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My favorite Hawaiian Music

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My favorite Hawaiian Music
Das Ritual zwischen mir und meinen Eltern ist immer das Gleiche: morgens kriechen alle aus dem Bett, jeder macht sich einen Kaffee und wir sitzen zusammen und kommen ins Erzählen. Ich bekomme von meinen Eltern viele kleine Geschichten erzählt. Vergangenheit und Gegenwart bieten einen nahezu unerschöpflichen Fundus. Allein die Story über die amerikanische Staatsangehörigkeit meines Vaters würde einen ganzen Roman hergeben. Sie hatte uns mehrmals nach USA geführt. So auch im Sommer 1967.
Meine Mutter packt unsere sieben Sachen zusammen. Kleidung, Küchenutensilien, Bettwäsche. Alles, was einigermaßen zu gebrauchen ist, wird in einen Schiffscontainer gepackt. Alles, nur keine Möbel. In Amerika werden wir neue kaufen!
Wir wandern aus! Mein Bruder Mike ist sechs Jahre alt und ich fast vier. Es ist das zweite Mal, dass sich meine Eltern auf die Reise machen. Das erste Mal brachte sie die dienstliche Versetzung meines Vaters von Würzburg nach El Paso hierher. Direkt an der mexikanischen Grenze musste er damals seinen Militärdienst absolvieren.
Diesmal herrschte Goldgräberstimmung. Mein Vater hatte das Angebot eine Generalagentur eines großen kalifornischen Versicherungskonzern in Florida aufzubauen. Chance und Risiko zugleich. Mit meiner Mutter hat er den Deal: „Wenn es Dir nach einem Jahr noch nicht gefällt, dann gehen wir zurück nach Deutschland!“
Das Frachtschiff, ein schwedischer Bananendampfer, verlässt samt unserem gepackten Container und unserem neuen roten Opel Rekord, Bremerhaven im Juli 1967. Wir waren die einzigen Passagiere auf dem Schiff. Und so kam es, dass die Matrosen und Offiziere uns all ihre Aufmerksamkeit schenkten. Meine Eltern erinnerten sich mit einem herzhaften Lachen an diese Überfahrt: „Dreimal am Tag hatten wir Captain’s Dinner. Schon morgens stand die Schnapsflasche auf dem Frühstückstisch. Die Schweden vertragen was!“

Ich habe nur wenige, verschwommene Erinnerungen an diese Überfahrt. Ich weiß nur noch, dass alle sehr nett und lieb mit mir umgegangen sind. Und dass es irgendwie unterhaltsam war. Daran, dass ich seekrank war und mich die halbe Überfahrt übergeben musste, kann ich mir kaum erinnern. Ist vielleicht auch besser so!
Zehn Tage dauerte es, bis wir in Baltimore ankamen. Zehn Tage über die raue See. Zehn Tage in der abenteuerlichen Obhut eines riesigen Bananendampfers. Dann endlich der Landgang. Am Rockzipfel meiner Mutter, warteten Mike und ich bis mein Vater die Einreise- und Zollpapiere geregelt hatte. Unser geliebter, roter Opel Rekord durfte nicht einreisen, bevor er nicht gewaschen bzw. dekontaminiert wurde. Wegen der Einschleppungsgefahr von Seuchen und Krankheitserregern. Merkwürdigerweise mussten wir nicht gewaschen werden, was wahrscheinlich mehr Sinn gemacht hätte.

Fast 900 Meilen musste der frisch gewaschene Opel Rekord durchhalten. Tagsüber fuhren wir zu viert im Auto, am Abend suchten wir ein Motel zur Übernachtung. Endlich, am dritten Tag in Orlando angekommen, suchten meine Eltern eine vorübergehende Bleibe. Die ersten Wochen lebten wir in einem Motel, dann in einem Townhouse, bis meine Eltern schließlich ein kleines Häuschen in einer freundlichen Wohngegend in der Nähe des Lake Killarney gefunden hatten. Fortan sollten wir unseren Wochenenden am Beach von New Smyrna oder am Coco Beach verbringen. Welcome to the Sunshine State!

