Week #11

Die fitten Rentner von Hawai‘i

Hier auf Hawai’i lebe ich das Leben eines typischen, fitten hawaiianischen Frührentners. Die meisten derer, die ich hier kennen gelernt habe, frönen bereits zwischen 50 und 55 Jahren dem ‚Retirement‘. Das gelingt deshalb, weil sie entweder beim Militär gedient haben, im Schul- oder Universitätsdienst unterwegs waren oder sich als selbstständige Ärzte oder Anwälte verdingt haben.

Die beiden im Titelbild haben mich zu dieser Story inspiriert! Die Kinder sind groß und aus dem Haus. Beide haben für die Coast Guard gearbeitet. Das erfordert ein hohes persönliches und privates Investment. Schichtdienst, Fitnesstests, Weiterbildung, Bereitschaft häufiger den Wohnort und damit den Lebensmittelpunkt zu wechseln. Nach 30 Jahren Dienstzeit und mit bereits 50 Jahren sind sie verrentet und erhalten eine monatliche Pension vom Staat.

Die beiden sind eher die Ausnahme in den USA. Diese „Ausnahmen“ allerdings scheinen sich auf Hawai’i zu versammeln. Der durchschnittliche Amerikaner geht mit 66 Jahren in Rente. Mit 260 Stunden mehr Arbeitszeit pro Jahr als der durchschnittliche Europäer und einem  Urlaubsanspruch von meist nur 5-10 Tagen pro Jahr hat sich unser Durchschnitts-Amerikaner die Rente und Rentenleistungen mindestens genauso verdient wie wir. Das amerikanische Rentensystem krankt an den gleichen Dynamiken wie unser Deutsches! Wer hier das Rentenalter genießen will und nicht zufälligerweise für Staat oder Militär gearbeitet hat, muss rechtzeitig an private Rücklagen denken.

Fitte Rentner von Hawai’i und andere Ausnahmen

Die fitten Rentner von Hawai’i sind körperlich und geistig fit. Sie treiben regelmäßig Sport. Sie vertreiben sich die Zeit mit Wind-Surfen und genießen ihren Freiraum. Sie sind aufgeschlossen, haben die Ruhe weg und lassen es sich einfach gut gehen. Eine sehr, sehr verführerische Vorstellung, die es mir tatsächlich leichter macht, mit Wohlwollen und sogar einem Hauch von Vorfreude auf meine „übernächste“ Lebensphahse zu blicken!

Zeitvertreib aller Art

Ich will mitspielen, also unterwerfe ich mich diese Woche einem strammen Programm:

  • Sonntag: 07:30 – 11:00 Uhr Radtour mit eingebauter Pearl Harbor History Lesson mit John
  • Montag: 07:30 – 8:30 Uhr Open Water Swim to Flat Island mit den Kailua Master Swim Club
  • Dienstag: 09:00 – 12:00 Uhr Hiking mit George über den Wiliwilinui Ridge Trail
  • Mittwoch: 07:30 – 09:30 Uhr Paddling Practise im Ocean mit Jake
  • Donnerstag: 07:30 – 11:30 Uhr Bike Tour mit Thursday Kailua Brunch Riders
  • Freitag: Ruhetag – Massage bei Ben und ‚Recovery‘
  • Samstag: 07:30 – 9:00 Uhr Diving mit Scott am „Horse Shoe Reef“

Den Rest der Zeit verbringt man am Strand, zuhause, trifft sich mit Freunden und überlegt, was es leckeres zum Essen geben könnte. So oder so ähnlich ist das normal im hawaiianischen Rentner-Dasein. Falls sich das Älter werden oder alt sein „so“ darstellt, dann bin ich nicht wirklich unzufrieden.

Der einzige, der nach unserem Verständnis schon längst seine Rente genießen dürfte ist George. Mit 71 Jahren arbeitet er als selbstständiger Consultant. Manchmal, wenn er Ärger mit Kunden hat oder die Aufträge extrem unangenehm sind, dann fragt er sich, warum er das eigentlich noch tut. Nötig hätte er es nicht. Ich frage ihn, ob er nicht langsam weniger Energie hat. „I feel like I just came out of college!“, er lächelt und zuckt mit den Schultern.

Der unermüdliche George

Seid ihr auch schon in der FDA-Phase?

