Wer mag kann die doppeldeutige Überschrift auch als politische Aussage werten. Für eine kleine Stippvisite, zurück in Deutschland, schlägt mir nicht nur das regnerische, klamm-kalte Wetter, sondern auch die heimischen Politmisere ins Gesicht.
Jetzt ist Sabbat-Halbzeit. Ich freue mich auf Freund(e), Familie, liebe Kollegen. Auch ein paar private Dinge erledigen. Steuererklärung abgeben (muss auch sein!). Koffer umpacken für die zweite Halbzeit. Jetzt warten wieder maßlose, großzügige 26 Wochen voller Entdeckungen und Überraschungen auf mich. Ab März bin ich in Bella Italia! Erst Rom, dann Südtirol.
Noch in USA, auf den Spuren meiner Herkunft, habe ich einen Ancestry-Test, also einen DNA-Test, durchführen lassen. Nun weiß ich, dass genau 17,2% italienisches Blut in mir schlummert. Mal schauen, was passiert, wenn ich dieses knappe Fünftel in mir aktiviere.
Vielleicht eine Römerin…?
Bella Italia
Rom – ahhhh, Roma! Die ewige Stadt. Das Freilichtmuseum mit morbidem Charme. Die Stadt der Liebe. Die Hochburg des ‚Dolce Vita‘. Gelato e Cappuccino.
Versteckte Schönheiten hinter jeder Mauer
Diesmal tauche ich unter erschwerten Bedingungen ein. Ich spreche die Landessprache nicht. Kein Italienisch, kein Zugang zu Land und Leuten! Was heißt das? Das heißt, ich werde wohl Italienisch lernen müssen. ‚Madonna…!‘ Das wird etwas!
Mit diesem aufgeregten Kribbeln im Bauch, der reinen Vorfreude und Entdeckungslust, packe ich gerade meine Koffer.
Wie wär‘s mit einem Kurztrip?
Apropos Koffer packen: Wer hat Lust mitzukommen? Einmal kurz Rom schnuppern? Ich „verlose“ ein kleines Genuss- Wochenende für eine Person. Entweder am 03.04.-05.04.2020 oder am 08.05.-10.05.2020. Zwei Übernachtungen – Einzelzimmer mit Frühstück – in meinem kleinen Appartamento in der Villa Paganini.
Ihr müsst nur drei kleine, einfache Fragen beantworten:
1. Was bedeuten die Buchstaben SPQR auf römischen Kanaldeckeln?
2. In welchem Jahr wurde Rom gegründet?
3. Nach wem wurde die Stadt Rom benannt?
Melde sich, wer Lust und Zeit hat, über Patricia.Seeliger@gmx.de oder PN über Facebook. Ich freue mich, den römischen Spaß mit Dir zu teilen!
Der Tagesablauf hier hat einen gewissen „Healing Effect“. Ich schlafe viel, bin träge. Bleibe abends zuhause. Gehe früh schlafen. Ernähre mich gesund. Am Vormittag sorge ich meist für meine Bewegung. Gehe am Strand spazieren. Mache meine Gymnastik. Gehe Schwimmen. Fahre Rad. Gehe ins Yoga. Lass es mir gut gehen.
Die letzten zwei Wochen hat mich das Thema „Gesundheit“ besonders umgetrieben. Nach fast sechs Monaten ‚Power-Relaxing‘ im Sabbatical, viel Bewegung und Rückengymnastik, ging es mir richtig gut. Kaum Schmerzen. Dann hat mich letzte Woche mein Übermut eingeholt. Ich dachte, ich könnte es mal wieder mit etwas ‚Joggen‘ versuchen. Nach ca. einem Kilometer war Schluss. Der alte, fiese Schmerz kam zurück. Mist! Ich lag sieben Tage flach. Mit Frust, Voltaren und Wärmefläschchen.
Die Superzahl „7“
Wolke Sieben 😉
Die Sieben ist übrigens eine faszinierende Zahl. Dass die Sieben meine Lieblingszahl ist, ist nichts Besonderes. Fragt man zehntausend Leute nach ihrer Lieblingszahl, dann landet die Sieben mit 10% der Befragten mit Abstand auf Platz 1. Das liegt daran, dass wir die Sieben mit so vielen Dingen verknüpfen. Sieben-Tage Woche. Sieben Kontinente. Die Sieben Planeten in der Antike. Wir packen unsere sieben Sachen. Wir fürchten die sieben Todsünden. Lesen in Büchern mit sieben Siegeln. Verliebt, landen wir auf Wolke Sieben oder im siebten Himmel. Und wenn wir es eilig haben, dann sind wir in Siebenmeilenstiefeln unterwegs. Die moderne Wissenschaft bestätigte unlängst, dass die aus der Bibel bekannten sieben fetten und sieben mageren Jahre tatsächlich einem bestimmten Wasserstandzyklus des Nils entsprechen.
Die Superzahl Sieben zeigt sich in meiner bescheidenen Existenz auf andere Weise. Ich habe sieben Jahre lang gespart, um mir dieses Sabbatical zu leisten. Nach meiner Rücken-OP habe ich mir, nachdem es nach zwei Jahren nicht geklappt hat, sieben Jahre Zeit gegeben, um wieder vollständig gesund zu werden. Für mich eine „life changing decision”. Ich habe nur nicht immer die Geduld durchzuhalten. Da traf ich Heysoon…
Heysoon und die sieben Chakren
Schöner Unbekannter am Strand in Warrier II Pose
Diese Woche war ich, wie jede Woche im Yoga Kurs des YMCA-Sportclub. Dort traf ich Heysoon, die ausnahmsweise als Vertretung der bisherigen Yoga-Lehrerin, die Stunde übernommen hatte. Der Yoga-Raum ist groß. Es sind mindestens 30 TeilnehmerInnen da. Jung, alt. Dick, dünn. Frauen und auch Männer.
