Week #20

Bäcker können etwas, woran andere scheitern. Sie können anpacken und haben Fingerspitzengefühl. Sie kennen das Geheimnis der Zubereitung von deftigen Roggensauerteig und krossem, krustigen Brot. Sie sind technisch begabt. Jonglieren mit Gewichten, Maßeinheiten, Temperaturen und Zeiten. Sie balancieren mit Hefepilzen und Milchsäurebakterien. Ein Handwerk, was sich für mich immer als Kunstwerk erwies. Früher, als mein Vater seinen ersten Beruf lernte, war das leider etwas anders. Bäcker zu Sein war nichts Besonderes und gesellschaftlich auch nicht sonderlich anerkannt. Ein Lehrberuf der viel abverlangt und meist keine besonderen Entwicklungsmöglichkeiten bietet. In dieser Geschichte kam es jedenfalls anders.

Der Bäckerlehrling

Mein Vater war 13 Jahre alt, als er seine Bäckerlehre in einer Bäckerei in Worms begann. Sein Vater, mein Großvater Fritz, war Bäckermeister. Mein Urgroßvater sogar Bäckerobermeister. Es war üblich, dass der Sohn nicht im elterlichen Betrieb lernen sollte. Also sucht man ihm eine Lehrstelle in einer anderen Stadt. 

Für meinen Vater ein vorgezeichneter Weg, der sich durchaus anbot. Denn weiterhin die Schulbank drücken, machte ihm keine Freude. Zwei Jahre lang lebte er als Bäckerlehrling in einer kleinen Dachmansarde bei seiner Lehrfamilie. Die Familie behandelte ihn gut. Er bekam ausreichend zu Essen und wurde freundlich in die Familie aufgenommen. Von Montagfrüh bis Samstagnachmittag verrichtete mein Vater seinen Dienst. Fünf Mark Wochenlohn stand ihm dafür zu. Damit fuhr er am Wochenende mit der Bahn nach Hause in den elterlichen Bäckerbetrieb nach Lorsch.

Außer ihm selbst und dem jungen Lehrvater, gab es noch den Senior in der Backstube. Der ‚Alte‘ war streng und ungeduldig. Schon morgens trank er einen Schoppen Wein. Im Laufe des Tages war er meist betrunken. Dann wurde er besonders ungerecht, schimpfte meinen Vater aus und drohte ihm Schläge an.

Mein Vater war immer ein guter Arbeiter. Wollte seine Aufgaben richtig machen. Freute sich, wie jeder andere, über Lob und Anerkennung. Jeden Morgen um vier Uhr in der Früh ging es los. Er schlüpfte in die mehlstaubigen, karierten Bäckerhosen. Zog das Baumwoll-T-Shirts und die Bäckermütze an.

Nachdem er angelernt wurde, konnte er die Handgriffe und Routinen selbständig erledigen. Es war immer der gleiche Ablauf. Tag ein, Tag aus. Zuerst wurde der Sauerteig des Vortages ‚eingemehrt‘. Dann wurde der Ofen hoch geheizt. Zuerst kam die ‚weiße Ware‘, also die Brötchen und Kaffeestückchen dran. Dann das Brot. Weißbrot, Rogen-Misch und was sonst so gekauft wurde. Und wenn das Tageswerk erledigt war, machte er sich ans Aufräumen und Putzen. 

Es war früher Nachmittag bis alle Handgriffe erledigt waren. Danach stand das Ausfahren der Lieferware auf der Aufgabenliste. Mit dem Fahrrad und einer ‚Kiepe‘ auf dem Rücken, radelte er die Backwaren zu den Kunden. Abends fiel er todmüde in sein Bett. Denn am nächsten Morgen sollte der Wecker schon wieder bimmeln.  

