Week #30-42

Von Rom nach Corona – Ein Nachruf auf die 3. Etappe

„Es ist so still um Dich geworden“, schrieb mir die Tage eine liebe Schulkameradin über Facebook. Ja, stimmt. Corona hat mich rausgerissen, unterbrochen, mir den Spaß an der wohlverdienten Auszeit geklaut. Mir den „Stecker“ gezogen. Raus aus der Hochglanz-Idylle meiner Sabbatical-Pläne. Erst raus aus Rom. Dann zwei Wochen Quarantäne in Deutschland. Woche für Woche, warten auf das „ES“ wieder verschwinden möge.

Meine dritte Etappe „Rom“ wurde zur Corona-Etappe. Umwidmung nennt man es, wenn etwas einer anderen Nutzung oder Bestimmung zugeführt wird. Zwölf Wochen meiner Sabbatzeit sind einer anderen Nutzung als ursprünglich geplant, zugeführt worden. Welch‘ Ironie des Schicksals.

Jede Krise beginnt mit Verleugnung

Als „Change“-Expertin weiß ich das. Jede Krise beginnt mit Verleugnung. Im beruflichen, wie persönlichen Kontext habe ich das häufig erlebt. Als Corona nach Italien schwappte und ich in Rom noch ungläubig nach geöffneten Gelato-Läden und Caffè-Bars suchte, wollte ich es nicht wahrhaben. Jetzt, nach zwölf Wochen Corona-Krise ist der Virus und seine Auswirkungen Teil der Realität, Teil (m)einer neuen Normalität geworden.

Woche um Woche beobachtete ich die Zahlen. Fallzahlen, Ansteckungsrate, „R“. Prof. Dr. Wieler und Prof. Christian Drosten werden vertraute Mitbewohner meines Wohnzimmers. Ich lausche den politischen Diskussionen. Verfolge gespannt Staaten- und Länderspezifische Entscheidungen zum Umgang mit Corona. Unterhalte mich mit komödiantischen und höchst-reflektierten Einlagen von Julie Nolke.

Ich bewundere solche Menschen, die der Notlage kreative und innovative Ideen abringen. Mit Witz und Wärme begegnen sie den widrigen Umständen. Auch ich lasse mich vom Zoom-Rausch erfassen. Versuche überall ein wenig vom positiven Notstandsgeist aufzupicken. Treffe mich zum virtuellen Dinner mit lieben Freundinnen. Ich warte ab. Vertreibe mir die Zeit. Lese. Koche. Fahre Rad. Wie alle anderen eben auch. Teile die Sorge mit denjenigen, die in wirtschaftliche Nöte geraten. Bin selbst verschont davon und dafür auch dankbar!

Im Hinterkopf spukt immer die Frage herum: „Wann ist ES endlich vorbei?“

Was ist das, die neue Normalität?

Ich komme ins Grübeln. Corona nimmt die Welt in einen Würgegriff. Und irgendwie bekomme ich auch schon ganz schlecht Luft. Der Lock-Down zwingt uns Abschied zu nehmen von geliebten Gewohnheiten, selbstverständlichen Freiheiten. Er wird zur Gefahr, nicht nur für Leib und Leben, sondern auch für den wirtschaftlichen Wohlstand.

Zeitgleich werden wir der großen Zusammenhänge gewahr. Alles hat mit Allem zu tun: Angefangen bei den sozialen Strukturen und Missständen, über unsere Abhängigkeit zur Natur, den Umgang mit der Tier- und Pflanzenwelt, von Massentierhaltung bis zu genmanipulierten Monokulturen und hin zu den globalen Handelsketten. All das lässt sich an Komplexität kaum übertreffen. Anstrengend zu denken und schwer verdaulich für die gemeine Volksseele. Die gedankliche Erkenntnis, die Corona uns lehrt, bahnt sich ihren Weg und sickert ins Ungewisse.

Aber schlau reden kann halt jeder! Was hat das mit mir zu tun? Warum sollte gerade Corona mich einladen, etwas in meinem Leben zu verändern? Damit lastet auf mir der gleiche Druck, die gleiche Notwendigkeit für Veränderung, wie auf der ganzen Welt? Was die Welt durch Corona erlebt, erlebe ich im Kleinen. So wie früher, will ich nicht weitermachen. Oder doch? Was will oder muss ich verändern? Was soll so bleiben? Was bin ich bereit dafür zu opfern?

Das Ei ist die Chance des Kükens

Autor: Dagobert Duck

Die Corona-Krise zeigt uns, wie nah Chance und Risiko beieinander liegen.

Abbruch, Umbruch, Aufbruch

Die europäischen Grenzen werden nach diesem Wochenende weitgehend geöffnet sein. Der Tourismus soll wieder anlaufen. Mit „kalkuliertem“ Risiko. Es ist meine Chance, die letzte Etappe meiner Auszeit in Angriff zu nehmen.

Nach der intensiven „Home-Phase“, die mir unfreiwillig Zeit mit mir selbst verschafft hat, sehne ich mich wieder danach, mit Leichtigkeit und Freude in den Tag hinein zu leben. Jetzt kann ich es noch mehr schätzen als vorher. Jeder Tag, jede Stunde ist wertvoll.

Morgen breche ich wieder auf! Meine vierte Etappe wartet auf mich. Südtirol.

Wird es ein Zurück in den „alten Plan“ sein? Einfach weitermachen, wie bisher? Oder wird es am Ende ein Umbruch werden?

Werde ich Reinhold treffen?