Week #10

Even Paradise takes a Break

Auch das Paradies braucht mal eine Pause! Über eine Woche schon ist das Wetter eher bescheiden. Es ist stark bewölkt. Es regnet. Kein Wind! Die Locals sagen: „It’s becoming winter!“. Der Schwedische ‚husband‘ meiner Radelfreundin Karen hat da nur ein müdes Lächeln übrig: „Come on…“, sein schwedischer Akzent kommt durch: „You even don’t realize it. It’s two degreesless. Ridicules! “.

In der Tat, es ist nur ein leichter Unterschied. Tagsüber wird es etwas schwüler und nachts kühlt es ein klein wenig ab! Es ist immer warm, auch wenn die Wolken die Sonne nicht durchlassen und der Regen eine kurze Abkühlung bringt. Von Flip-Flops, Shorts und ‚tank top‘ muss man sich deshalb nicht verabschieden.

Ich merke es daran, dass ich nachts den Deckenventilator abschalten kann. Die AC (Air Condition) zu benutzen habe ich vom ersten Tag an verweigert. Anfang September, als ich auf die Insel kam, war das eine echte Herausforderung. Wie viele andere Besucher, die AC nicht nutzen wollen oder können, lag ich nach dem Duschen unterm Ventilator, um mich vor der Hitze zu retten. Jetzt brauche ich nachts ein leichtes Tuch, um nicht zu frieren und beim Aufwachen morgens ist es ‚a little chilly‘.

Am schlimmsten waren die windlosen Tage für die Kite-und Wind Surfer. Sie warten auf den Wind. Sie kommen jeden Tag zum Beach, sprechen über den ‚Wind Forecast‘ und warten und warten und warten. Endlos. Ich sitze etwas abseits und beobachte das Warten bei einem Café.

Meinen täglichen Café Latte kaufe ich im ‚Kalapawai Market‘. ‚The iconic place to buy your deli‘!
Der kleine Gemischtwarenladen mit Bistro-Charakter um die Ecke.

So komme ich mit dem ein oder anderen einheimischen Beachgänger ins Gespräch! Da ist Jim the Fish. Jim ist fast 70 Jahre alt und geht täglich ins Meer schwimmen. Er steht immer sehr, sehr lange im kniehohen Wasser am Strand. Er beobachtet irgendetwas. Also gehe ich hin und frage ihn, ob er ein Ritual oder so etwas hat. Nein, sagt er: „I’m just contemplating. It could always be the last time.” Sie nennen ihn ‘Jim the Fish – especiallythe Yellow Tuna‘, weil er mit einer quitschgelbenMonoflosse, Tauchermesser und Schwimmhaut-Handschuhen weit raus ins offene Meer schwimmt. Es dauert Stunden bis er zurück ist. Aber er kommt seit 10 Jahren jedes Mal unversehrt zurück!

Und da ist, ‚Alan’, der ehemalige Professor für Mathematik und ethische Ökonomie! Er wohnt direkt um die Ecke des Kailua Beaches und kann sehr schnell auf die Wetterverhältnisse reagieren. Trotzdem sitzt er immer an der gleichen Stelle am Strand unter den Bäumen und hat IMMER seine Gitarre dabei. Er hat ein nahezu unerschöpfliches Repertoire an Liedern und Texten, mit denen er seine Kite- und Wind Surfer Kumpels – und mich – unterhält. Sie nennen ihn ‚Alan the Singer‘. Was sich lustigerweise in Alan’s Nachname wieder findet. Er heißt tatsächlich Alan Singer!

Und so vergehen die windlosen Tage, wie die zarten Wellen, die im stetigen Rhythmus ans Ufer rollen. Alle gehen ihrem bescheidenen Tageswerk nach. So auch ich. Mit den üblichen Aktivitäten kann ich mich im Gegensatz zu den „Windsüchtigen“ bei Laune halten. Die eingefleischten Kite- und Wind Surfer dagegen, erscheinen mir zwischenzeitlich leicht deprimiert.

Hüpfender Floh

Eigentlich ist Helge an allem schuld! Nicht nur die Tatsache, dass ich diesen Blog schreibe, sondern auch, dass ich einen überraschend schönen Abend auf dem Taimane-Konzert im Blue Note Club in Honolulu hatte.

Zum Auftakt dieser Woche bestand meine Mission darin, das Konzert der berühmten Ukulele-Musikerin Taimane Gardener zu besuchen. Helge ist seit langem ein großer Verehrer ihrer Musik und witzelte ein bisschen, dass ich Taimane ja für meinen Blog interviewen könnte. Na ja, kleine Hirngespinste eines verliebten Verehrers …!

