Liedern und Texten, mit denen er seine Kite- und Wind Surfer Kumpels – und mich – unterhält. Sie nennen ihn ‚Alan the Singer‘. Was sich lustigerweise in Alan’s Nachname wieder findet. Er heißt tatsächlich Alan Singer!



Und so vergehen die windlosen Tage, wie die zarten Wellen, die im stetigen Rhythmus ans Ufer rollen. Alle gehen ihrem bescheidenen Tageswerk nach. So auch ich. Mit den üblichen Aktivitäten kann ich mich im Gegensatz zu den „Windsüchtigen“ bei Laune halten. Die eingefleischten Kite- und Wind Surfer dagegen, erscheinen mir zwischenzeitlich leicht deprimiert.
Eigentlich ist Helge an allem schuld! Nicht nur die Tatsache, dass ich diesen Blog schreibe, sondern auch, dass ich einen überraschend schönen Abend auf dem Taimane-Konzert im Blue Note Club in Honolulu hatte.
Zum Auftakt dieser Woche bestand meine Mission darin, das Konzert der berühmten Ukulele-Musikerin Taimane Gardener zu besuchen. Helge ist seit langem ein großer Verehrer ihrer Musik und witzelte ein bisschen, dass ich Taimane ja für meinen Blog interviewen könnte. Na ja, kleine Hirngespinste eines verliebten Verehrers …!
Okay, dachte ich. Wer im Blue Note Club auftreten darf, kann nicht schlecht sein. Also ging ich hin. Ich konnte meine Begeisterung kaum zurückhalten. Deshalb habe ich schon zwei Posts dazu auf Facebook gemacht. Dennoch verdient dieser schöne Abend etwas mehr Hintergrund Information.

Wer Taimane hat spielen sehen, weiß warum das gitarrenähnliche Instrument Ukulele, übersetzt ‚hüpfender Floh‘ heißt. Diese viersaitige „Baby-Gitarre“ kam irgendwann um die 1800 paar und 70 mit portugiesischen Einwanderern, um genauer zu sein, mit maderensischen Zuckerplantagen-Arbeitern nach Hawaii. Die Hawaiianer fanden damals das Spiel von Joao Fernandez und seinen Landsleuten so entzückend, dass sie das Instrument „‘Ukulele“ nannten, weil das schnelle Springen und Zupfen der Finger auf den Saiten sie an einen hüpfenden Floh erinnerte. Damit nimmt der Siegeszug des seither hawaiianisch geprägten Zupfinstrumentes seinen Lauf.
Die meisten von Euch werden „Somewhere over the Rainbow“ von Israel Kamakawiwo‘ole kennen, der die Spielart der Ukulele in die Herzen auch derjenigen Menschen getragen hat, die keine besondere Beziehung zur Gitarrenmusik haben. Taucht man etwas tiefer in die Materie ein, stellt man schnell fest, dass Hawaii die Brutstätte herausragender Ukulele-Musiker, wie Taimane ist.
Am Anfang der Show dachte ich: „Hmmm… ein bisschen exaltiert, die junge Frau!“. Stück für Stück fing mich ihr Können und ihre Hingabe und Leidenschaft an diesem kleinen, unscheinbaren Instrument ein. Sie ist virtuos! Die Bandbreite an interpretiertem Genre riesig. Ganz nebenbei kokettiert sie mit dem Publikum. Zeigt sich nahbar und erfrischend.
Ich beschließe mich nach dem Konzert als Autogramm-Jäger zu versuchen: „I‘m coming all the way from Germany, to greet you on behalf of my best friend Helge.“ Sie lächelt freundlich. „He send me to your show. He’s probably one of your biggest fans in Germany!“. Sie nimmt sich Zeit. Wir halten ein kleines Schwätzchen. Bald wird sie in Hamburg auftreten und grüßt Helge ganz herzlich.