An einem Nachmittag im Frühherbst kam der ‚Alte‘ in die Backstube, um wie immer seinen Kontrollgang zu machen. Er hatte immer etwas auszusetzen. Mein Vater ließ die gewohnten Meckereien über sich ergehen. Doch diesmal war es anders. Der Alte kam wieder einmal betrunken in die Backstube. Er war sofort auf Hundertachtzig. Irgendetwas hatte mein Vater wohl falsch gemacht. Aber bevor ihm klar wurde, worum es ging, ging der Alte, den ‚Schießer‘* in der Hand, auf ihn los. Er drohte ihm Prügel an und jagte ihn durch die Backstube. Man kann sich leicht vorstellen, dass mein Vater mit seinen knackigen 15 Jahren flink und wendig war. Der Alte verfolgte ihn um die Arbeitstische herum. Mein Vater wich aus, rannte durch die schmalen Arbeitsgänge zwischen den Tischen. Rechts. Links. Rund herum.

*Schießer = An der Vorderkante abgeflachtes Brett mit langem Holzstiel, zum Einschießen der Teiglinge in den Ofen.

Er war in den letzten zwei Jahren Lehrzeit von der vielen Arbeit kräftig und geschickt geworden. Jetzt hatte er die Nase voll. Er wich aus, schnappte blitzschnell nach dem Alten und riss ihm den Schießer aus der Hand. Packte ihn und nahm ihn in den Schwitzkasten. Der Alte ächzte und schrie. Es hat sicher ein paar Minuten gedauert, bis der junge Lehrvater den Lärm mitbekommen hatte. Er rannte aus dem Verkaufsraum rüber in die Backstube und löste das Handgemenge zwischen seinem wehrhaften Lehrling und seinem alten, betrunkenen Vater auf.

Meinem Vater wurde danach der Lehrvertrag gekündigt. Der Übergriff auf den ‚Senior‘ war nicht akzeptabel. Das letzte Jahr seiner Lehre musste er im elterlichen Betrieb fortsetzen. Mit 17 Jahren schloss er als Bäckergeselle seine Ausbildung ab. Dann zog es ihn raus. Er suchte sich eine Anstellung und arbeitete zuletzt in einer Bäckerei in Düsseldorf.

Post aus dem Pentagon

Proof of Registration, 1956

Dort in Düsseldorf erreichte ihn die Nachricht, dass ein Brief aus dem Pentagon, USA an seiner Heimatadresse in Lorsch angekommen war. Das ‚Department of Defense‘ meldet sich mit der Mitteilung, dass er zum Militärdienst eingezogen werden könne. Eine kleine Überraschung, die da auf ihn zukam. Ihm war bisher nicht bewusst, dass seine Mutter Betty ihn kurz nach seiner Geburt im US-Konsulat als neuen amerikanischen Erdenbürger angemeldet hatte.

Stolz und aufgeregt erschien er im Herbst 1956 im Konsulat in Frankfurt. In dem kleinen Amtszimmerchen ‚Draft for Military Service‘ saß ein ‚Recruiter‘, der die wehrpflichtigen jungen Männer über ihre Pflichten und Möglichkeiten informierte. Er brauchte nicht lange, um sich zu entscheiden.

Was konnte ihm eigentlich Besseres passieren, als in den Militärdienst einzutreten. Er hatte keine Angst oder Vorbehalte. Im Gegenteil. Er fand es abenteuerlich und aufregend. Wenn er sich drei Jahre verpflichten würde, dann würde man ihn nach USA zur Grundausbildung schicken. Man würde ihn irgendwo in USA stationieren. All das klang nach einem wunderbaren Abenteuer.

Auch wenn mein Vater zu diesem Zeitpunkt kaum Englisch sprach und noch nie in den USA war, fühlte er sich durch seine Herkunft mit der Vorstellung ein Amerikaner zu sein, sehr verbunden. Die Papiere, die ihm der Recruiter im Konsulat vorlegte, unterschrieb er direkt. Schon im Februar des Folgejahres würde er mit einem Militär-Schiff nach USA übersetzen.

Vom Bäcker zum Koch

Im Februar 1957 stach der Truppentransporter der US-Marine am Bremerhaven in See. Mit etwa hundert anderen jungen Männern überquerte das Schiff den Atlantik und kam 10 Tage später im Hafen von New Jersey an. Nach der Ankunft wurden die Männer direkt nach Fort Dicks weiter transportiert. Dort absolvierten sie ihre militärische Grundausbildung.

