
Aloha und ‘Unexpected Achievements‘
The Honolulu Century Ride: Ride Aloha!
Nachdem ich nun vier Wochen auf der Insel war und einige Radtouren bereits mit den ‚Thursday Brunch Rider’ und mit George unternommen hatte, war ich gut für Hawaii’s ‚largest cycling event‘ vorbereitet. Der einzige Stress bestand darin, morgens sehr, sehr früh aufzustehen (4am) und um 6 Uhr im Kapiolani Park, Honolulu mit tausenden anderer Radfahrer am Startpunkt zu erschienen. ‚Well …, done!‘

Man kann nicht gerade behaupten, dass die 100 Meilen lange Strecke (50 hin, 50 zurück) ‚the cyclists delight‘ sind. Insbesondere nicht, wenn man bereits in Deutschland und Österreich radeln war. Abgesehen von den hinreißenden Passagen, die einen wunderschönen Ausblick auf die einzigartigen hawaiianischen Berge und das kristallgrüne Meer geben, fährt man einfach sehr viel auf stark befahrenen Straßen mit teilweise ‚very small shoulder‘. In den Städten gibt es ‚bike lanes‘, auf den Highways teilt man sich die Straße mit trucks, vans, jeeps and other cars‘. Da muss man als Radfahrer schon ‚traffic resistent‘ sein!
Gleichzeitig ist es so wunderbar die Insel, oder besser gesagt die ‚Eastside‘ mit dem Fahrrad zu erkunden und kennen zu lernen. Ich sehe einfach so viel mehr als mit dem Auto. Ich spüre die warme Luft an mir vorbeiziehen. Ich arbeite gegen den Wind, der trotz aller Hitze erfrischend ist. Ich schwitze und tropfe vor mich hin, wenn die Sonne auf den Asphalt knallt und die Hitze zurückstrahlt. Und wenn ein paar Wolken den Himmel queren, dann bin ich dankbar für diese Erleichterung.
Für alle ‚Non Biker‘ hier: Wovon sprechen wir? Von 100 Meilen. Das sind ca. 160 km. Das ist richtig lang! Die ersten 40 km waren ‚easy‘, ab km 80 dachte ich „wow“, ich habe schon die Hälfte!“. Ab km 120 habe ich quasi jede Minute auf mein Garmin geschaut und die Kilometer gezählt – schlechtes Zeichen! Ab km 140 war es richtig Arbeit.

Ich war stolz, dass meine Beine so gut mitgemacht haben. Und war dankbar, dass mein Rücken mich hat fahren lassen. Besser, viel besser als ich erwartet hatte! ‚It was great fun‘, denn alles stand unter dem Motto ‚Ride Aloha‘! Man nimmt Rücksicht aufeinander, lacht miteinander, nimmt es ‚easy‘, hat ein Lächeln auf den Lippen und grüßt sich mit dem ‚shaggy‘. That’s Aloha!

Der ‚Aloha Spirit‘
Es ist mir fast peinlich über den berühmten ‚Aloha Spirit‘ noch weitere Worte zu verlieren. Gibt man ‚Aloha Spirit‘ in die Internetsuche ein, poppen hunderte von Beschreibungen und Definitionen auf. Allerdings wird nur selten die Tatsache erwähnt, dass es sich um ein Gesetz des Bundesstaates Hawaii handelt. Als ‚State Law‘ (§5-7.5 Aloha Spirit) ist sein eigentlicher Zweck, das Verhalten der staatlich Beschäftigten, die ihre Arbeit mit ‚deep care‘ und ‚respect‘, also Respekt, Sorgfalt und Achtsamkeit gegenüber den Menschen für die sie arbeiten, ausführen sollen.
Für mich steckt im berühmten ‚Aloha‘, das meist als Grußwort oder Abschiedsfloskel verwendet wird, der ‚spirit‘ drin, von dem die Welt heutzutage mehr braucht: Wechselseitige Anerkennung, Toleranz, Wohlwollen und Freundlichkeit und menschliche Wärme.