Mein Bruder, der wie ich, kein Wort Englisch sprach, wurde dort eingeschult. Berichten zufolge war das absolut kein Spaß für ihn. In die erste Klasse zu gehen ist als sechsjähriges Kind schon herausfordernd genug. Die Sprache nicht zu verstehen, macht es nicht leichter. Ich war genau zwei Tage im Kindergarten. Dann weigerte ich mich, weil ich Angst vor der Kindergärtnerin hatte. Außerdem konnte ich so meinen Vorlieben, Spiel- und Bastellaunen nachgehen, wann immer ich es wollte.
Und so rüttelten wir uns mehr oder weniger leicht in das neue Leben im Amerika ein. Mein Vater startete sein Business in der Versicherungsbranche, von dem er sich ein lohnenswertes Geschäft erhoffte. Meine Mutter, die nur wenig Englisch konnte, kümmerte sich um den Haushalt, die Kinder und ging eher widerwillig den sozialen Nachbarschaftsverpflichtungen des dort ansässigen Women‘s Club nach. Am Vormittag unterstützte sie meinen Vater mit Schreibarbeiten. Er war unterwegs – mit dem roten Opel, machte Kontakte und erarbeitete sich wichtige Kundentermine, um sein Geschäft ins Rollen zu bringen.
Wir sitzen im Flieger nach Deutschland. Meine Mutter, Mike und ich. Mein Vater bleibt noch etwas länger. Der Versicherungskonzern hatte zwischenzeitlich beschlossen, sich aus dem Florida-Markt zurückzuziehen. Seit einigen Monaten hat er einen neuen Job als Autoverkäufer bei einem GM-Händler. Damit kann er sicher sein und auf seinen Erfolg zählen. Das hatte er in Deutschland nach seiner ‚GI‘-Zeit bereits bewiesen. Hier in Orlando gehörte er schon nach zwei Monaten zur Spitze der Verkäufer.
Die Tatsache, dass mein Vater sich beruflich etabliert hatte und das Auskommen der Familie sicherstellen konnte, half nicht. Mein Mutter konnte keinen wirklichen Gefallen am amerikanischen Lifestyle finden. Sie wollte zurück nach Deutschland.
In Frankfurt angekommen, wurden wir in Empfang genommen und wir fuhren in die Bäckerei meiner Großeltern. Einige Wochen später am Telefon: „Papa, wann kommst Du nach Hause“. Nach diesem Telefonat kündigte mein Vater seine Stelle in Orlando und kaufte ein Flugticket nach Deutschland.

Der rote Opel Rekord musste leider zurückbleiben. Er verbrachte die letzten Tage mit meinem Vater. In seinen Polstern steckten die Erinnerungen eines abenteuerlichen Jahres. In seinen letzten Kilometern steckten auch die sehnsüchtigen Momente eines einsamen Familienvaters. Der Wagen wurde verkauft. Seine Spur verliert sich an dieser Stelle.
Man könnte meinen, dass nach einem Hawai’i Aufenthalt eine kalte Dusche eine erfrischende Sache ist. Ich habe den Wechsel von Hawai’i nach Florida eher als unwillkommene Abkühlung erlebt. Nicht nur wegen der deutlich niedrigeren Temperaturen, die mir nach Ankunft entgegen schlugen. Sonderbarerweise fehlte etwas: Die gewohnte Aloha-Atmosphäre.

Mein Flug nach Florida ging über Dallas. Während des Fluges habe ich meine hawaiianische Lieblingsmusik gehört (Ülili E, Vocal Duet with David Kamakahi) und habe die schönen Erinnerungen der letzten drei Monate an meinem inneren Auge vorbeiziehen lassen. So „angewärmt“ betrat ich den Boden von US Mainland,Florida. Aufgeladen mit Aloha und ‚totally relaxed‘ trat ich meinen Weg zu meinen Eltern an.
In der Warteschlange am Airport Shuttle habe ich darauf gewartet, dass mir jemand Hilfe mit meinem Gepäck aufdrängt, am Car Rental Schalter freundlich herbeiwinkt, oder dass die anderen Autofahrer mich zuvorkommend vorlassen, egal ob die Regeln es erlauben oder nicht. Nichts dergleichen. Jede/r ist mit sich selbst beschäftigt, auf das Eigene fokussiert und ganz offenbar sich selbst der Nächste.
Der Umgang hier erschien mir wie eine kalte Dusche. „Warum ist hier alles so unfreundlich, hektisch und egoistisch?“
Die ersten Tage war mir etwas kalt ums Herz, ohne dass ich sagen könnte, dass irgendjemand unfreundlich zu mir gewesen wäre. Es war einfach der emotionale Temperatursprung, den ich verarbeiten musste.
Kaum sind die Kinder aus dem Gröbsten raus, da kommen die eigenen Eltern dran…, so oder so ähnlich höre ich manche meines Alters reden. Und so stimmt es ja auch ganz oft. Hört man auf, sich um die Kinder zu kümmern, weil sie groß und selbständig geworden sind, sind oft die eigenen Eltern pflege- oder zumindest sorgebedürftig.

