Island Hopping in ‚Slow Motion‘
Es mag dekadent klingen, aber ich habe zwei Wochen Urlaub genommen. Die erste Woche (Week #6) war ganz und gar dem IRONMAN Kona gewidmet. Week #7 sollte unsere Erholzeit mit Zweisamkeit werden.
Wir hatten diese Zeit lange vor meinem Reiseantritt geplant. Natürlich wollten wir dann gemeinsam mehr von der Inselkette erleben. Von den insgesamt 8 bewohnten Inseln, sind sechs für Touristen zugänglich: O’ahu, Maui, Kauai, Hawaii (Big Island), Molokai und Lanai.
Die siebte Insel, Ni’ihau, darf ausschließlich von hawaiianischen Uhreinwohnern, die das traditionelle, ursprüngliche Leben pflegen, betreten werden. Deshalb heißt sie auch „Verbotene Insel“. Mitte des achtzehnten Jahrhunderts hat Familie Robinson – wie passend – die Insel von King Kamehameha abgekauft. Seither ist sie in Privatbesitz.
Kein Zutritt für die „Öffentlichkeit“, keine Polizei, keine Telefon, keine Ärzte, keine Steuern! Kein Zutritt für Touristen! – Oder? Ich weiß nicht, ob ich es gut oder schlecht finden soll, aber doch, Touristen können für viel Geld bestimmte Plätze der Insel besuchen. Einen Helikoper-Flug kaufen oder schnorcheln. Für noch mehr Geld dürfen Touristen Schweine und Schafe jagen. Hmmm…. ich weiß ja nicht….?!
Nach dem Motto ‚Just look, don’t touch!‘ darf es keinen Kontakt mit den polynesischen Ureinwohnern geben. Wer mehr darüber erfahren möchte liest www.reisetipps-hawaii.de von Paul Tresselt.
Die achte Insel, Kaho’olawe, war bis 1993 ausschließlich dem Militär vorbehalten. Seit dem Angriff auf Pearl Harbour 1941 nutzte das amerikanische Militär dieses kleine Archipel, um Soldaten auf Kriegseinsätze vorzubereiten. Schlecht! Erst nach langem Ringen des Bundesstaates Hawai’i mit dem ‚National Department of Defense‘ wurde die zwischenzeitlich stark ramponierte und mit Munition und Blindgängern überfrachtete Insel an Hawai’i übergeben. Gut!
Seitdem ist die Insel Kaho’olawe inklusive des im Umkreis von drei Kilometern umgebenden Ozeans ein ‚Island Reserve‘. Sie darf nur noch für kulturelle, spirituelle und existientielle Interessen der indigenen Bevölkerung, zum Fischen und im Sinne der ökologischen Erhaltung genutzt werden. ‚That’s Law’! Sehr gut!
Sechs Inseln in zwei Wochen? Nein! Auf keinen Fall werden wir uns durch die vielen ‚Scenic Points‘ und Touristen-Attraktionen, die mit Sicherheit jede der Inseln zu bieten hat, hetzen lassen. Drei Inseln: Die Wahl fiel auf O’ahu, Big Island und Maui!
Wir wollen genießen. Inhalieren. „Weniger ist mehr“ haben und davon nur ein bisschen!

O‘ahu: Meine Home Base
Meine kleine Heimatinsel O’ahu galt es nun auch für Andy zu entdecken. In der Rolle der Reiseleiterin habe ich mich – glaube ich – ganz gut gemacht.
O’ahu, mit ihrer urspünglichen Landschaft, den spitzen, grünen Berggraten, dem türkisfarbenen Küstenstreifen und ‚lots of traffic‘ sollte auch Andy mit den Rennrad erspüren.
Dank George und StClair, die sich als ‚Cycling Mate‘ mit Andy auf „Augenhöhe“ bewegen konnten, bestand mein Job ausschließlich darin, dies zu organisieren und eine unterhaltsame Begleitung zu stellen. Auf allen flachen und ansteigenden Abschnitten musste ich tüchtig treten, um die Herren überhaupt noch sehen zu können. Nur ‚downhill‘ schaffe ich es mitzuhalten! Eine besondere Stärke von mir!