Diese Woche habe ich einen Video-Clip von Maren Kroymann gesehen und mich fast schlapp gelacht: Die FDA-Phase! Das ist der Lebensabschnitt, in dem alle Komplimente mit einem „für dein Alter“ versehen werden. „You are in good shape – for your age!“ sagte tatsächlich ein Typ am Strand zu mir. Und war es nicht Trump, der zu Brigitte Marie-Claude Macron sagte: „She’s in such a good shape!“ und meinte damit ‚für ihr Alter‘! In der politischen Öffentlichkeit galt das als Beleidigung!

In der Tat bin ich noch nicht ganz entschlossen, als was ich es einordnen soll. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu viel Zeit habe, über mein Leben nachzudenken? Mich beschäftigt das Älter werden! Ich mag es nicht! Wenn die Bäckchen (damit meine ich ALLE Bäckchen) erschlaffen und die Haut runzelig wird. Kraft und Ausdauer sich davonschleichen. Knochen und Gelenke schmerzen. Der Rücken lahmt. Die Erholungszeit nach egal welchen Aktivitäten, sich nahezu vervierfacht. Das Haar grau wird. Und das, was ich gerade rein körperlich wahrnehme, ist ja nur der Anfang! Ojee… wie soll das nur weitergehen?

Ich teile meine komödiantische Entdeckung mit meinem Cycling-Freunden: „Do you know the FYA-Phase?”. Sie runzeln die Stirn. “It’s the stage in your life, when every compliment ends with a ‘for your age’-phrase!” Gelächter und heftiges Kopfnicken folgen und jeder kennt es. Die erste Reaktion von George war:

“If people start mentioning the FYA-Phrase you’re already on the top! From then on it goes down…“

Widerstand ist sowieso zwecklos! Also gebe ich mich dem Lauf der Dinge hin. Den besten Rat, den ich mir selbst geben kann, ist die Zeit mit mir und anderen zu genießen. Der Blick in den Spiegel, das Keuchen beim bergauf radeln, das Erschlaffen der Haut. All das fordert mir eine gehörige Portion Selbstironie und etwas Humor ab. Ich höre die Leute schon sagen: „Du hast ja gut Lachen – für dein Alter!“ Stimmt ja auch!

Week #10

Even Paradise takes a Break

Auch das Paradies braucht mal eine Pause! Über eine Woche schon ist das Wetter eher bescheiden. Es ist stark bewölkt. Es regnet. Kein Wind! Die Locals sagen: „It’s becoming winter!“. Der Schwedische ‚husband‘ meiner Radelfreundin Karen hat da nur ein müdes Lächeln übrig: „Come on…“, sein schwedischer Akzent kommt durch: „You even don’t realize it. It’s two degreesless. Ridicules! “.

In der Tat, es ist nur ein leichter Unterschied. Tagsüber wird es etwas schwüler und nachts kühlt es ein klein wenig ab! Es ist immer warm, auch wenn die Wolken die Sonne nicht durchlassen und der Regen eine kurze Abkühlung bringt. Von Flip-Flops, Shorts und ‚tank top‘ muss man sich deshalb nicht verabschieden.

Ich merke es daran, dass ich nachts den Deckenventilator abschalten kann. Die AC (Air Condition) zu benutzen habe ich vom ersten Tag an verweigert. Anfang September, als ich auf die Insel kam, war das eine echte Herausforderung. Wie viele andere Besucher, die AC nicht nutzen wollen oder können, lag ich nach dem Duschen unterm Ventilator, um mich vor der Hitze zu retten. Jetzt brauche ich nachts ein leichtes Tuch, um nicht zu frieren und beim Aufwachen morgens ist es ‚a little chilly‘.

Am schlimmsten waren die windlosen Tage für die Kite-und Wind Surfer. Sie warten auf den Wind. Sie kommen jeden Tag zum Beach, sprechen über den ‚Wind Forecast‘ und warten und warten und warten. Endlos. Ich sitze etwas abseits und beobachte das Warten bei einem Café.

Meinen täglichen Café Latte kaufe ich im ‚Kalapawai Market‘. ‚The iconic place to buy your deli‘!
Der kleine Gemischtwarenladen mit Bistro-Charakter um die Ecke.