Diese zweite Reiseetappe ist meinen Eltern gewidmet. Es ist „meine Elternzeit“. Seit über 22 Jahren leben sie in Florida. Zunächst in einem kleinen Reihenhäuschen an der Ostküste mit direktem Zugang zum Beach. Seit einem halben Jahr wohnen sie in einem kleinen Apartment in einer „Senioren-Residence“, wenige Meilen entfernt vom Meer.
Es ist viel zu tun im Hause Krebs. Der Einzug in die neue Wohnung und die Renovierungsarbeiten schleppen sich dahin. Wenn meine Eltern neues Eigentum erstehen, dann heißt das schon immer: Alles muss neu gemacht werden. Alte Wände raus, Möblierung raus, alte Küche raus, neue rein. Alte Bäder raus, neue rein. Mein Vater ignoriert einfach sein Alter und arbeitete beharrlich. Tag um Tag. Nahezu alles wollen sie selbst machen. So war das schon immer!
Blöderweise spielte das Herz meines Vaters nicht so mit. Er musste die Arbeiten unterbrechen. Eine Zwangspause einlegen. Das Schlimmste, was man diesem Mann antun kann.

Also nichts einfacher, als hier zu unterstützen. Wir schrauben gemeinsam Möbel zusammen, kaufen ein, kochen. Ich dränge beiden eine Pause im beheizten Pool auf oder insistiere, bis wir einen Nachmittag zum Strand gehen. Seit fast einem Jahr waren sie nicht mehr dort.


Seit längerem hatten sie das Mantra „Work, Eat, Sleep“. Ich versuche mich gerade an der Umprogrammierung auf:
Work, Relax, Enjoy!
Without Work this wouldn’t Work… 😉

Wir sehen uns meist nur einmal pro Jahr, hin und wieder telefonieren wir. Bisher war das ok. Sie sind älter geworden – logisch. Langsamer. Hören schlechter. Die Knochen tun hier und da weh. Meine Mutter ist mit 76 ziemlich fit. Mein Vater mit 82 erlebt sein „Revival“ dank eines Herzschrittmachers, den er vor 8 Wochen bekommen hat.