Zufrieden und beseelt schlendere ich aus dem Club. Ich gönne mir einen kleinen Spaziergang durch ‚Downtown‘ und genieße noch bei einem ‚Virgin Mochito‘ die nächtliche Skyline Honolulu’s auf der Sky Plaza Terrace. Mission accomplished!
Jetzt ist es nicht so, dass Taimane ständig in Deutschland zu Gast wäre. Ich bin mir gar nicht sicher, ob sie überhaupt schon mal in Deutschland aufgetreten ist!? Und wie es der Zufall will … Sie wird in gut einem Monat für zwei Shows in Deutschland sein.
Für die World Music Aficionados in meiner deutschen Community: Am 4. Januar spielt sie in der Hebebühne in Hamburg, am 5. Januar im Privat-Club in Berlin. Und wer’s nicht schafft, der sieht sie am 9. Januar in der Sony Hall in New York 😉 Dort übrigens vor 1.500 Besuchern. In Berlin und Hamburg werden die Auftritte wesentlich kleiner und intimer sein. In Berlin passen nicht mehr als 200 Leute in den Club. Könnte es sein, dass sie tatsächlich noch ein Geheimtipp ist?
Und war das jetzt zuviel Werbung?? Das mache ich ja sonst nicht.
Jedenfalls haben meine ANY’s in Deutschland sich gewappnet.

Wer sind die ANY’s? Das erzähle ich ein anderes Mal.
Jetzt wünsche ich Euch ein schönes Wochenende mit ein wenig Klassik à la Taimane Gardner aus ihrem Wohnzimmer.
Hang loose!