Erleben kann das hier jeder und für mich als ‚German perfectionist‘ und Kaizen-Junkie ein weites Übungsfeld der Selbstüberprüfung mit ausreichend Trainingseinheiten für meine Impulssteuerung. Jaaaa, es ist gar nicht so einfach über den eigenen Schatten zu springen…
Ich lerne! Lerne entspannter zu sein. Mir selbst und meinen Mitmenschen gegenüber!
Und weil ich zwischenzeitlich ganz gar diesem Spirit verfallen bin, begrüße ich Andy auch traditionell hawaiianisch. Jede/r verbindet mit Hawaii unter anderem die Blumenkette, die Besuchern bei Ankunft auf der Inselkette von schönen, hawaiianischen Frauen, mit langem, schwarzem Haar, üppigen Blumenkranz auf dem Kopf und Hula-Röckchen geschmückt, um den Hals gelegt werden. Zugegebenermaßen, werde ich nur den Blumenkranz mit dieser Assoziation gemein haben.

Der traditionelle „Flower Lei“, den man zu besonderen Anlässen als Geschenk mitbringt, ist eine Kunst für sich. Man erhält die Standardware in jedem Supermarkt. Solche sind für einfache Begrüßungen gerade recht. Sollte der Lei allerdings als Geschenk beispielsweise an eine schwangere Frau gehen, dann ist ausdrücklich nach dem Grundsatz „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, der Florist bzw. ‚lei maker‘ zu konsultieren. Nur diese Fachleute wissen um die Feinheiten in der hawaiianischen Blumensprache und deren „psycho-sozialen“ Konsequenzen!
‚By the way‘, für alle Damen unter uns: Wer Single ist und nicht bleiben will, trägt eine Blüte hinter dem rechten Ohr – ‚it means she’s available‘. Wer vergeben ist – also ‚already taken‘ – und keine neuen Abenteuer sucht, trägt eine Blüte hinter dem linken Ohr!
Profipaddeln auf Hawaiiansch!
Paddeln oder Kanu fahren ist ja eigentlich nichts Besonderes. Vielleicht seid ihr schon mal auf der Lahn oder sonst einem Flüsschen Kanu gefahren. Manche von euch haben vielleicht sogar im Ruderboot gesessen und können vom technischen Feinschliff des Ruderzugs berichten. All das hatte bisher keine besondere Wirkung auf mich. Ich mag paddeln, Kanu und Kajak fahren, habe aber nie mehr als ein Freizeitevent darin gesehen.
Hier am Kailua Beach konnte ich oft aus der Ferne beobachten, wenn die Locals ihre Outrigger – die traditionellen hawaiianischen Kanus, mit einem Seitenausleger – ins Meer schoben und sich rhythmisch paddelnd gen Horizont entfernten. Ich kann nicht genau sagen, was mich triggerte: „Das muss ich ausprobieren“ murmelte ich!
George, mein „Cyclist-Mate“, gab mir den Kontakt zu Stacey. Sie traf ich am hiesigen ‚Kailua Canoe Club‘! Mittwochmorgen. Ich trete um 7:30 Uhr an. Erste theoretische Instruktionen. Wie steige ich ein, wie sitze ich, wie halte ich das Paddle. Wir (5 Frauen und der Trainer) schieben das Outrigger ins Wasser. Zum Glück geht es nicht gleich ins offenen Meer, sondern in den ‚Canal‘ bzw. das Inlet, welches Wasser vom Landesinneren ins Meer leitet.
Ich bin beruhigt. Jake, der Trainer weist mich kurz ein und ehe ich mich versehe bin ich am Paddeln: ‚Stroke one. Stroke two. Dip stroke. Deep Stroke‘. Long stroke’. “Patricia, hold on! Keep the rhythm. Good joooob! Don’t bend your arm. Smoooooth entry. Relax bottom wrist. One, two, three – One, two, three – One, two, three. Ahhh, there you go! Keep that. “

Eine gute Stunde ging das so. Das Kanu wird wieder an Land gezogen, abgewaschen. Kurze Trainingskritik von Jake. Alle stehen im Kreis, strecken ihre rechte Hand in die Mitte und legen sie aufeinander und schwingen sie mit Energie in die Luft und rufen dabei „Patricia“. Ich bin aufgenommen!


Ein freudiges Aloha zurück und vielleicht wäre es eine schöne neue Routine für‘s Büro. Und ich bin schon gespannt wie Woche 7 zu zweit ablaufen wird.
LikeLike
Aloha! Das Gesetz sollte weltweit übernommen werden. Und Blumenketten tragen!
Habt eine tolle Zweisamkeit…
LikeLike
Bringst Du das Gesetz mit zurück, bitte. Wir brauchen das dringend. Macht Spaß zu lesen und freut mich dass es Dir so gut geht. Weiter so!
LikeGefällt 1 Person