„My name is Heysoon. I am 75 years old. I’m teaching Yoga and Pilates since many, many years”. “What?“, denke ich laut, „75 Jahre?“, nicht zu glauben. Sie ist asiatischer Abstammung, ‘skinny’ und scheint den Körper einer 35-jährigen Sportlerin erhalten zu haben.
Während sie die sieben Chakren aufzählt und ausgewählte Übungen anleitet, läuft sie zwischen den Amateur-Yogies herum, korrigiert den einen oder die andere. Mit ihrem zart ausgeprägten asiatischen Akzent wirkt sie witzig: „You know, evely teacher has a different style. So don’t wolly. I will only teach a few things….”. Sie läuft an mir vorbei. Korrigiert meine Haltung. Mir fällt ihr Sport-Trikot auf. Auf dem Ärmel vorne und hinten die amerikanische Flagge. Auf der Rückseite irgendetwas von ‚World Champion… Dings‘, ‚Gold-Medal‘ und ein paar Jahreszahlen. Ich kann es nicht entziffern. Sie ist schon wieder zu weit weg.
Heysoon redet mit klarer Stimme auf uns ein. Heute konzentriert sie sich auf unser ‚Muladhara-Chakra‘ und ‚Svadhistana Chakra‘. Was mir gerade wegen meiner Rückenschmerzen sehr entgegen kommt. Solange bis unser Chakra ausbalanciert und die Asanas richtig sitzen. Wir biegen uns zwischendrin zum ‚Downward-facing Dog‘, dehnen uns in die ‚Cobra‘, wieder zum ‚Dog‘, dann zum ‚Frog‘. Um irgendwann, schließlich unsere Vollendung im ‚Warrier I-III‘ zu finden.
Ich bin beeindruckt von Heysoon. Von ihrer Kompetenz und herzlichen Strenge, mit der sie jede Feinheit der Ausführung beobachtet. Nach der Stunde spreche ich sie an, ob sie bereit wäre mir ein „Personal Training“ zu geben. Ich habe die Hoffnung, dass sie mir Tipps für meine Rückübungen geben kann. Wir verabreden uns.
If I can do, you can do it, too!
Zuhause google ich sie. Ich will wissen, was es mit dem Schriftzug auf ihrem Sport-Trikot auf sich hat. Das Rätsel löst sich schnell: Heysoo Lee. US-Bürgerin koreanischer Abstammung. 75 Jahre. Altersklassen-Athletin der US Triathlon Nationalmannschaft. 6-fache Goldmedaillen-Gewinnerin in einer der Disziplinen Triathlon, Duathlon oder Aquathlon. Ihre „Gold-Karriere“ beginnt im Alter von 60 Jahren. Ihre jüngste Goldmedaille holt sie in der Altersklasse zwischen 70-74. Zugegebenermaßen ist in dieser Altersklasse die Zahl der Konkurrentinnen nicht mehr sehr hoch. Dennoch, Hut ab!
Wir treffen uns drei Tage später in einem Gymnastikraum des YMCA-Club. Sie erzählt mir ein wenig von sich. Von ihrer späten Sportlerkarriere und warum sie den Sport liebt. Ihre Augen blitzen frech. Ihre Körpersprache ist energetisch. Sie kommt direkt und fokussiert auf einige Dinge zu sprechen, die ich ausprobieren und trainieren kann, um meine Schmerzen dauerhaft loszuwerden zu können.
Tipps & Tricks von Heysoon – voll digital!
Sie hebt den Zeigefinger in die Luft: “If I had only one word for Yoga, it’s flexibility. If I had only one word for Pilates, it’s stability. You, you need stability!”
If I had one word for Yoga, it’s Flexibility.
If I had one word for Pilates, it’s Stability.
You need Stability!
Heysoon Lee
Sie zeigt mir verschiedene Pilates-Übungen. Erklärt mir genauestens die Ausführung, damit ich gezielt die richtigen Muskeln treffen kann. Ich bekomme spezifische Literatur-Tipps und lande schließlich im Swiming-Pool des Sportclubs zum einstündigen Water-Run.
Jahrelang habe ich mich durch die sieben Chakren gebogen und kam nie auf die Idee Pilates zu machen. Genauso wenig wie ich an ‚Water Run’ dachte!
Water Run: Langweilig, aber effektiv!
Heysoon kennt das Drama von andauernden Rückenschmerzen und hat die Hürde genommen. Sie ist der gleichen OP entgangen, die ich habe vor drei Jahren durchführen lassen.
“If I can do, you can do it, too!”. “Ha, ha, wohl kaum”, denke ich. Wettkämpfe sind für mich vorbei. Sie meinte natürlich nicht, dass ich eine Goldmedaille gewinnen könnte ;-). An mir ist, weiß Gott, keine Sportlerkarriere verloren gegangen. Aber sie spricht mir Mut und Zuversicht zu: „Practice every day. Meditate five minutes every morning. And keep your mind up!“
Nach knapp zwei Stunden trennen sich unsere Wege wieder. Sie flitzt aus dem Gymnastikraum und hinterlässt mich zwar etwas ungläubig, aber hoch motiviert.