…. keep on dancing!
Seit Woche #3 gehe ich brav in meine Hula Nahenahe (=Anfängergruppe). Fast jeden Donnerstagabend und manchmal Dienstagabends zum ‚Rehersal‘. Meine ‚Kumu Hula‘ (=Lehrerinnen) Bonnie und Margie sind mindestens so aufgeregt wie wir. Denn heute ist der große Tag. Der ‘Ho Ike’ – die große Show!
Die Hula-Aufführung wird durch die Halau Hula (Hula-Schule) ‚School of Dance‘ der christlichen Gemeinde ‚Kailua Community Church‘ durchgeführt. Wir tanzen nicht den traditionellen ‚Hula kahiko‘, sondern eine Abwandlung des ‚Hula auana‘, des modernen Hula. Auch die traditionellen Handzeichen, die Bewegungen und Choreografie werden in meiner ‚Nahenahe‘ nicht gelehrt.
In meiner ‚Nahenahe‘ werden die Handzeichen der ‚Worship Sign Language‘ gelehrt. Kein Wunder – ich bin ja schließlich in einer christlichen Gemeinde gelandet. Es bringt uns Schülerinnen nicht nur die Himmelsleiter eine Stufe weiter hinauf, sondern dient schlicht dem Einstieg in den Hula und damit in die Welt der Koordination von vier Gliedmaßen.
Die ‚Hoomakaukau‘, die Vorbereitungen sind weitaus umfangreicher als ich angenommen hatte. Tage vor der großen Show bekam ich einen Hula-Rock zur Verfügung gestellt. Obwohl der aus meiner Sicht schon ganz glatt aussah, wurde ich strengstens angewiesen ihn gewissenhaft zu bügeln. ‚Well, I did!‘
Ich muss sagen, das haben sie drauf, die „Hawa’amerikaner“*! Der große Saal der ‚Kailua High School‘ verwandelt sich binnen weniger Stunden in einen Festsaal mit Bühne, Licht, Leinwand, Projektoren, Soundanlage, Kameras. Die Proben starten um drei Uhr nachmittags. Jede Gruppe, die Kinder, die Anfänger (inkl. mir), die ‚Advanced‘, Männer, Frauen spielt den Ablauf nochmal durch. Alles muss sitzen, wenn die Zuschauer kommen und die Show startet.
Nichts wird dem Zufall überlassen. Die Frisur, der Haarschmuck, die Schminke. Wir verschwinden hinter einem Vorhang. Dort sind provisorische Umkleide-Ecken eingerichtet. Wir ziehen uns an. Ich bekomme die Haare zusammengesteckt, die Blume hinters Ohr und das Gesicht gepudert. Ein dezenter Lippenstift darf nicht fehlen. Noch ein Gruppenfoto und ein Stoßgebet. Raus geht es auf die Bühne.
Egal welcher ‚Sign Singing‘ Sprache man folgt, die Hula-Schritte sind dabei immer die gleichen. Wir haben drei (von vielen weiteren) gelernt: Den Kaholo, den Kao und den Kalakaua.
Week #9 weiterlesen
Die letzten Wochen waren aufregend. Alles neu, viel zu entdecken. Der ‚Single-Traveler-Mode‘ ist schön, erfüllend und macht leicht. Ich fühle mich eins mit mir selbst. Bin entspannt, zufrieden und kann das auskosten. Eine erwünschte Nebenwirkung ist, dass ich
Jede Minute tun kann, was ich gerade tun mag. Keine Absprachen, keine Entscheidungen, keine Erwartungen, die ich glaube bedienen zu müssen.
Gleich gut kann ich die Zweisamkeit genießen. „Geteilte Freude, ist doppelte Freude“. Da ist was dran! Es ist ein Flow anderer Natur. Es ist beschwingt, kommt mehr aus dem Handgelenk, wenn ihr wisst, was ich meine. Nicht viel Denken, einfach machen!
„Geteilte Freude, ist doppelte Freude“.
Es waren zwei intensive Wochen mit vielen Erlebnissen, gemeinsamen Entdeckungen. Mit Gemütlichkeit und geliebten Routinen. Das englische Wort für Zweisamkeit ist ‚togetherness‘, was auch mit dem Begriff „Zusammengehörigkeit“ übersetzt werden kann. Andy ist nun zurück in Deutschland und ich bin wieder ‚back on my own‘. Ich brauchte zwei, drei Tage, nachdem ich Andy an den Flughafen gebracht hatte, um in meinen Takt zu kommen.
Und so hänge ich ein bisschen durch, sitze am Strand, schaue auf’s blaue Meer oder beim Café at Morning Brew’s und sinniere vor mich hin.
Ich tauche wieder in mein Kailua-Programm ein. Gehemit den ‘Thursday Rider on tour’. War das allererste Mal mit dem ‘Outrigger-Canoe outside on the Ocean’ (…which was amazing!!!), verknote mir die Arme beim Üben des ‘Hula Hand Sign Dancing’ und schaue abends einen ‚Movie‘.
Ach, übrigens. Ihr erinnert euch an Jake? Der „hart, aber herzlich“-Paddle-Coach?! Hier der lebendige Beweis 😉
Bei genauer Betrachtung bin ich gar kein ‚Single-Traveler‘. Seit ich hier bin, war ich kaum allein, geschweige denn einsam! Als ‚Digital Traveler‘ bin ich stets ‚tuned‘ und bestens informiert, ‚what’s going on‘. Vor allem der Facebook-Algorithmus findet alle möglichen Unternehmungen für mich. Meine neuen Freunde sind ebenfalls äußerst aktiv im Netz. Sie geben mir Tipps und ‚recommendations‘. So leide ich mehr unter der Qual der Wahl, als unter Einsamkeit.
Man kann über Social Media sagen, was man will. Es gibt sicher viele Gründe die Sinnhaftigkeit und die Auswirkungen auf unsere Art der Kommunikation anzuzweifeln. Ich habe wahrscheinlich genauso viele Gründe gefunden, mir diese virtuelle Welt zu Nutze zu machen. Auf diese Weise wird meine virtuelle Umtriebigkeit zur handfesten, erlebbaren Realität.
From Virtuality to Reality
Aufgrund meiner rudimentären Kenntnisse und Fähigkeiten, habe ich mich bisher als ‚Digital Immigrant‘ bezeichnet. Zwischenzeitlich habe ich begriffen, dass man drei Dinge braucht, um vom Digital Immigrant zum ‚Digital Traveler‘ zu transformieren: Geduld, Offenheit und eine Worldwide-Super-Flatrate!
Meine App-Collection ist zwischenzeitlich stark angewachsen. Über Airbnb bin ich in meiner ‚neighborhood‘ gelandet. Google oder Apple Mapsführen mich an alle gewünschten Orte und Adressen. Moovit hilft mir das hawaiianische Bussystem im Blick zu halten. Wordpress, GoPro und Lumafusion stellen die Grundausrüstung für den Blog. Apps von Fluggesellschaften, digitale Reiseführer, Reiseblogs, Translation und ‚language‘ Apps, Instagram, Facebook, Messenger, WhatsApp und Co. verbinden mich mit Land und Leuten. Auch eine Art von ‚togetherness‘ 😉
Nicht nur meine digitale Identität verändert sich. Der digitale Wandel ist in aller Munde. Nicht nur das! Rund um den Globus ist die Veränderung extrem: auf allen Ebenen, gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich und nicht zuletzt Ökologisch.
Ende der Woche wurde ich aus dem Paradies ‚“wach geküsst“ und wieder daran erinnert, dass unsere Umwelt extrem davon betroffen ist. Trotz meiner Lobpreisungen und „Rosa-Brille“-Berichterstattung, sehe ich die ich die Kehrseite.
There’s a Flipside of Everything!
Ein Facebook-Post der Kailua Paddler Community führte mich Samstagabend in den Kailua Beach Park. Eine Open Air Filmvorführung wurde angekündigt. Es ging um eine Weltumsegelung – wow – mit einem Doppelrumpfkanu, namens „Hokule’a“. Das ganze ohne digitale Hilfsmittel – aha – ausschließlich mit traditionellen, polynesischen Navigationstechniken. „Okay“, dachte ich, „ein bisschen Kultur kann dir ja nicht schaden!“ Schließlich hatte ich noch kein Museum und keine Kunstausstellung besucht.