Sein spärliches Schulenglisch reichte nicht aus. Er verstand am Anfang „Null“. Doch die vier Wochen vergingen schnell. Sein Stubenkamerad half ihm, die Dinge zu verstehen. Marsch, Links, Rechts. Jeden Abend ging er ins Kino, um die fremde Sprache aufzunehmen. Und bald hatte er das Nötigste in seinem Englisch-Repertoire.

Auch wenn mit ihm als Soldat zunächst nicht viel anzufangen war, waren seine Fähigkeiten als Konditor und Bäcker gut zu gebrauchen. Man schickte ihn in die Kochschule im Fort Lee, North Carolina. Er sollte später in einem Kasino oder Verpflegungstrupp eingesetzt werden können.

Erinnerungen an 1957

Das Glück war ihm hold. Die Bäcker und Konditoren-Ausbildung, die er vorzuweisen hatte, verhalfen ihm zu einem Alleinstellungsmerkmal. Denn das Offizierskasino des Hauptquartiers in Norfolk, Virgina suchte speziell einen Koch, der diese zusätzliche Qualifikation hatte. Keiner der anderen Köche hatte das vorzuweisen. Also fiel die Wahl auf ihn.

Specialist „Cook“ Gerhard Krebs, 1957

Im Offizierskasino beglückte er die Generäle und Offiziere mit gutem deutschen Brot und anderen Leckereien. Seine Aufgabe machte ihm Spaß. Stolz trug er seine weiße Koch-Uniform!

Ich komme aus einer Bäckerfamilie und bin in einem Bäckerei-Betrieb aufgewachsen. Darauf bin ich stolz. Mit dem Bäckerhandwerk meines Vaters und auch Großvaters verbinde ich viele, schöne eigene Erinnerungen. Auch wenn mein Vater einige Jahre später (da war ich schon acht Jahre alt) das Bäckerhandwerk an den Nagel hing und andere Talente entdeckte, backt er heute noch „sein“ Brot. 

Wie das geht, erfahrt ihr im nächsten Beitrag 🙂

Week #18

Wo Lebensgeschichte lebendig wird

In die Erinnerungen meiner Eltern mit einzutauchen, ist für mich wie das Zusammenbauen eines komplizierten Puzzles. Ich habe noch kein ‚Big Picture‘ vor Augen. Ich versuche die Randstücke zu finden, um irgendwie Anfang und Ende des Bildes sehen zu können. Wie Einzelteile liegen die ‚Flashbacks‘ vor mir. Immer dann, wenn ich ein paar kleine Geschichten, die meine Eltern erzählen, zu einem Bildfetzen zusammenbauen kann, bin ich ganz fasziniert. Der folgende Ausschnitt fesselt mich besonders, weil er für mich Geschichtsbücher lebendig werden lässt:

Im Luftschutzkeller

Mein Vater Gerhard ist acht Jahre alt. Ein Dorfjunge wie jeder andere hier in Rimbach im Odenwald. Er ist im 2. Weltkrieg aufgewachsen. Immer mal wieder ertönte der Heulton des Fliegeralarms und alle Dorfbewohner mussten sich in die ausgewiesenen Luftschutzkeller retten.

März 1945. Ein Tag, Ende März, an dem das Kriegsende nahte. Ein Alarmruf tönte. Man sollte sich im Luftschutzkeller im gegenüberliegenden Bauernhofverstecken. Gerhard rannte mit seiner Familie, seiner kleiner Schwester Margot, Mutter Betty und Großmutter Bawette (Barbara), rüber.

Die ganze Nachbarschaft hatte sich im Schutzkeller versammelt. Da hockten sie nun alle. Frauen, Kinder und Alte. Alle die, die nicht an die Front gegangen waren. Die Nachricht, dass die Amerikaner kommen würden, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Von allen Seiten her marschierten die Alliierten in Deutschland ein. Die Amerikaner näherten sich Rimbach vom Rhein bei Oppenheim kommend. Darmstadt und Bensheim wurden eingenommen. Eine kleine Einheit amerikanischer Soldaten setzt sich ab, um die Städte und Dörfer nach versteckten deutschen Soldaten zu durchsuchen. Sie gehen zu zweit von Haus zu Haus. Wenn keiner öffnet, treten sie die Haustür auf.

