Week #12

Musik, Kunst und Kultur

Um etwas zu erleben, muss ich Downtown Honolulu. Ich fahre natürlich mit ‚The Bus‘. Einfach und ‚cheep‘, dafür dauert es ewig! Hier fahren die Schüler, Alltagspendler und Arbeiter. Diejenigen, die sich kein Auto mehr leisten wollen oder können. Und manchmal verlaufen sich ein paar Touristen! Ökomäßig auf jeden Fall mal ein Pluspunkt!

Musik: Diesmal nicht Ukulele und auch nicht Hawaiian Volksmusik. Mir war nach Soul & Blues zumute. Eine feine Mischung aus Jazz, Blues und Funk erwartete mich im Blue Note Club. Warum habe ich solche Konzerte nicht viel öfter in der Vergangenheit besucht? Es war herrlich. Der Laden hat gerockt und ich hatte unendlich Spaß! Empfehlung: Tower of Power – Soul, Blues & Funk. ‚I like it!‘

30 Sekunden im Blue Note Hawai’i
Meet & Greet mit „Power of Tower“

Kunst: Weder das Museum of Modern Art, noch eine Ausstellung für polynesische Handwerkskunst konnte mich verführen. Ich brauche ja immer etwas zum Erleben und Anfassen. Über einen Social Media Kontakt kam ich zu ‚Paint a Plate‘. In einer kleinen Keramik-Brennerei bekomme ich einen rohen Keramikteller, Farben und eine kurze Einweisung zur Handhabung! Oh Mann, das hat Spaß gemacht. Während ich da so in mich versunken saß und malte, dachte ich: „Kunst und Kindergarten“. So ähnlich war das damals!

Kunst & Kindergarten

Professioneller und mindestens genauso unterhaltsam war eine private ‚Street Art‘ Tour mit Tamara (… die junge Rentnerin von Woche #11). Auch Honolulu hat hippe Industrie-Mischgebiete, die sich gerade im Aufschwung befinden. Coole Locations, New Work und Life Space. Statt grauer Fassaden, bunt und kunstvoll bemalte Gebäudeflächen.

Street Art in Kakaako

Die ‚Murals‘ von Kakaako sind berühmt. Sie verwandeln die Strassen dieses ‚upcoming‘ Districts von Honolulu in eine farbenfrohe Outdoor-Ausstellung. Über 100 Künstler aus aller Welt kommen jedes Jahr zum ‚Street Art Festival‘ namens „Pow! Wow!“ und hinterlassen erstaunliche Kunstwerke.

Finde den Fehler! 🙂

Kultur: Uhhh, damit tue ich mich immer etwas schwer. Zumindest wenn ich die Kultur eines Volkes durch ein Museum begreifen will. Ich mochte es noch nie besonders mich durch Museen zu arbeiten. Das „Bischop Museum‘ machte da leider keine Ausnahme, obwohl es wirklich ein sehr schönes Museum ist. Herkunft und Erbe der polynesischen Völker, archäologische Insel-Raritäten und ‚all about Hawaiian Monarchy‘. So viel, dass es mich schlicht überfordert hat.

Bei drei Monaten Aufenthalt wird einem hier klar, dass sich die „echten“ Hawaiianer – also diejenigen mit polynesischer Herkunft, oftmals nicht als Amerikaner fühlen und auch nicht fühlen wollen. Im Bischop Museum sehe ich warum das so sein kann. Herkunft und Erbe der polynesischen Völker, die Hawaii einst entstehen ließen, wurden im Laufe der Jahrhunderte mit der Einwanderung von „Fremden“ – Entdeckern, Seeleuten, Händlern, Missionaren – unterdrückt und teilweise ausgerottet. 

Der Vielgötterglaube, der seinen Ursprung unter anderem in Tahiti, Samoa und Fiji findet, wird durch das Christentum verdrängt. So wie ich es verstehe, haben es die vielen gläubigen Einwohner bis heute geschafft, den Christengott in ihre nahezu unendliche Liste von Göttern und Geistern zu integrieren.

Aber was ist schon ein „echter“ Hawaiianer? Heutzutage darf man nicht nur, sondern muss sich die Frage stellen, ob die Herkunft noch eine Rolle spielt. Hawaii gilt als ‚Melting Pott‘ der Herkünfte und Kulturen. Die meisten Stimmen sagen: „We are all Americans!“. April, eine junge Frau, die ich bei einer Radtour kennen gelernt habe, hat auch diese Einstellung: „I’m the 5th generation. My ancestors were plantation workers on Big Island. I carry a blend of Japanese, Tahitian, Hawaiian and English genes. So what am I? It doesn’t even matter!“

Polynesier oder nicht?