Wir waren mit StClair auf der ‚Eastside‘ unterwegs, von ‚Honolulu Downtown‘ bis ‚Sandy Beach‘. Wir haben Richtung ‚North‘ den ‚Botanical Garden‘ genossen und sind über die ‚Old Pali Roads‘ zurück zum ‚Makapu’u Lookout‘. Andy hat sich gemeinsam mit George bis zum Gipfel oberhalb des Leuchtturms dort auf einem schmalen, ‚winding path‘ der einen spektakulären Ausblick auf den blauen Ozean liefert, hoch gearbeitet.

Die Northshore, mit ihren wellenreichen, breiten Sandstränden und lauter hübschen ‚Surfer Boys and Girls‘ erschlossen wir uns mit dem Auto. Ein Tagestrip mit ‚Stop and Go‘ an so ziemlich jedem ‚Beach Park‘, ‚Scenic Point to be seen!‘ und einem Päuschen mit leckeren Shrimps bei Joe’s! Eine kleine Stipvisite durch einen der Wasserkanäle Richtung Landesinnere auf einem Stand-up-Paddle-Board verschaffte uns einige herzerfrischende Lacher und eine kühle Erholung zwischendurch.

Big Island: Im Dschungel von Captain Cook
Auch wenn ich kein konkretes Bild von Big Island hatte, so hatte ich doch die Vorstellung, dass es langgezogene Straßen durch unendliche Lavafelder mit kargem Bewuchs, und dass es Abschnitte mit herrlichen Stränden und kitschigen Silhouetten aus hochgewachsenen Palmen geben wird. Schließlich hatte ich genug Bilder und Werbematerial dazu gesehen.
Dass es Kaffeeplantagen gibt war auch klar, und dass hier und da landwirtschaftlicher Anbau von Obst und Gemüse stattfindet. Dass es Mango-Plantagen gibt, wurde mir erst klar, als ich auf Airbnb eine Unterkunft entdeckte, die sich „Tropical Garden Retreat on an Organic Mango Farm“ nannte.
Obwohl der IRONMAN auf Big Island unser Highlight werden sollte, waren wir ‚geflasht‘ als wir diese Unterkunft in Augenschein nahmen.

Inmitten einer Mango-Plantage war der Wohnbereich, stilvoll eingerichtet und harmonisch in das tropisch-grüne Blattwerk eingebettet. Zwischen den Mangobäumen, Avocadobäumen und Bananenstauden standen herrlich blühende Hibiskus Sträucher. Überall wuchsen sattgrüne und saftige Sträucher und Bäume, die wir nicht benennen konnten. Es war uns auch egal wie sie heißen, es war einfach nur schön!

Captain Cook heißt der Landstrich, etwa 25 Meilen südlich von Kailua-Kona, auf Big Island. Hier kam der Überlieferung nach Captain James Cook ums Leben. Später wurde eine Kaffee-Company, die „Captain Cook Coffee Co.“ danach benannt. Die Captain Cook Cove ist für ihre schönen Schnorchel-Plätze bekannt. Wir waren dort, hatten aber heftige Strömung und schlechte Sicht.
Die Gegend um Captain Cook herum ist fruchtbar und satt bewachsen. Es gibt viele kleine Plantagen und Gärten. Überall Dschungel, riesige Bäume und wunderschöne, blühende Sträucher. Hier und da kleine Obststände.

Wir hatten viele tierische Besucher und Mitbewohner. Von Stechmücken und Ameisen angefangen, über kleine Tausendfüßler, Käferchen, Geckos, Schmetterlinge, große gelbe Spinnen, die ihre kunstvollen Netze zwischen die gelagerten Surfbretter gespannt hatten. Unendliche viele und vielfältige Vögel. Rot, gelb, mit Häubchen und ohne. Mungos flitzten wie Eichhörnchen im Morgengrauen durchs Unterholz. Die Hauskatzen des Vermieters schauten ab und zu vorbei und abends, wenn es dunkel war und wir draußen in unserem Essbereich saßen, grunzten ein-zwei wildlebende Hausschweine durchs Gebüsch. Man wusste nie genau, welchem Artgenossen man als nächstes begegnen würde.