Einmarsch der Amerikanischer in Bensheim, 27. März 1945

Gerhard kletterte auf eine Kiste, um aus dem Kellerfenster des Schutzkellers auf die Straße blicken zu können. Er beobachtet, wie genau gegenüber zwei amerikanische Soldaten die Treppenstufen des gegenüberliegenden Hauses hochstapfen.

Ein Nachbar, der auch am Kellerfenster hing, rief: « Bawette, alleweil gäin se on doi Dor ». Großmutter Bawette hastet aus dem Schutzkeller, die Treppe hoch, wild gestikulierend über die Straße. Was Gerhard dann sah, ließ ihm förmlich die Kinnlade herunterfallen. Als die zwei bewaffneten Soldaten anschickten die Haustür aufzubrechen, schrie Großmutter Bawette die beiden an und fuchtelte wild mit den Händen. Mein Vater konnte nicht verstehen, was sie schrie. Die Auswirkung war allerdings, dass beide Soldaten plötzlich „Haltung annahmen“ und „stramm standen“.

Die resolute Bawette

Großmutter Bawette hatte nie viel über ihre Vergangenheit gesprochen. Sie wanderte 1912 aus Deutschland aus, um ihrem Ehemann Philipp nach USA zu folgen. Philipp lernte sie ein Jahr zuvor in Rimbach kennen. Er besuchte nach mehr als 20 Jahren USA seine alte Heimat in Rimbach. Mit seiner funkelnden, dunkelblauen Kavallerie-Uniform musste er umwerfend ausgesehen haben. Sie heiraten. Bawette begleitet ihn zurück in die USA.

Bawette (Barbara) und Philipp, 1911

Mit diesen beiden, Bawette und Philipp, beginnt meine Ahnengeschichte in Amerika. Mein Urgroßvater Philipp war als Kavallerist im US-Bundesstaat Georgia im Fort Oglethorp stationiert. Er kehrte 1888 im zarten Alter von 18 Jahren dem deutschen Kaiserreich den Rücken zu und wanderte in die USA aus. Er legte den Grundstein für die Deutsch-Amerikanische Verbindung unserer Familie. Einige Jahre nach seiner Einreise in New York meldete er sich freiwillig zum Militäreinsatz, zog in den Philippinisch-Amerikanischen Krieg und erhielt im Gegenzug die amerikanische Staatsbürgerschaft. In Rimbach war die ganze Sippschaft als die ‚Amerganisch‘ bekannt.

Top-Seargent Philipp, Bawette und Kids,
Fort Oglethorpe, Georgia, Dezember 1914

Ab 1912 lebten Philipp und Bawette fast 10 Jahre im Fort Oglethorp in Georgia. 1921 kamen sie samt Kindern zurück nach Deutschland. Wie es dazu kam, würde hier den Rahmen sprengen. Von Bedeutung ist hier nur, dass Großmutter Bawette nach fast 10 Jahren in einem Militär-Fort das raue Leben als Kavalleristen-Angetraute kannte. Sie sprach fließend Amerikanisch und wusste sehr genau um die Gepflogenheiten der Militärsprache. Wir können nur erahnen, was Bawette den beiden Soldaten zu rief. Ich bin sicher, dass mein Vater nicht der Einzige im Schutzkeller war, den diese Szene an der Haustür mit offenem Mund hinterließ.

In den folgenden Wochen nisteten sich die amerikanischen Soldaten im Rimbacher Dorf-Gasthaus ein. Weitere Soldaten folgten. Der amerikanische Offizier, der der kleinen Militäreinheit vorstand, hatte sogleich seine Chancen in Bawette’s Herkunft erkannt. Fortan übernahm Bawette gewissermaßen die Heeresführung der Gasthausküche und sorgte für das leibliche Wohl der Mannschaft. Während der einfache Dosen-Proviant und die trockene Armee-Verpflegung kistenweise im Haus meiner Urgroßmutter lagerten, schleppten die Soldaten erlegtes Wild an. Bawette verwandelte deutsches Wildschwein und Rothirsch in schmackhafte amerikanische Südstaatenküche.