Auch wenn ein Volksentscheid dazu führte, dass Hawaii 1959 der 50. Bundesstaat Amerika’s werden sollte, verstehen sich Teile der Bevölkerung seit der Annektion der Inselkette 1898 durch die USA, nicht als Amerikaner! Diese völkerrechtswidrige Vereinnahmung der Inselkette durch die Vereinigten Staaten diente ausschließlich militärischen Zwecken. An wen oder was erinnert uns das?

Zwischenzeitlich ist viel Zeit vergangen und das Alltagsleben der sehr durchmischten Bevölkerung zeigt davon wenig. Dennoch, im Hintergrund brodelt es. Die Minderheit der indigenen Einwohner wehrt sich gegen zu viel Amerikanisierung und möchte ihre Traditionen gewahrt und respektiert wissen.

Makemake wau i ka ʻōlelo Hawaiʻi

Was mich allerdings „völker- bzw. sprachkundig“ fasziniert hat, seit ich hier bin, ist die Hawaiianische oder auch Hawaiische Sprache (… beides geht, auch der Duden ist sich da nicht sicher!). Sowohl gesprochen als auch gesungen finde ich sie ansprechend und angenehm.

Ich mag die Hawaiianische Sprache!

Das hawaiianische Alphabet besteht nur aus 7 Konsonanten (h, k, l, m, n, p, w) und 5 Vokalen (a, e, i, o, u). Kein Wunder, dass ich in den ersten Wochen einen Straßennamen nicht vom anderen unterscheiden konnte. Mit so wenig Buchstaben muss sich das ja ähnlich sein!

Vokallastige Wegweiser

Man wird niemals zwei Konsonanten zusammen sehen, da ein Vokal immer einem Konsonanten folgt oder der Vokal allein steht. Richtig: Das bedeutet, dass alle hawaiianischen Wörter mit einem Vokal enden! Und deshalb klingt es so nett.

Noch eine Regel: Das Glottisstopp (‚) oder ‚okina (‚) wird als Konsonant betrachtet und daher immer von einem Vokal gefolgt und klingt wie der Ton zwischen den Ohs in Oh-Oh.

Das Macron- oder Kahako-Zeichen ist ein Vokal mit einer Linie darüber (ā, ē, ī, ō, ū) und ist sehr wichtig, um zu zeigen, wo die Vokale im Vergleich zu normalen Vokalen betont und etwas verlängert sind.


Die Konsonanten p und k werden in etwa wie im Englischen ausgesprochen, nur etwas weicher!
Auch h, l, m und n werden in etwa so ausgesprochen wie im Englischen:
w nach einem „i“ oder „e“ klingt wie ein v
w nach einem „u“ oder „o“ klingt wie ein w
w nach einem „a“ kann wie ein v oder w klingen.

Ich hatte bereits darüber berichtet, dass das kulturelle Erbe der Hawaiianer in den 70ern eine Renaissance erlebte. Zu diesem Zeitpunkt konnten nur noch die „Alten“ die Hawaiianische Sprache. Für die jungen Leute und nachwachsenden Generationen würde die Sprache verloren gehen. Die damaligen politischen Entscheider kann ich nur beglückwünschen, denn sie haben in den 80ern Hawaiianisch als zweite Amtssprache neben Englisch eingeführt und damit einen kulturellen Schatz gerettet, der fast versunken wäre. Heute spricht nur ein kleiner Prozentsatz fließend Hawaiianisch. Viele verstehen einige Wörter und Sätze.

Um den Kreis zu schließen, spiele ich euch hier zeitgenössische Hawaiian Rap Music’ ein! Das hat ungefähr die gesellschaftskritische Kragenweite von Eminem und bringt, neben dem English-Hawaiian-Blend, auch den oben angedeuteten gesellschaftspolitischen Status der „Ureinwohner“ zum Ausdruck! Selbst wenn ich es nicht verstehen würde, fänd‘ ich es seeehr coole Musik! Hier eine kleine Kostprobe, in der ihr gleichzeitig alle oben genannten Regeln sehen und hören könnt.

Aloha Aina! … Liebe das Land!
Ja, das tue ich.

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