Als ‚Must have seen‘ haben wir den ‚Volcanoes National Park’ besucht. Ich muss leider gestehen, dass mich der Blick auf den Krater nicht besonders begeistert hat. Es ist eine große Fläche platte Erde, staubig und trocken. Ausschließlich die Vorstellung, dass hier immer noch von Zeit zu Zeit flüssige Lavaglut austritt, faszinierte mich.
Links und rechts der Wanderpfade, die man auf keinen Fall verlassen durfte, dampfte es zart aus Erdlöchern. Bäume, Sträucher und Gräser säumten den Wegesrand. Hier und da blühten die Sträucher und es gab ganze Felder mit Bambus-Orchideen.

Maui: Das Glück der Alten
Obwohl wir mit An- und Abreise zweieinhalb Tage auf Maui hatten, waren das die Erholsamsten!
Wir beziehen ein kleines, einfaches Apartment in Kihei in Laufnähe zum Strand. Die Ankomm-Routinen sind immer gleich: Klamotten im Apartment unterbringen, zum Supermarket fahren, Essen und Trinken besorgen, Kühlschrank befüllen und auf zum Wasser. Für meinen sportlichen Ausgleich suche ich IMMER nach einem ‚Public Pool‘. Wir haben Glück. ‚Just around the corner‘ ist ein großes, gepflegtes Schwimmbad mit mehreren Sportbecken. Ich bin im Schwimmbad-Himmel!
Gleich am ersten Morgen warten wir am Einlass. Wir sind früh und in guter Gesellschaft. Grüppchen von „älteren Herrschaften“, Frauen und Männer im Rentenalter tummelten sich vor dem Eingang. Als wir realisierten, in wessen Mitte wir standen, durchquerte ein Gedanke unsere Köpfe: Bald werden andere das von uns sagen – Ältere Herrschaften! Wir werden morgens vor einem Schwimmbad warten. Hoffentlich!
Wir lernen Dennis kennen. Er schwimmt auf den Bahn neben uns. ‚Fully equiped‘ mit Paddles, Fins, Pullboy und Drinking bottle. Dennis ist, wie viele Amerikaner, sehr kontaktfreudig und ‚talkative‘. Er ist 73 Jahre alt und ‚in a very good shape‘! Ich frage nach der Länge der Bahn.
Dennis: „25 yards. How much are you going to do this morning?“
Ich: „Uhmm… I don’t know. Perhaps a mile. And you?“
Dennis: „I’m doing 1,5 to 2 miles warm-up. Then some in addition for duration.“
Ich: „Ohhhhh…..“, lange Pause und: „How often do you come here?“
Dennis: „Six times a week.“
Er taucht ab, zieht seine erste Bahn, kommt mit einer gekonnten Rollwende zurück, während Andy und ich uns ungläubig anschauen und bescheiden ins Becken kriechen.

Auch am nächsten Morgen treffen wir Dennis im Pool. Wir kommen ins Gespräch. Er lebt hier auf Maui mit seiner Frau, die gerade im Nachbarbecken mit einer Freundin Wassergymnastik treibt. Ich frage ihn kräftig aus und er erzählt mit glänzenden Augen: „I used to be a surfer. Still doing open water swimming and we are still sailing.“
Erstaunlich, wie fit und agil hier manche „Alten“ sind! Als wir uns verabschieden, sage ich noch mit dem Brustton der Überzeugung: “ You are my new role model!“ Er lächelt verschmitzt. Es schien ihm zu gefallen.
Frisch inspiriert und topfit erlebten Andy und ich unsere Maui-Highlights. Mit dem Helikopter einmal um die ganze Insel und hoch zum Haleakala-Crater.

Und mit dem Four-Wheel-Jeep auf der Road to Hana, mit ihren unzähligen Wasserfällen und abenteuerlichen Fahrpassagen!

Beides unvergleichlich schön und fesselnd. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus!
Wollt ihr Video- Material dazu? Für alle ‚Hard Core Follower‘ kann ich einen Link zu Google Drive schicken. Die Dateien sind zu fett und ein „One Minute Clip“ zu billig, um die Eindrücke zu teilen. Ich will hier euer ganzes Mitgefühl!
Bestellungen hierzu nehme ich sehr gerne über das Kommentarfeld entgegen.