Vielleicht fällt das hier nur mir auf, denn sie befinden sich in guter Gesellschaft. Hier in der „Vista Pines“-Residence darf man erst Eigentum erwerben, wenn man 55+ ist. Die Anlage ist so groß, dass ich mit dem Fahrrad 5-6 Minuten brauche, um einmal rund zu fahren. Wo ich hinschaue, alte Menschen. Mal mehr, mal weniger fit. Mit und ohne Gehrädchen. Wer nicht mehr laufen kann, fährt mit dem Wagen zum Pool oder Clubhouse. Wenn ich mit dem Badetuch über der Schulter zum Pool laufe, komme ich mir vor wie ein ‚Jung-Spunt‘. Aus dieser Perspektive betrachtet, fühlte ich mich nie jünger als jetzt.
Insbesondere gut gestellte amerikanische Rentner leisten sich gerne entweder einen stetigen Wohnsitz hier im „Sunshine State“ oder ein Winter Domizil. Ein bekanntes und beliebtes Lebensmodell für’s Alter. Alles ist auf die Bedürfnisse der „Alten“ zugeschnitten, egal ob sie fit oder gebrechlich sind. Über 270 Golfplätze, tausende Tennisplätze, beheizte Pools in nahezu jeder Wohnanlage. Breite Straßen, langsames Fahren und große Parkplätze. Segelboote haben oft einen eigenen Steg zum Häuschen am Wasser. Oder man parkt das gute Stück im Club-Hafen unter Seinesgleichen.
Altersgerechte Wohnkonzepte im „Economy, Premium und First Class“ – Niveau. Je nachdem, was der Geldbeutel erlaubt. Ärzte und Kliniken für jedes Wehwehchen, Massage-Praxen und Therapie-Center, wo das Auge nur hinschaut.
Sarkastische Zungen sagen: „Florida is God’s Waiting Room“
Das warme Klima, die Sonne und die zarte ‚Breeze‘ in Meeresnähe, tragen ihren Teil zum „eleganten Koma mit viel Ruhe und Bequemlichkeit“ bei. Das Zitat ist von Iggy Pop, der amerikanischen Punk-Rock Legende. Mit jetzt 72 Jahren lebt er in Miami. So lässt sich komfortabel altern! Bis der Tot sie scheidet.
Mein Vater will hier in USA beerdigt werden. Er ist die dritte Generation in unserer Familie mit amerikanischer Staatsbürgerschaft, seit mein Urgroßvater Phillip sich im zarten Alter von 18 Jahren auf den Weg ins gelobte Land machte. Dieses Erbe möchte mein Vater ehren.
Meine Mutter denkt gar nicht daran zu sterben. Sie trotzt dem Zahn der Zeit mit Energie und Schaffenskraft. Sie genießt ihre Routinen, ist ‚always busy‘ mit Einrichtungs- und Gestaltungsfragen im neuen Apartment und hält meinen Vater auf Trapp.
Ich bin neugierig, was die Zwei zu erzählen haben. Will die Zeit nutzen, mehr über sie und ggf. über mich zuerfahren. Let’s see!
Mich von Hawai’i zu verabschieden, ohne auf einem Surfbrett gestanden zu haben? Das geht nicht! Obwohl ich bisher diese Form von touristischen Aktivitäten vermieden habe, konnte ich nicht umhin, eine Surf-Lesson am legendären Waikiki-Beach zu nehmen. Waikiki heißt ‚Sprudelndes Wasser‘, weil hier die topografischen Verhältnisse und die Strömung so beschaffen sind, dass die Wellen zuverlässig und stetig herein rollen.


Und wie auf Hawai’i so üblich, bekommt jeder bedeutende Platz einen Namen. So auch die Surf-Spots. Waikiki besteht aus sechs aneinander gereihten Strandabschnitten. Einer davon ist ‚Kalehuawehe‘. Das heißt so viel wie ‚Zieh den Lei aus‘. Der Legende nach, überreichte dort ein ‚Surf-Hero‘ der Frau eines herrschenden Oberhauptes seines Blumen-Lei. Was als Zeichen der Anbetung interpretiert wurde. Es ist nicht überliefert, wie diese Geschichte weiter ging.
Waikiki – ‚The Place to Be!‘ Allein schon deshalb, weil hier die ‚Royals‘ vor Jahrhunderten schon diesem anspruchsvollen Sport nachgingen. Niemand durfte sie dabei beobachten. King Kamehameha I (*1758 – 1819) erfuhr für seine Surfkünste besondere Bewunderung. Erst nach Abschaffung des hawaiianischen Kapu (Tabu-System) 1820 war es auch dem gewöhnlichen Volk erlaubt, sich auf den „Wellen-Brettern“ zu vergnügen.

Wer kennt Duke Paoa Kahanamoku (1890-1968) oder schlicht Duke? Er war Silber- und Goldmedaillen-Gewinner bei der Olympiade 1912 in Schweden im Schwimmen. Ganz nebenbei vergnügte er sich in seiner Freizeit mit Surfen. Seine Berühmtheit verschaffte auch diesem Sport Aufmerksamkeit, so dass er den Sport nach Kalifornien und Australien brachte. Seine Statue an der Strandpromenade zeugt von der historischen Bedeutung dieses Ortes.
Hier mit einem Surfbrett unter dem Arm an der Beach-Promenade zu laufen, ist mindestens so selbstverständlich, wie statt einer normalen Hose, Bade-Shorts oder Bikini anzuziehen. Also mache ich das auch so: Im Badeanzug und Surfer-Shirt watschle ich direkt von der gegenüberliegenden Surfschule über die Straße zum Strand. Dort warten schon die Surf-Coaches mit den Surfbrettern auf ihre Schüler.