Das Blatt wendet sich

Seit der Hitlerzeit hatte sich einiges im Dorf verändert. Mein Vater kann sich noch gut erinnern, wie er die größeren Jungs um ihre Uniform der Hitlerjugend beneidete. Sie marschierten mit ihren Trommeln durchs Dorf und machten mächtig Eindruck auf ihn. Er war zu jung, um dabei sein zu dürfen. Also vertrieben er und seine Schulkameraden sich die Zeit mit Kriegsspielen, Raufereien und kleinen Machtkämpfen unter Dorfburschen. Er erinnert sich noch gut, dass er oftmals den Kürzeren zog und „Prügel einstecken“ musste.

Einige Dorfbewohner, insbesondere die jüdische Bevölkerung hatte unter den Repressalien der aufstrebenden Nazi-Zeit zu leiden. Aber auch mein amerikanischer Urgroßvater Philipp war widerspenstig und sprach sich offen gegen Hitler aus. Bei seiner Beerdigung 1936 erinnert sich eine Zeitzeugin: Die Ehrengarde des amerikanischen Konsulates kam nach Rimbach, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Salutschüsse wurden abgegeben, die US-Flagge, die auf dem Sarg lag, wurde traditionell gefaltet und der Witwe Bawette überreicht. Einer der Trauergäste, ein Dorfpolizist sagte zu Bawette: „Sei froh, dass er gestorben ist, denn wir hatten Auftrag ihn ins KZ abzuschieben“.

Aufzeichnungen meiner Großmutter Betty. Erinnerungen an Philipp

Seit dem Tag, an dem die zwei Soldaten meiner Urgroßmutter Bawette in die Parade liefen, wendete sich das Blatt. Auch für meinen Vater. Die kleine Familie, die wie viele anderen auch, aus Frauen und Kindern bestanden, befand sich im Aufschwung. Sie genossen den Schutz der amerikanischen Besatzungsmacht, hatten Zugang zu Nahrungsmitteln und anderen Gebrauchsgütern, die nach Kriegsende rar waren.

Bisher schlugen sie sich so durch. Bawette hatte zwar Anspruch auf eine amerikanische Witwenrente. Diese wurde aber mit Kriegseintritt der USA nicht mehr nach Deutschland ausbezahlt. Gerhards’ Mutter Betty, meine Großmutter, verdingte sich als Haushaltshilfe oder Näherin. Der eigentliche Ernährer der Familie, mein Großvater Fritz, der bisher noch nicht zur Sprache kam, war an der Front und wurde zu diesem Zeitpunkt vermisst. Wie so viele Männer befand er sich in Kriegsgefangenschaft. Die Frauen mussten zusehen, wie sie sich und ihre Kinder durchbrachten.

Bawette, aus dem Ahnenbuch der Familie Altendorf entnommen

Die Kriegsverpflegung und Vorräte, die die Amerikaner mitgebracht hatten, wurden von Bawette’s Haus aus an die Dorfbevölkerung verteilt. Der Umstand, dass all die Kisten im Wohnhaus meines Vaters lagerten, sollte ihm zum Vorteil gereichen. Neben dem Dosenfleisch, waren Kaugummis beliebte Tauschmittel. Bananen, Orangen, Schokolade machten ihn in seinen jungen Jahren zu einem erfolgreichen Schwarzmarkt-Großhändler von Spielzeug im Dorf. Sein Beliebtheitsgrad stieg proportional zur Attraktivität der Tauschartikel an. So konnte der ‚amerganisch‘ Gerhard manches Spielgerät erwerben, von dem er vorher nur träumte.

Meine ‚amerganisch’ Großmutter Betty mit Gerhard und seiner Schwester Margot,
ca. 1946

Ungefähr 10 Jahre später, mein Vater ist gerade 18 Jahre alt, erreicht ihn ein Brief aus dem Pentagon, USA. Damit beginnt eine weitere Episode dieser abenteuerlichen Lebensgeschichte.