Man traf sich auf der großen Rasenfläche des KailuaBeach Parks. Familien, Paare, Singles und Hunde. Die ‚Locals‘ kommen mit ‚beach chair‘, ‚blankets‘ und ‚snacks‘. Es herrscht geselliges Treiben. Als die Sonne untergeht, startet die Veranstaltung. Der Himmel wurde dunkler, die Wolken tief grau. Ein paar einführende Worte in Hawaiianisch. Die Atmosphäre war ‚kind ofmystical‘. Die warme Luft, das Meeresrauschen im Hintergrund, der Nachthimmel. Und dann die Trommelklänge und die Hula-Tänzerinnen!
Das Ereignis fand zwischen 2014 und 2017 statt und ist wie ich finde, spektakulär. Warum ich davon damals nichts mitbekommen habe ist mir ein Rätsel…! Die Hokule‘a führte die Crew an die unterschiedlichsten Häfen dieser Welt. Sie überbrachten ihre Botschaft in Schulen, Gemeinden und an Würdenträger. Vor der Abfahrt segnete der Dalai Lama das Boot, in Samoa kam der damalige Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon an Deck und in Kapstadt stattete die Mannschaft dem Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu einen Besuch ab.
Ihre Mission: Schützt Traditionen, die Umwelt, die Ozeane! Lebt nachhaltig! Ihr Handeln: Inspirierend! Lange Rede, kurzer Sinn: Bitte schaut euch diesen Film an. Ladet Freunde ein. Macht einen Umwelt-Event oder sonst was.
Mich hat es „geflasht“! Der Film ist im Originalton Englisch und eignet sich hervorragend für ein verregnetes November-Wochenende. Er dauert nämlich etwas über zwei Stunden.
Hier füge ich, für mehr Informationen noch einen alten Spiegelartikel ein. Der Film bringt allerdings die Spannung besser rüber!
Ich weiß, ich habe gut Reden und gerade unendlich viel Zeit für solche Dinge…! Dennoch, vielleicht schafft ihr es, neben eurem Berufs- und Familienalltag, euch von mir entführen zu lassen 🙂
Ich freue mich über eure Rückmeldung dazu! Wie ist es euch damit gegangen?