So komme ich mit dem ein oder anderen einheimischen Beachgänger ins Gespräch! Da ist Jim the Fish. Jim ist fast 70 Jahre alt und geht täglich ins Meer schwimmen. Er steht immer sehr, sehr lange im kniehohen Wasser am Strand. Er beobachtet irgendetwas. Also gehe ich hin und frage ihn, ob er ein Ritual oder so etwas hat. Nein, sagt er: „I’m just contemplating. It could always be the last time.” Sie nennen ihn ‘Jim the Fish – especiallythe Yellow Tuna‘, weil er mit einer quitschgelbenMonoflosse, Tauchermesser und Schwimmhaut-Handschuhen weit raus ins offene Meer schwimmt. Es dauert Stunden bis er zurück ist. Aber er kommt seit 10 Jahren jedes Mal unversehrt zurück!

Und da ist, ‚Alan’, der ehemalige Professor für Mathematik und ethische Ökonomie! Er wohnt direkt um die Ecke des Kailua Beaches und kann sehr schnell auf die Wetterverhältnisse reagieren. Trotzdem sitzt er immer an der gleichen Stelle am Strand unter den Bäumen und hat IMMER seine Gitarre dabei. Er hat ein nahezu unerschöpfliches Repertoire an Liedern und Texten, mit denen er seine Kite- und Wind Surfer Kumpels – und mich – unterhält. Sie nennen ihn ‚Alan the Singer‘. Was sich lustigerweise in Alan’s Nachname wieder findet. Er heißt tatsächlich Alan Singer!

Und so vergehen die windlosen Tage, wie die zarten Wellen, die im stetigen Rhythmus ans Ufer rollen. Alle gehen ihrem bescheidenen Tageswerk nach. So auch ich. Mit den üblichen Aktivitäten kann ich mich im Gegensatz zu den „Windsüchtigen“ bei Laune halten. Die eingefleischten Kite- und Wind Surfer dagegen, erscheinen mir zwischenzeitlich leicht deprimiert.

Hüpfender Floh

Eigentlich ist Helge an allem schuld! Nicht nur die Tatsache, dass ich diesen Blog schreibe, sondern auch, dass ich einen überraschend schönen Abend auf dem Taimane-Konzert im Blue Note Club in Honolulu hatte.

Zum Auftakt dieser Woche bestand meine Mission darin, das Konzert der berühmten Ukulele-Musikerin Taimane Gardener zu besuchen. Helge ist seit langem ein großer Verehrer ihrer Musik und witzelte ein bisschen, dass ich Taimane ja für meinen Blog interviewen könnte. Na ja, kleine Hirngespinste eines verliebten Verehrers …!

Okay, dachte ich. Wer im Blue Note Club auftreten darf, kann nicht schlecht sein. Also ging ich hin. Ich konnte meine Begeisterung kaum zurückhalten. Deshalb habe ich schon zwei Posts dazu auf Facebook gemacht. Dennoch verdient dieser schöne Abend etwas mehr Hintergrund Information.

Wer Taimane hat spielen sehen, weiß warum das gitarrenähnliche Instrument Ukulele, übersetzt ‚hüpfender Floh‘ heißt. Diese viersaitige „Baby-Gitarre“ kam irgendwann um die 1800 paar und 70 mit portugiesischen Einwanderern, um genauer zu sein, mit maderensischen Zuckerplantagen-Arbeitern nach Hawaii. Die Hawaiianer fanden damals das Spiel von Joao Fernandez und seinen Landsleuten so entzückend, dass sie das Instrument „‘Ukulele“ nannten, weil das schnelle Springen und Zupfen der Finger auf den Saiten sie an einen hüpfenden Floh erinnerte. Damit nimmt der Siegeszug des seither hawaiianisch geprägten Zupfinstrumentes seinen Lauf.

Die meisten von Euch werden „Somewhere over the Rainbow“ von Israel Kamakawiwo‘ole kennen, der die Spielart der Ukulele in die Herzen auch derjenigen Menschen getragen hat, die keine besondere Beziehung zur Gitarrenmusik haben. Taucht man etwas tiefer in die Materie ein, stellt man schnell fest, dass Hawaii die Brutstätte herausragender Ukulele-Musiker, wie Taimane ist.

Am Anfang der Show dachte ich: „Hmmm… ein bisschen exaltiert, die junge Frau!“. Stück für Stück fing mich ihr Können und ihre Hingabe und Leidenschaft an diesem kleinen, unscheinbaren Instrument ein. Sie ist virtuos! Die Bandbreite an interpretiertem Genre riesig. Ganz nebenbei kokettiert sie mit dem Publikum. Zeigt sich nahbar und erfrischend.