Der Himmel ist wolkenlos, die Sonne brennt und es ist sehr heiß. Wer kann da an etwas Anderes denken, als sich samt Surfbrett ins Wasser zu werfen. Nach einer kleinen „Trockeneinweisung“ geht es auch schon los. Wir legen uns bäuchlings auf’s Brett und paddeln raus. Dort wo die Wellen ihren Anfang finden und sich aufbäumen.

Warten auf die richtige Welle, den Schwung nehmen, die Knie anziehen, Balance halten, Aufrichten, Balance halten, Arme raus, Balance halten. Umfallen, hinein Platschen ins Meer. Ganz ohne Gracie und Anmut.

All das gehört offenbar ebenso dazu, wie der seltene Erfolg, ein, zwei Mal zu Stehen und die Welle zu reiten. Erst jetzt erlange ich die Adelung den unter Surfern gebräuchlichen Shaka-Gruß, der in Hawaii für Aloha steht, nutzen zu dürfen. Welch‘ Ehre!

Eigentlich hatte ich keine richtige ‚Bucket List‘, als ich abreiste. Ich wusste nur, dass Hula und irgendwas mit Wasser dabei sein musste. Die Vorstellung, wie die ‚Locals‘ unterwegs zu sein, habe ich für das ganze Reisejahr gehabt. Ich verstehe mich nicht besonders gut darauf, ein Tourist zu sein. Viele, intensive Sightseeing-Touren überfordern mich schnell. Ich mag es, länger an einem Ort zu verweilen, hinein zu schnuppern. Leute und Land kennen zu lernen. So zu tun, als ob ich dort zuhause wäre. Auf diesem Wege hat sich die ‚BucketList‘ von selbst gefunden:

30.11.2019. Ich habe alles zusammen gepackt. Mein Rad verstaut und meine ‚Cozy Cottage‘ zur Abreise gecheckt. In zwei Stunden wird mich Karen abholen und zum Flughafen nach Honolulu bringen. Ein schönes Gefühl so persönlich verabschiedet zu werden!
Drei Monate sind vorbei. Ich bin satt und zufrieden und reise ohne Wehmut oder Trauer ab. Ich habe die Zeit hier intensiv und gleichzeitig entspannt erlebt. Mir gehen die vielen Dinge durch den Kopf, die ich unternommen habe. Die Menschen, die ich kennen gelernt habe. Die Freunde die ich gefunden habe.



Ich hatte nicht nur gute Tage. Meine Gesundheit hat nicht immer mitgespielt. Manchmal fühlte ich mich allein, selten einsam. Mal fröhlich, mal betrübt. Mal ungeduldig, mal ruhig, meist gelassen. Immer glückselig darüber, dass ich hier sein und diese wunderbaren Erfahrungen machen durfte.
Jetzt freue ich mich auf die Weiterreise zu meinen Eltern. Ein ganz anderer Abschnitt wartet da auf mich!
Mahalo i nā mea āpau. Ola maikaʻi a aloha i kou ʻāina.
Danke für Alles. Lebe gut und liebe dein Land.

Um etwas zu erleben, muss ich Downtown Honolulu. Ich fahre natürlich mit ‚The Bus‘. Einfach und ‚cheep‘, dafür dauert es ewig! Hier fahren die Schüler, Alltagspendler und Arbeiter. Diejenigen, die sich kein Auto mehr leisten wollen oder können. Und manchmal verlaufen sich ein paar Touristen! Ökomäßig auf jeden Fall mal ein Pluspunkt!
Musik: Diesmal nicht Ukulele und auch nicht Hawaiian Volksmusik. Mir war nach Soul & Blues zumute. Eine feine Mischung aus Jazz, Blues und Funk erwartete mich im Blue Note Club. Warum habe ich solche Konzerte nicht viel öfter in der Vergangenheit besucht? Es war herrlich. Der Laden hat gerockt und ich hatte unendlich Spaß! Empfehlung: Tower of Power – Soul, Blues & Funk. ‚I like it!‘

Kunst: Weder das Museum of Modern Art, noch eine Ausstellung für polynesische Handwerkskunst konnte mich verführen. Ich brauche ja immer etwas zum Erleben und Anfassen. Über einen Social Media Kontakt kam ich zu ‚Paint a Plate‘. In einer kleinen Keramik-Brennerei bekomme ich einen rohen Keramikteller, Farben und eine kurze Einweisung zur Handhabung! Oh Mann, das hat Spaß gemacht. Während ich da so in mich versunken saß und malte, dachte ich: „Kunst und Kindergarten“. So ähnlich war das damals!