Es mag dekadent klingen, aber ich habe zwei Wochen Urlaub genommen. Die erste Woche (Week #6) war ganz und gar dem IRONMAN Kona gewidmet. Week #7 sollte unsere Erholzeit mit Zweisamkeit werden.
Wir hatten diese Zeit lange vor meinem Reiseantritt geplant. Natürlich wollten wir dann gemeinsam mehr von der Inselkette erleben. Von den insgesamt 8 bewohnten Inseln, sind sechs für Touristen zugänglich: O’ahu, Maui, Kauai, Hawaii (Big Island), Molokai und Lanai.
Die siebte Insel, Ni’ihau, darf ausschließlich von hawaiianischen Uhreinwohnern, die das traditionelle, ursprüngliche Leben pflegen, betreten werden. Deshalb heißt sie auch „Verbotene Insel“. Mitte des achtzehnten Jahrhunderts hat Familie Robinson – wie passend – die Insel von King Kamehameha abgekauft. Seither ist sie in Privatbesitz.
Kein Zutritt für die „Öffentlichkeit“, keine Polizei, keine Telefon, keine Ärzte, keine Steuern! Kein Zutritt für Touristen! – Oder? Ich weiß nicht, ob ich es gut oder schlecht finden soll, aber doch, Touristen können für viel Geld bestimmte Plätze der Insel besuchen. Einen Helikoper-Flug kaufen oder schnorcheln. Für noch mehr Geld dürfen Touristen Schweine und Schafe jagen. Hmmm…. ich weiß ja nicht….?!
Nach dem Motto ‚Just look, don’t touch!‘ darf es keinen Kontakt mit den polynesischen Ureinwohnern geben. Wer mehr darüber erfahren möchte liest www.reisetipps-hawaii.de von Paul Tresselt.
Die achte Insel, Kaho’olawe, war bis 1993 ausschließlich dem Militär vorbehalten. Seit dem Angriff auf Pearl Harbour 1941 nutzte das amerikanische Militär dieses kleine Archipel, um Soldaten auf Kriegseinsätze vorzubereiten. Schlecht! Erst nach langem Ringen des Bundesstaates Hawai’i mit dem ‚National Department of Defense‘ wurde die zwischenzeitlich stark ramponierte und mit Munition und Blindgängern überfrachtete Insel an Hawai’i übergeben. Gut!
Seitdem ist die Insel Kaho’olawe inklusive des im Umkreis von drei Kilometern umgebenden Ozeans ein ‚Island Reserve‘. Sie darf nur noch für kulturelle, spirituelle und existientielle Interessen der indigenen Bevölkerung, zum Fischen und im Sinne der ökologischen Erhaltung genutzt werden. ‚That’s Law’! Sehr gut!
Sechs Inseln in zwei Wochen? Nein! Auf keinen Fall werden wir uns durch die vielen ‚Scenic Points‘ und Touristen-Attraktionen, die mit Sicherheit jede der Inseln zu bieten hat, hetzen lassen. Drei Inseln: Die Wahl fiel auf O’ahu, Big Island und Maui!
Wir wollen genießen. Inhalieren. „Weniger ist mehr“ haben und davon nur ein bisschen!

Meine kleine Heimatinsel O’ahu galt es nun auch für Andy zu entdecken. In der Rolle der Reiseleiterin habe ich mich – glaube ich – ganz gut gemacht.
O’ahu, mit ihrer urspünglichen Landschaft, den spitzen, grünen Berggraten, dem türkisfarbenen Küstenstreifen und ‚lots of traffic‘ sollte auch Andy mit den Rennrad erspüren.
Dank George und StClair, die sich als ‚Cycling Mate‘ mit Andy auf „Augenhöhe“ bewegen konnten, bestand mein Job ausschließlich darin, dies zu organisieren und eine unterhaltsame Begleitung zu stellen. Auf allen flachen und ansteigenden Abschnitten musste ich tüchtig treten, um die Herren überhaupt noch sehen zu können. Nur ‚downhill‘ schaffe ich es mitzuhalten! Eine besondere Stärke von mir!