Ich beschließe mich nach dem Konzert als Autogramm-Jäger zu versuchen: „I‘m coming all the way from Germany, to greet you on behalf of my best friend Helge.“ Sie lächelt freundlich. „He send me to your show. He’s probably one of your biggest fans in Germany!“. Sie nimmt sich Zeit. Wir halten ein kleines Schwätzchen. Bald wird sie in Hamburg auftreten und grüßt Helge ganz herzlich.

Zufrieden und beseelt schlendere ich aus dem Club. Ich gönne mir einen kleinen Spaziergang durch ‚Downtown‘ und genieße noch bei einem ‚Virgin Mochito‘ die nächtliche Skyline Honolulu’s auf der Sky Plaza Terrace. Mission accomplished!

Jetzt ist es nicht so, dass Taimane ständig in Deutschland zu Gast wäre. Ich bin mir gar nicht sicher, ob sie überhaupt schon mal in Deutschland aufgetreten ist!? Und wie es der Zufall will … Sie wird in gut einem Monat für zwei Shows in Deutschland sein.

Für die World Music Aficionados in meiner deutschen Community: Am 4. Januar spielt sie in der Hebebühne in Hamburg, am 5. Januar im Privat-Club in Berlin. Und wer’s nicht schafft, der sieht sie am 9. Januar in der Sony Hall in New York 😉 Dort übrigens vor 1.500 Besuchern. In Berlin und Hamburg werden die Auftritte wesentlich kleiner und intimer sein. In Berlin passen nicht mehr als 200 Leute in den Club. Könnte es sein, dass sie tatsächlich noch ein Geheimtipp ist?

Und war das jetzt zuviel Werbung?? Das mache ich ja sonst nicht.
Jedenfalls haben meine ANY’s in Deutschland sich gewappnet.

Tickets für Hamburg

Wer sind die ANY’s? Das erzähle ich ein anderes Mal.
Jetzt wünsche ich Euch ein schönes Wochenende mit ein wenig Klassik à la Taimane Gardner aus ihrem Wohnzimmer.

Hang loose!

Week #9

Hula lala….

…. keep on dancing!

Seit Woche #3 gehe ich brav in meine Hula Nahenahe (=Anfängergruppe). Fast jeden Donnerstagabend und manchmal Dienstagabends zum ‚Rehersal‘. Meine ‚Kumu Hula‘ (=Lehrerinnen) Bonnie und Margie sind mindestens so aufgeregt wie wir. Denn heute ist der große Tag. Der ‘Ho Ike’ – die große Show!

Die Hula-Aufführung wird durch die Halau Hula (Hula-Schule) ‚School of Dance‘ der christlichen Gemeinde ‚Kailua Community Church‘ durchgeführt. Wir tanzen nicht den traditionellen ‚Hula kahiko‘, sondern eine Abwandlung des ‚Hula auana‘, des modernen Hula. Auch die traditionellen Handzeichen, die Bewegungen und Choreografie werden in meiner ‚Nahenahe‘ nicht gelehrt.

In meiner ‚Nahenahe‘ werden die Handzeichen der ‚Worship Sign Language‘ gelehrt. Kein Wunder – ich bin ja schließlich in einer christlichen Gemeinde gelandet. Es bringt uns Schülerinnen nicht nur die Himmelsleiter eine Stufe weiter hinauf, sondern dient schlicht dem Einstieg in den Hula und damit in die Welt der Koordination von vier Gliedmaßen.

Die ‚Hoomakaukau‘, die Vorbereitungen sind weitaus umfangreicher als ich angenommen hatte. Tage vor der großen Show bekam ich einen Hula-Rock zur Verfügung gestellt. Obwohl der aus meiner Sicht schon ganz glatt aussah, wurde ich strengstens angewiesen ihn gewissenhaft zu bügeln. ‚Well, I did!‘

Ich muss sagen, das haben sie drauf, die „Hawa’amerikaner“*! Der große Saal der ‚Kailua High School‘ verwandelt sich binnen weniger Stunden in einen Festsaal mit Bühne, Licht, Leinwand, Projektoren, Soundanlage, Kameras. Die Proben starten um drei Uhr nachmittags. Jede Gruppe, die Kinder, die Anfänger (inkl. mir), die ‚Advanced‘, Männer, Frauen spielt den Ablauf nochmal durch. Alles muss sitzen, wenn die Zuschauer kommen und die Show startet.

