Week #7

Island Hopping in ‚Slow Motion‘

Es mag dekadent klingen, aber ich habe zwei Wochen Urlaub genommen. Die erste Woche (Week #6) war ganz und gar dem IRONMAN Kona gewidmet. Week #7 sollte unsere Erholzeit mit Zweisamkeit werden.

Wir hatten diese Zeit lange vor meinem Reiseantritt geplant. Natürlich wollten wir dann gemeinsam mehr von der Inselkette erleben. Von den insgesamt 8 bewohnten Inseln, sind sechs für Touristen zugänglich: O’ahu, Maui, Kauai, Hawaii (Big Island), Molokai und Lanai. 

Die siebte Insel, Ni’ihau, darf ausschließlich von hawaiianischen Uhreinwohnern, die das traditionelle, ursprüngliche Leben pflegen, betreten werden. Deshalb heißt sie auch „Verbotene Insel“. Mitte des achtzehnten Jahrhunderts hat Familie Robinson – wie passend – die Insel von King Kamehameha abgekauft. Seither ist sie in Privatbesitz.

Kein Zutritt für die „Öffentlichkeit“, keine Polizei, keine Telefon, keine Ärzte, keine Steuern! Kein Zutritt für Touristen! – Oder? Ich weiß nicht, ob ich es gut oder schlecht finden soll, aber doch, Touristen können für viel Geld bestimmte Plätze der Insel besuchen. Einen Helikoper-Flug kaufen oder schnorcheln. Für noch mehr Geld dürfen Touristen Schweine und Schafe jagen. Hmmm…. ich weiß ja nicht….?!

Nach dem Motto ‚Just look, don’t touch!‘ darf es keinen Kontakt mit den polynesischen Ureinwohnern geben. Wer mehr darüber erfahren möchte liest www.reisetipps-hawaii.de von Paul Tresselt.

Die achte Insel, Kaho’olawe, war bis 1993 ausschließlich dem Militär vorbehalten. Seit dem Angriff auf Pearl Harbour 1941 nutzte das amerikanische Militär dieses kleine Archipel, um Soldaten auf Kriegseinsätze vorzubereiten. Schlecht! Erst nach langem Ringen des Bundesstaates Hawai’i mit dem ‚National Department of Defense‘ wurde die zwischenzeitlich stark ramponierte und mit Munition und Blindgängern überfrachtete Insel an Hawai’i übergeben. Gut!

Seitdem ist die Insel Kaho’olawe inklusive des im Umkreis von drei Kilometern umgebenden Ozeans ein ‚Island Reserve‘. Sie darf nur noch für kulturelle, spirituelle und existientielle Interessen der indigenen Bevölkerung, zum Fischen und im Sinne der ökologischen Erhaltung genutzt werden. ‚That’s Law’! Sehr gut!

Sechs Inseln in zwei Wochen? Nein! Auf keinen Fall werden wir uns durch die vielen ‚Scenic Points‘ und Touristen-Attraktionen, die mit Sicherheit jede der Inseln zu bieten hat, hetzen lassen. Drei Inseln: Die Wahl fiel auf O’ahu, Big Island und Maui!

Wir wollen genießen. Inhalieren. „Weniger ist mehr“ haben und davon nur ein bisschen!

O‘ahu: Meine Home Base

Meine kleine Heimatinsel O’ahu galt es nun auch für Andy zu entdecken. In der Rolle der Reiseleiterin habe ich mich – glaube ich – ganz gut gemacht.

O’ahu, mit ihrer urspünglichen Landschaft, den spitzen, grünen Berggraten, dem türkisfarbenen Küstenstreifen und ‚lots of traffic‘ sollte auch Andy mit den Rennrad erspüren.

Dank George und StClair, die sich als ‚Cycling Mate‘ mit Andy auf „Augenhöhe“ bewegen konnten, bestand mein Job ausschließlich darin, dies zu organisieren und eine unterhaltsame Begleitung zu stellen. Auf allen flachen und ansteigenden Abschnitten musste ich tüchtig treten, um die Herren überhaupt noch sehen zu können. Nur ‚downhill‘ schaffe ich es mitzuhalten! Eine besondere Stärke von mir!

Wir waren mit StClair auf der ‚Eastside‘ unterwegs, von ‚Honolulu Downtown‘ bis ‚Sandy Beach‘. Wir haben Richtung ‚North‘ den ‚Botanical Garden‘ genossen und sind über die ‚Old Pali Roads‘ zurück zum ‚Makapu’u Lookout‘. Andy hat sich gemeinsam mit George bis zum Gipfel oberhalb des Leuchtturms dort auf einem schmalen, ‚winding path‘ der einen spektakulären Ausblick auf den blauen Ozean liefert, hoch gearbeitet.

Die Northshore, mit ihren wellenreichen, breiten Sandstränden und lauter hübschen ‚Surfer Boys and Girls‘ erschlossen wir uns mit dem Auto. Ein Tagestrip mit ‚Stop and Go‘ an so ziemlich jedem ‚Beach Park‘, ‚Scenic Point to be seen!‘ und einem Päuschen mit leckeren Shrimps bei Joe’s! Eine kleine Stipvisite durch einen der Wasserkanäle Richtung Landesinnere auf einem Stand-up-Paddle-Board verschaffte uns einige herzerfrischende Lacher und eine kühle Erholung zwischendurch.