Wir waren mit StClair auf der ‚Eastside‘ unterwegs, von ‚Honolulu Downtown‘ bis ‚Sandy Beach‘. Wir haben Richtung ‚North‘ den ‚Botanical Garden‘ genossen und sind über die ‚Old Pali Roads‘ zurück zum ‚Makapu’u Lookout‘. Andy hat sich gemeinsam mit George bis zum Gipfel oberhalb des Leuchtturms dort auf einem schmalen, ‚winding path‘ der einen spektakulären Ausblick auf den blauen Ozean liefert, hoch gearbeitet.

Die Northshore, mit ihren wellenreichen, breiten Sandstränden und lauter hübschen ‚Surfer Boys and Girls‘ erschlossen wir uns mit dem Auto. Ein Tagestrip mit ‚Stop and Go‘ an so ziemlich jedem ‚Beach Park‘, ‚Scenic Point to be seen!‘ und einem Päuschen mit leckeren Shrimps bei Joe’s! Eine kleine Stipvisite durch einen der Wasserkanäle Richtung Landesinnere auf einem Stand-up-Paddle-Board verschaffte uns einige herzerfrischende Lacher und eine kühle Erholung zwischendurch.

Auch wenn ich kein konkretes Bild von Big Island hatte, so hatte ich doch die Vorstellung, dass es langgezogene Straßen durch unendliche Lavafelder mit kargem Bewuchs, und dass es Abschnitte mit herrlichen Stränden und kitschigen Silhouetten aus hochgewachsenen Palmen geben wird. Schließlich hatte ich genug Bilder und Werbematerial dazu gesehen.
Dass es Kaffeeplantagen gibt war auch klar, und dass hier und da landwirtschaftlicher Anbau von Obst und Gemüse stattfindet. Dass es Mango-Plantagen gibt, wurde mir erst klar, als ich auf Airbnb eine Unterkunft entdeckte, die sich „Tropical Garden Retreat on an Organic Mango Farm“ nannte.
Obwohl der IRONMAN auf Big Island unser Highlight werden sollte, waren wir ‚geflasht‘ als wir diese Unterkunft in Augenschein nahmen.

Inmitten einer Mango-Plantage war der Wohnbereich, stilvoll eingerichtet und harmonisch in das tropisch-grüne Blattwerk eingebettet. Zwischen den Mangobäumen, Avocadobäumen und Bananenstauden standen herrlich blühende Hibiskus Sträucher. Überall wuchsen sattgrüne und saftige Sträucher und Bäume, die wir nicht benennen konnten. Es war uns auch egal wie sie heißen, es war einfach nur schön!

Captain Cook heißt der Landstrich, etwa 25 Meilen südlich von Kailua-Kona, auf Big Island. Hier kam der Überlieferung nach Captain James Cook ums Leben. Später wurde eine Kaffee-Company, die „Captain Cook Coffee Co.“ danach benannt. Die Captain Cook Cove ist für ihre schönen Schnorchel-Plätze bekannt. Wir waren dort, hatten aber heftige Strömung und schlechte Sicht.
Die Gegend um Captain Cook herum ist fruchtbar und satt bewachsen. Es gibt viele kleine Plantagen und Gärten. Überall Dschungel, riesige Bäume und wunderschöne, blühende Sträucher. Hier und da kleine Obststände.

Wir hatten viele tierische Besucher und Mitbewohner. Von Stechmücken und Ameisen angefangen, über kleine Tausendfüßler, Käferchen, Geckos, Schmetterlinge, große gelbe Spinnen, die ihre kunstvollen Netze zwischen die gelagerten Surfbretter gespannt hatten. Unendliche viele und vielfältige Vögel. Rot, gelb, mit Häubchen und ohne. Mungos flitzten wie Eichhörnchen im Morgengrauen durchs Unterholz. Die Hauskatzen des Vermieters schauten ab und zu vorbei und abends, wenn es dunkel war und wir draußen in unserem Essbereich saßen, grunzten ein-zwei wildlebende Hausschweine durchs Gebüsch. Man wusste nie genau, welchem Artgenossen man als nächstes begegnen würde.