Nichts wird dem Zufall überlassen. Die Frisur, der Haarschmuck, die Schminke. Wir verschwinden hinter einem Vorhang. Dort sind provisorische Umkleide-Ecken eingerichtet. Wir ziehen uns an. Ich bekomme die Haare zusammengesteckt, die Blume hinters Ohr und das Gesicht gepudert. Ein dezenter Lippenstift darf nicht fehlen. Noch ein Gruppenfoto und ein Stoßgebet. Raus geht es auf die Bühne.

Egal welcher ‚Sign Singing‘ Sprache man folgt, die Hula-Schritte sind dabei immer die gleichen. Wir haben drei (von vielen weiteren) gelernt: Den Kaholo, den Kao und den Kalakaua.

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Week #8

Monkey Tree in Moanalua Gardens, Honolulu

Ich habe den ‚Blues‘

Die letzten Wochen waren aufregend. Alles neu, viel zu entdecken. Der ‚Single-Traveler-Mode‘ ist schön, erfüllend und macht leicht. Ich fühle mich eins mit mir selbst. Bin entspannt, zufrieden und kann das auskosten. Eine erwünschte Nebenwirkung ist, dass ich 

Jede Minute tun kann, was ich gerade tun mag. Keine Absprachen, keine Entscheidungen, keine Erwartungen, die ich glaube bedienen zu müssen.

Gleich gut kann ich die Zweisamkeit genießen. „Geteilte Freude, ist doppelte Freude“. Da ist was dran! Es ist ein Flow anderer Natur. Es ist beschwingt, kommt mehr aus dem Handgelenk, wenn ihr wisst, was ich meine. Nicht viel Denken, einfach machen!

„Geteilte Freude, ist doppelte Freude“.

Es waren zwei intensive Wochen mit vielen Erlebnissen, gemeinsamen Entdeckungen. Mit Gemütlichkeit und geliebten Routinen. Das englische Wort für Zweisamkeit ist ‚togetherness‘, was auch mit dem Begriff „Zusammengehörigkeit“ übersetzt werden kann. Andy ist nun zurück in Deutschland und ich bin wieder ‚back on my own‘. Ich brauchte zwei, drei Tage, nachdem ich Andy an den Flughafen gebracht hatte, um in meinen Takt zu kommen.

Und so hänge ich ein bisschen durch, sitze am Strand, schaue auf’s blaue Meer oder beim Café at Morning Brew’s und sinniere vor mich hin.

Ich tauche wieder in mein Kailua-Programm ein. Gehemit den ‘Thursday Rider on tour’. War das allererste Mal mit dem ‘Outrigger-Canoe outside on the Ocean’ (…which was amazing!!!), verknote mir die Arme beim Üben des ‘Hula Hand Sign Dancing’ und schaue abends einen ‚Movie‘.

Ach, übrigens. Ihr erinnert euch an Jake? Der „hart, aber herzlich“-Paddle-Coach?! Hier der lebendige Beweis 😉

Training with Paddle Coach Jake

The Digital Traveler

Bei genauer Betrachtung bin ich gar kein ‚Single-Traveler‘. Seit ich hier bin, war ich kaum allein, geschweige denn einsam! Als ‚Digital Traveler‘ bin ich stets ‚tuned‘ und bestens informiert, ‚what’s going on‘. Vor allem der Facebook-Algorithmus findet alle möglichen Unternehmungen für mich. Meine neuen Freunde sind ebenfalls äußerst aktiv im Netz. Sie geben mir Tipps und ‚recommendations‘. So leide ich mehr unter der Qual der Wahl, als unter Einsamkeit.

Man kann über Social Media sagen, was man will. Es gibt sicher viele Gründe die Sinnhaftigkeit und die Auswirkungen auf unsere Art der Kommunikation anzuzweifeln. Ich habe wahrscheinlich genauso viele Gründe gefunden, mir diese virtuelle Welt zu Nutze zu machen. Auf diese Weise wird meine virtuelle Umtriebigkeit zur handfesten, erlebbaren Realität.

From Virtuality to Reality

Aufgrund meiner rudimentären Kenntnisse und Fähigkeiten, habe ich mich bisher als ‚Digital Immigrant‘ bezeichnet. Zwischenzeitlich habe ich begriffen, dass man drei Dinge braucht, um vom Digital Immigrant zum ‚Digital Traveler‘ zu transformieren: Geduld, Offenheit und eine Worldwide-Super-Flatrate! 

