Week #13

Aloha und Goodbye Hawai’i

Das Beste kommt zum Schluss

Mich von Hawai’i zu verabschieden, ohne auf einem Surfbrett gestanden zu haben? Das geht nicht! Obwohl ich bisher diese Form von touristischen Aktivitäten vermieden habe, konnte ich nicht umhin, eine Surf-Lesson am legendären Waikiki-Beach zu nehmen. Waikiki heißt ‚Sprudelndes Wasser‘, weil hier die topografischen Verhältnisse und die Strömung so beschaffen sind, dass die Wellen zuverlässig und stetig herein rollen.

Waikiki Beach – Surf-Beginners Paradise

Und wie auf Hawai’i so üblich, bekommt jeder bedeutende Platz einen Namen. So auch die Surf-Spots. Waikiki besteht aus sechs aneinander gereihten Strandabschnitten. Einer davon ist ‚Kalehuawehe‘. Das heißt so viel wie ‚Zieh den Lei aus‘. Der Legende nach, überreichte dort ein ‚Surf-Hero‘ der Frau eines herrschenden Oberhauptes seines Blumen-Lei. Was als Zeichen der Anbetung interpretiert wurde. Es ist nicht überliefert, wie diese Geschichte weiter ging.

Waikiki – ‚The Place to Be!‘ Allein schon deshalb, weil hier die ‚Royals‘ vor Jahrhunderten schon diesem anspruchsvollen Sport nachgingen. Niemand durfte sie dabei beobachten. King Kamehameha I (*1758 – 1819) erfuhr für seine Surfkünste besondere Bewunderung. Erst nach Abschaffung des hawaiianischen Kapu (Tabu-System) 1820 war es auch dem gewöhnlichen Volk erlaubt, sich auf den „Wellen-Brettern“ zu vergnügen.

Duke Kahanamoku am Surf-Mekka Waikiki

Wer kennt Duke Paoa Kahanamoku (1890-1968) oder schlicht Duke? Er war Silber- und Goldmedaillen-Gewinner bei der Olympiade 1912 in Schweden im Schwimmen. Ganz nebenbei vergnügte er sich in seiner Freizeit mit Surfen. Seine Berühmtheit verschaffte auch diesem Sport Aufmerksamkeit, so dass er den Sport nach Kalifornien und Australien brachte. Seine Statue an der Strandpromenade zeugt von der historischen Bedeutung dieses Ortes.

Hier mit einem Surfbrett unter dem Arm an der Beach-Promenade zu laufen, ist mindestens so selbstverständlich, wie statt einer normalen Hose, Bade-Shorts oder Bikini anzuziehen. Also mache ich das auch so: Im Badeanzug und Surfer-Shirt watschle ich direkt von der gegenüberliegenden Surfschule über die Straße zum Strand. Dort warten schon die Surf-Coaches mit den Surfbrettern auf ihre Schüler.

Skyline von Waikiki & Surf-Coach Dennis

Der Himmel ist wolkenlos, die Sonne brennt und es ist sehr heiß. Wer kann da an etwas Anderes denken, als sich samt Surfbrett ins Wasser zu werfen. Nach einer kleinen „Trockeneinweisung“ geht es auch schon los. Wir legen uns bäuchlings auf’s Brett und paddeln raus. Dort wo die Wellen ihren Anfang finden und sich aufbäumen.

Paddeln bis die Welle kommt

Warten auf die richtige Welle, den Schwung nehmen, die Knie anziehen, Balance halten, Aufrichten, Balance halten, Arme raus, Balance halten. Umfallen, hinein Platschen ins Meer. Ganz ohne Gracie und Anmut.

Fall-Übungen für Anfänger

All das gehört offenbar ebenso dazu, wie der seltene Erfolg, ein, zwei Mal zu Stehen und die Welle zu reiten. Erst jetzt erlange ich die Adelung den unter Surfern gebräuchlichen Shaka-Gruß, der in Hawaii für Aloha steht, nutzen zu dürfen. Welch‘ Ehre!

Manchmal klappt es einfach…

Die ‘Bucket List’

Eigentlich hatte ich keine richtige ‚Bucket List‘, als ich abreiste. Ich wusste nur, dass Hula und irgendwas mit Wasser dabei sein musste. Die Vorstellung, wie die ‚Locals‘ unterwegs zu sein, habe ich für das ganze Reisejahr gehabt. Ich verstehe mich nicht besonders gut darauf, ein Tourist zu sein. Viele, intensive Sightseeing-Touren überfordern mich schnell. Ich mag es, länger an einem Ort zu verweilen, hinein zu schnuppern. Leute und Land kennen zu lernen. So zu tun, als ob ich dort zuhause wäre. Auf diesem Wege hat sich die ‚BucketList‘ von selbst gefunden:

  • Thursday Brunch Riders: Das Beste, was mir hier widerfahren ist. So viel Kümmern, Gastfreundschaft und Verbindlichkeit habe selten erlebt.
  • Hula: Die Damen der Hula-Nahenahe, die die einzigartige Mischung aus Aloha und ‚Belief in God‘ mitbrachten. Fleisiges Üben der Zeichensprachen und Hula-Schritte.
  • Kailua Masters Swim Club: Whitney, das stramme Training und meine ‚Swim-Mates‘
  • Open-Water-Swimming: Die Angst, die ich habe im offenen Ozean zu schwimmen und sie nur im Schwimm-Schwarm mit anderen überwinden kann.
  • Aloha-Spirit: Warmherzige und offene Menschen, die geduldig, respektvoll und tolerant Massen von Touristen über sich ergehen lassen.
  • Outrigger-Paddeln: Die sportliche Ernsthaftigkeit von Coach Jake, der mit seinen Hart-aber Herzlich Trainings-Methoden meinen Ehrgeiz herausforderte.
  • Island Hopping: Die Zweisamkeit mit Andy. O’ahu, Big Island und Maui. Geteilte Freude ist eben doppelte Freude.
  • IRONMAN Kona: Die Triathlon-Insel Big Island, unser Volunteer-Einsatz als Beitrag zum Deutschen Sieg ;-), der Kona-Coffee-Boat Swim.
  • Road to Hana: Maui-Dschungel, Natur pur, Wasserfälle, Hawaiianische Vintage Musik und ein unvergesslicher Helikopterflug.
  • Full Moon Nights: Mit Drinks und Snack am Beach sitzen und Warten bis der Vollmond kommt. Cloud Guessing mit Karen und Ulf.
  • Hiking: Mit George, dem treuen Gefährten. Die Berge von O’ahu. Gefährliche Schönheiten. Beim Wandern oft unterschätzt.
  • Stammplatz am Kailua-Beach: Bescherte mir die nette Gesellschaft der Kite- und Windsurfer, insbesondere Alan the Singer. Angeregte Gespräche mit Jim the Fishund die besondere Zuwendung von Eddie the Emperor, dem Obermufti aller hiesigen Surfer.
  • Surfing: Was soll ich sagen? It’s pure fun!
  • Sinn für Umweltfragen: Zuviel Plastikbecher und Verpackungen, Müll und Verwahrlosung im Hinterland. Alte Autos, Schrott und Bauschutt am Straßenrand.
  • Gesellschaft: Viele, viele ‚homeless people‘. Die extrem hohen Lebenshaltungskosten. Es steckt mehr Amerika als Hawaii in der Inselkette. Das ist ein bisschen schade.
  • Traditionen: Polynesische, hawaiianische Wurzeln verdienen bei allem erwünschten Fortschritt, (mehr) Respekt. Die Begegnung mit der Hoku’lea.
  • Sprache: Faszination über zwölf Buchstaben. Viel coole, einheimische Musik, in das Anwendung findet.
  • Surfbretter als Mailbox
Surfbrett-Romantik am Briefkasten

Man soll gehen, wenn es am schönsten ist

30.11.2019. Ich habe alles zusammen gepackt. Mein Rad verstaut und meine ‚Cozy Cottage‘ zur Abreise gecheckt. In zwei Stunden wird mich Karen abholen und zum Flughafen nach Honolulu bringen. Ein schönes Gefühl so persönlich verabschiedet zu werden!

Drei Monate sind vorbei. Ich bin satt und zufrieden und reise ohne Wehmut oder Trauer ab. Ich habe die Zeit hier intensiv und gleichzeitig entspannt erlebt. Mir gehen die vielen Dinge durch den Kopf, die ich unternommen habe. Die Menschen, die ich kennen gelernt habe. Die Freunde die ich gefunden habe.

Abschiedstournee mit den Thursday Brunch Riders
The Kailua Master Swimmers
Abschiedsessen mit der Hula-Nahenahe

Ich hatte nicht nur gute Tage. Meine Gesundheit hat nicht immer mitgespielt. Manchmal fühlte ich mich allein, selten einsam. Mal fröhlich, mal betrübt. Mal ungeduldig, mal ruhig, meist gelassen. Immer glückselig darüber, dass ich hier sein und diese wunderbaren Erfahrungen machen durfte.

Jetzt freue ich mich auf die Weiterreise zu meinen Eltern. Ein ganz anderer Abschnitt wartet da auf mich!

Mahalo i nā mea āpau. Ola maikaʻi a aloha i kou ʻāina.

Danke für Alles. Lebe gut und liebe dein Land.
Kailua Beach, O’ahu

5 Kommentare zu „Week #13“

  1. It was wonderful to get to know you a bit during your stay on Oahu, Patricia! I hope you stay healthy, active and ADVENTUROUS! Jim & I hope to cross paths w/ you sometime soon, maybe on your turf. Keep it rubberside down! 🚵

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