Professioneller und mindestens genauso unterhaltsam war eine private ‚Street Art‘ Tour mit Tamara (… die junge Rentnerin von Woche #11). Auch Honolulu hat hippe Industrie-Mischgebiete, die sich gerade im Aufschwung befinden. Coole Locations, New Work und Life Space. Statt grauer Fassaden, bunt und kunstvoll bemalte Gebäudeflächen.

Die ‚Murals‘ von Kakaako sind berühmt. Sie verwandeln die Strassen dieses ‚upcoming‘ Districts von Honolulu in eine farbenfrohe Outdoor-Ausstellung. Über 100 Künstler aus aller Welt kommen jedes Jahr zum ‚Street Art Festival‘ namens „Pow! Wow!“ und hinterlassen erstaunliche Kunstwerke.

Kultur: Uhhh, damit tue ich mich immer etwas schwer. Zumindest wenn ich die Kultur eines Volkes durch ein Museum begreifen will. Ich mochte es noch nie besonders mich durch Museen zu arbeiten. Das „Bischop Museum‘ machte da leider keine Ausnahme, obwohl es wirklich ein sehr schönes Museum ist. Herkunft und Erbe der polynesischen Völker, archäologische Insel-Raritäten und ‚all about Hawaiian Monarchy‘. So viel, dass es mich schlicht überfordert hat.
Bei drei Monaten Aufenthalt wird einem hier klar, dass sich die „echten“ Hawaiianer – also diejenigen mit polynesischer Herkunft, oftmals nicht als Amerikaner fühlen und auch nicht fühlen wollen. Im Bischop Museum sehe ich warum das so sein kann. Herkunft und Erbe der polynesischen Völker, die Hawaii einst entstehen ließen, wurden im Laufe der Jahrhunderte mit der Einwanderung von „Fremden“ – Entdeckern, Seeleuten, Händlern, Missionaren – unterdrückt und teilweise ausgerottet.
Der Vielgötterglaube, der seinen Ursprung unter anderem in Tahiti, Samoa und Fiji findet, wird durch das Christentum verdrängt. So wie ich es verstehe, haben es die vielen gläubigen Einwohner bis heute geschafft, den Christengott in ihre nahezu unendliche Liste von Göttern und Geistern zu integrieren.
Aber was ist schon ein „echter“ Hawaiianer? Heutzutage darf man nicht nur, sondern muss sich die Frage stellen, ob die Herkunft noch eine Rolle spielt. Hawaii gilt als ‚Melting Pott‘ der Herkünfte und Kulturen. Die meisten Stimmen sagen: „We are all Americans!“. April, eine junge Frau, die ich bei einer Radtour kennen gelernt habe, hat auch diese Einstellung: „I’m the 5th generation. My ancestors were plantation workers on Big Island. I carry a blend of Japanese, Tahitian, Hawaiian and English genes. So what am I? It doesn’t even matter!“

Auch wenn ein Volksentscheid dazu führte, dass Hawaii 1959 der 50. Bundesstaat Amerika’s werden sollte, verstehen sich Teile der Bevölkerung seit der Annektion der Inselkette 1898 durch die USA, nicht als Amerikaner! Diese völkerrechtswidrige Vereinnahmung der Inselkette durch die Vereinigten Staaten diente ausschließlich militärischen Zwecken. An wen oder was erinnert uns das?
Zwischenzeitlich ist viel Zeit vergangen und das Alltagsleben der sehr durchmischten Bevölkerung zeigt davon wenig. Dennoch, im Hintergrund brodelt es. Die Minderheit der indigenen Einwohner wehrt sich gegen zu viel Amerikanisierung und möchte ihre Traditionen gewahrt und respektiert wissen.
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