Meine App-Collection ist zwischenzeitlich stark angewachsen. Über Airbnb bin ich in meiner ‚neighborhood‘ gelandet. Google oder Apple Mapsführen mich an alle gewünschten Orte und Adressen. Moovit hilft mir das hawaiianische Bussystem im Blick zu halten. Wordpress, GoPro und Lumafusion stellen die Grundausrüstung für den Blog. Apps von Fluggesellschaften, digitale Reiseführer, Reiseblogs, Translation und ‚language‘ Apps, Instagram, Facebook, Messenger, WhatsApp und Co. verbinden mich mit Land und Leuten. Auch eine Art von ‚togetherness‘ 😉

Things change. Change things!

Nicht nur meine digitale Identität verändert sich. Der digitale Wandel ist in aller Munde. Nicht nur das! Rund um den Globus ist die Veränderung extrem: auf allen Ebenen, gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich und nicht zuletzt Ökologisch.

Ende der Woche wurde ich aus dem Paradies ‚“wach geküsst“ und wieder daran erinnert, dass unsere Umwelt extrem davon betroffen ist. Trotz meiner Lobpreisungen und „Rosa-Brille“-Berichterstattung, sehe ich die ich die Kehrseite.

There’s a Flipside of Everything!

Ein Facebook-Post der Kailua Paddler Community führte mich Samstagabend in den Kailua Beach Park. Eine Open Air Filmvorführung wurde angekündigt. Es ging um eine Weltumsegelung – wow – mit einem Doppelrumpfkanu, namens „Hokule’a“. Das ganze ohne digitale Hilfsmittel – aha – ausschließlich mit traditionellen, polynesischen Navigationstechniken. „Okay“, dachte ich, „ein bisschen Kultur kann dir ja nicht schaden!“ Schließlich hatte ich noch kein Museum und keine Kunstausstellung besucht.

Open Air Event at Kailua Beach Park

Man traf sich auf der großen Rasenfläche des KailuaBeach Parks. Familien, Paare, Singles und Hunde. Die ‚Locals‘ kommen mit ‚beach chair‘, ‚blankets‘ und ‚snacks‘. Es herrscht geselliges Treiben. Als die Sonne untergeht, startet die Veranstaltung. Der Himmel wurde dunkler, die Wolken tief grau. Ein paar einführende Worte in Hawaiianisch. Die Atmosphäre war ‚kind ofmystical‘. Die warme Luft, das Meeresrauschen im Hintergrund, der Nachthimmel. Und dann die Trommelklänge und die Hula-Tänzerinnen!

Das Ereignis fand zwischen 2014 und 2017 statt und ist wie ich finde, spektakulär. Warum ich davon damals nichts mitbekommen habe ist mir ein Rätsel…! Die Hokule‘a führte die Crew an die unterschiedlichsten Häfen dieser Welt. Sie überbrachten ihre Botschaft in Schulen, Gemeinden und an Würdenträger. Vor der Abfahrt segnete der Dalai Lama das Boot, in Samoa kam der damalige Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon an Deck und in Kapstadt stattete die Mannschaft dem Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu einen Besuch ab.

Ihre Mission: Schützt Traditionen, die Umwelt, die Ozeane! Lebt nachhaltig! Ihr Handeln: Inspirierend! Lange Rede, kurzer Sinn: Bitte schaut euch diesen Film an. Ladet Freunde ein. Macht einen Umwelt-Event oder sonst was.

Mich hat es „geflasht“! Der Film ist im Originalton Englisch und eignet sich hervorragend für ein verregnetes November-Wochenende. Er dauert nämlich etwas über zwei Stunden.

The Hokule‘a Movie

Hier füge ich, für mehr Informationen noch einen alten Spiegelartikel ein. Der Film bringt allerdings die Spannung besser rüber!

Hokule‘a-Artikel Der Spiegel

Ich weiß, ich habe gut Reden und gerade unendlich viel Zeit für solche Dinge…! Dennoch, vielleicht schafft ihr es, neben eurem Berufs- und Familienalltag, euch von mir entführen zu lassen 🙂 

Ich freue mich über eure Rückmeldung dazu! Wie ist es euch damit gegangen?