Okay, dachte ich. Wer im Blue Note Club auftreten darf, kann nicht schlecht sein. Also ging ich hin. Ich konnte meine Begeisterung kaum zurückhalten. Deshalb habe ich schon zwei Posts dazu auf Facebook gemacht. Dennoch verdient dieser schöne Abend etwas mehr Hintergrund Information.

Wer Taimane hat spielen sehen, weiß warum das gitarrenähnliche Instrument Ukulele, übersetzt ‚hüpfender Floh‘ heißt. Diese viersaitige „Baby-Gitarre“ kam irgendwann um die 1800 paar und 70 mit portugiesischen Einwanderern, um genauer zu sein, mit maderensischen Zuckerplantagen-Arbeitern nach Hawaii. Die Hawaiianer fanden damals das Spiel von Joao Fernandez und seinen Landsleuten so entzückend, dass sie das Instrument „‘Ukulele“ nannten, weil das schnelle Springen und Zupfen der Finger auf den Saiten sie an einen hüpfenden Floh erinnerte. Damit nimmt der Siegeszug des seither hawaiianisch geprägten Zupfinstrumentes seinen Lauf.

Die meisten von Euch werden „Somewhere over the Rainbow“ von Israel Kamakawiwo‘ole kennen, der die Spielart der Ukulele in die Herzen auch derjenigen Menschen getragen hat, die keine besondere Beziehung zur Gitarrenmusik haben. Taucht man etwas tiefer in die Materie ein, stellt man schnell fest, dass Hawaii die Brutstätte herausragender Ukulele-Musiker, wie Taimane ist.

Am Anfang der Show dachte ich: „Hmmm… ein bisschen exaltiert, die junge Frau!“. Stück für Stück fing mich ihr Können und ihre Hingabe und Leidenschaft an diesem kleinen, unscheinbaren Instrument ein. Sie ist virtuos! Die Bandbreite an interpretiertem Genre riesig. Ganz nebenbei kokettiert sie mit dem Publikum. Zeigt sich nahbar und erfrischend.

Ich beschließe mich nach dem Konzert als Autogramm-Jäger zu versuchen: „I‘m coming all the way from Germany, to greet you on behalf of my best friend Helge.“ Sie lächelt freundlich. „He send me to your show. He’s probably one of your biggest fans in Germany!“. Sie nimmt sich Zeit. Wir halten ein kleines Schwätzchen. Bald wird sie in Hamburg auftreten und grüßt Helge ganz herzlich.

Zufrieden und beseelt schlendere ich aus dem Club. Ich gönne mir einen kleinen Spaziergang durch ‚Downtown‘ und genieße noch bei einem ‚Virgin Mochito‘ die nächtliche Skyline Honolulu’s auf der Sky Plaza Terrace. Mission accomplished!

Jetzt ist es nicht so, dass Taimane ständig in Deutschland zu Gast wäre. Ich bin mir gar nicht sicher, ob sie überhaupt schon mal in Deutschland aufgetreten ist!? Und wie es der Zufall will … Sie wird in gut einem Monat für zwei Shows in Deutschland sein.

Für die World Music Aficionados in meiner deutschen Community: Am 4. Januar spielt sie in der Hebebühne in Hamburg, am 5. Januar im Privat-Club in Berlin. Und wer’s nicht schafft, der sieht sie am 9. Januar in der Sony Hall in New York 😉 Dort übrigens vor 1.500 Besuchern. In Berlin und Hamburg werden die Auftritte wesentlich kleiner und intimer sein. In Berlin passen nicht mehr als 200 Leute in den Club. Könnte es sein, dass sie tatsächlich noch ein Geheimtipp ist?

Und war das jetzt zuviel Werbung?? Das mache ich ja sonst nicht.
Jedenfalls haben meine ANY’s in Deutschland sich gewappnet.

Tickets für Hamburg

Wer sind die ANY’s? Das erzähle ich ein anderes Mal.
Jetzt wünsche ich Euch ein schönes Wochenende mit ein wenig Klassik à la Taimane Gardner aus ihrem Wohnzimmer.

Hang loose!

2 Kommentare zu „Week #10“

  1. Es ist so schön zu lesen, was Du alles so erlebst! Und dem Kommentar bezüglich des Wetters kann ich mich nur anschließen. Ich habe mittlerweile mit Rollkragenpullover-kollektion und Ugg-boots die Wintersaison eingeläutet. Und denke wehmütig, an die letzten Jahre zurück, in denen wir im Dezember nochmal in die Sonne geflogen sind……das geht ja mit Schulkind nicht mehr….😭aber das ist auch ein Luxusproblem. Ganz liebe Grüße!!!

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