Als ‚Must have seen‘ haben wir den ‚Volcanoes National Park’ besucht. Ich muss leider gestehen, dass mich der Blick auf den Krater nicht besonders begeistert hat. Es ist eine große Fläche platte Erde, staubig und trocken. Ausschließlich die Vorstellung, dass hier immer noch von Zeit zu Zeit flüssige Lavaglut austritt, faszinierte mich.
Links und rechts der Wanderpfade, die man auf keinen Fall verlassen durfte, dampfte es zart aus Erdlöchern. Bäume, Sträucher und Gräser säumten den Wegesrand. Hier und da blühten die Sträucher und es gab ganze Felder mit Bambus-Orchideen.

Obwohl wir mit An- und Abreise zweieinhalb Tage auf Maui hatten, waren das die Erholsamsten!
Wir beziehen ein kleines, einfaches Apartment in Kihei in Laufnähe zum Strand. Die Ankomm-Routinen sind immer gleich: Klamotten im Apartment unterbringen, zum Supermarket fahren, Essen und Trinken besorgen, Kühlschrank befüllen und auf zum Wasser. Für meinen sportlichen Ausgleich suche ich IMMER nach einem ‚Public Pool‘. Wir haben Glück. ‚Just around the corner‘ ist ein großes, gepflegtes Schwimmbad mit mehreren Sportbecken. Ich bin im Schwimmbad-Himmel!
Gleich am ersten Morgen warten wir am Einlass. Wir sind früh und in guter Gesellschaft. Grüppchen von „älteren Herrschaften“, Frauen und Männer im Rentenalter tummelten sich vor dem Eingang. Als wir realisierten, in wessen Mitte wir standen, durchquerte ein Gedanke unsere Köpfe: Bald werden andere das von uns sagen – Ältere Herrschaften! Wir werden morgens vor einem Schwimmbad warten. Hoffentlich!
Wir lernen Dennis kennen. Er schwimmt auf den Bahn neben uns. ‚Fully equiped‘ mit Paddles, Fins, Pullboy und Drinking bottle. Dennis ist, wie viele Amerikaner, sehr kontaktfreudig und ‚talkative‘. Er ist 73 Jahre alt und ‚in a very good shape‘! Ich frage nach der Länge der Bahn.
Dennis: „25 yards. How much are you going to do this morning?“
Ich: „Uhmm… I don’t know. Perhaps a mile. And you?“
Dennis: „I’m doing 1,5 to 2 miles warm-up. Then some in addition for duration.“
Ich: „Ohhhhh…..“, lange Pause und: „How often do you come here?“
Dennis: „Six times a week.“
Er taucht ab, zieht seine erste Bahn, kommt mit einer gekonnten Rollwende zurück, während Andy und ich uns ungläubig anschauen und bescheiden ins Becken kriechen.

Auch am nächsten Morgen treffen wir Dennis im Pool. Wir kommen ins Gespräch. Er lebt hier auf Maui mit seiner Frau, die gerade im Nachbarbecken mit einer Freundin Wassergymnastik treibt. Ich frage ihn kräftig aus und er erzählt mit glänzenden Augen: „I used to be a surfer. Still doing open water swimming and we are still sailing.“
Erstaunlich, wie fit und agil hier manche „Alten“ sind! Als wir uns verabschieden, sage ich noch mit dem Brustton der Überzeugung: “ You are my new role model!“ Er lächelt verschmitzt. Es schien ihm zu gefallen.
Frisch inspiriert und topfit erlebten Andy und ich unsere Maui-Highlights. Mit dem Helikopter einmal um die ganze Insel und hoch zum Haleakala-Crater.

Und mit dem Four-Wheel-Jeep auf der Road to Hana, mit ihren unzähligen Wasserfällen und abenteuerlichen Fahrpassagen!

Beides unvergleichlich schön und fesselnd. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus!
Wollt ihr Video- Material dazu? Für alle ‚Hard Core Follower‘ kann ich einen Link zu Google Drive schicken. Die Dateien sind zu fett und ein „One Minute Clip“ zu billig, um die Eindrücke zu teilen. Ich will hier euer ganzes Mitgefühl!
Bestellungen hierzu nehme ich sehr gerne über das Kommentarfeld entgegen.