Big Island: Im Dschungel von Captain Cook

Auch wenn ich kein konkretes Bild von Big Island hatte, so hatte ich doch die Vorstellung, dass es langgezogene Straßen durch unendliche Lavafelder mit kargem Bewuchs, und dass es Abschnitte mit herrlichen Stränden und kitschigen Silhouetten aus hochgewachsenen Palmen geben wird. Schließlich hatte ich genug Bilder und Werbematerial dazu gesehen.

Dass es Kaffeeplantagen gibt war auch klar, und dass hier und da landwirtschaftlicher Anbau von Obst und Gemüse stattfindet. Dass es Mango-Plantagen gibt, wurde mir erst klar, als ich auf Airbnb eine Unterkunft entdeckte, die sich „Tropical Garden Retreat on an Organic Mango Farm“ nannte.

Obwohl der IRONMAN auf Big Island unser Highlight werden sollte, waren wir ‚geflasht‘ als wir diese Unterkunft in Augenschein nahmen.

Inmitten einer Mango-Plantage war der Wohnbereich, stilvoll eingerichtet und harmonisch in das tropisch-grüne Blattwerk eingebettet. Zwischen den Mangobäumen, Avocadobäumen und Bananenstauden standen herrlich blühende Hibiskus Sträucher. Überall wuchsen sattgrüne und saftige Sträucher und Bäume, die wir nicht benennen konnten. Es war uns auch egal wie sie heißen, es war einfach nur schön!

Captain Cook heißt der Landstrich, etwa 25 Meilen südlich von Kailua-Kona, auf Big Island. Hier kam der Überlieferung nach Captain James Cook ums Leben. Später wurde eine Kaffee-Company, die „Captain Cook Coffee Co.“ danach benannt. Die Captain Cook Cove ist für ihre schönen Schnorchel-Plätze bekannt. Wir waren dort, hatten aber heftige Strömung und schlechte Sicht.

Die Gegend um Captain Cook herum ist fruchtbar und satt bewachsen. Es gibt viele kleine Plantagen und Gärten. Überall Dschungel, riesige Bäume und wunderschöne, blühende Sträucher. Hier und da kleine Obststände.

Wir hatten viele tierische Besucher und Mitbewohner. Von Stechmücken und Ameisen angefangen, über kleine Tausendfüßler, Käferchen, Geckos, Schmetterlinge, große gelbe Spinnen, die ihre kunstvollen Netze zwischen die gelagerten Surfbretter gespannt hatten. Unendliche viele und vielfältige Vögel. Rot, gelb, mit Häubchen und ohne. Mungos flitzten wie Eichhörnchen im Morgengrauen durchs Unterholz. Die Hauskatzen des Vermieters schauten ab und zu vorbei und abends, wenn es dunkel war und wir draußen in unserem Essbereich saßen, grunzten ein-zwei wildlebende Hausschweine durchs Gebüsch. Man wusste nie genau, welchem Artgenossen man als nächstes begegnen würde.

Als ‚Must have seen‘ haben wir den ‚Volcanoes National Park’ besucht. Ich muss leider gestehen, dass mich der Blick auf den Krater nicht besonders begeistert hat. Es ist eine große Fläche platte Erde, staubig und trocken. Ausschließlich die Vorstellung, dass hier immer noch von Zeit zu Zeit flüssige Lavaglut austritt, faszinierte mich.

Links und rechts der Wanderpfade, die man auf keinen Fall verlassen durfte, dampfte es zart aus Erdlöchern. Bäume, Sträucher und Gräser säumten den Wegesrand. Hier und da blühten die Sträucher und es gab ganze Felder mit Bambus-Orchideen.

Maui: Das Glück der Alten

Obwohl wir mit An- und Abreise zweieinhalb Tage auf Maui hatten, waren das die Erholsamsten!

Wir beziehen ein kleines, einfaches Apartment in Kihei in Laufnähe zum Strand. Die Ankomm-Routinen sind immer gleich: Klamotten im Apartment unterbringen, zum Supermarket fahren, Essen und Trinken besorgen, Kühlschrank befüllen und auf zum Wasser. Für meinen sportlichen Ausgleich suche ich IMMER nach einem ‚Public Pool‘. Wir haben Glück. ‚Just around the corner‘ ist ein großes, gepflegtes Schwimmbad mit mehreren Sportbecken. Ich bin im Schwimmbad-Himmel!

Gleich am ersten Morgen warten wir am Einlass. Wir sind früh und in guter Gesellschaft. Grüppchen von „älteren Herrschaften“, Frauen und Männer im Rentenalter tummelten sich vor dem Eingang. Als wir realisierten, in wessen Mitte wir standen, durchquerte ein Gedanke unsere Köpfe: Bald werden andere das von uns sagen – Ältere Herrschaften! Wir werden morgens vor einem Schwimmbad warten. Hoffentlich!

Wir lernen Dennis kennen. Er schwimmt auf den Bahn neben uns. ‚Fully equiped‘ mit Paddles, Fins, Pullboy und Drinking bottle. Dennis ist, wie viele Amerikaner, sehr kontaktfreudig und ‚talkative‘. Er ist 73 Jahre alt und ‚in a very good shape‘! Ich frage nach der Länge der Bahn.

Dennis: „25 yards. How much are you going to do this morning?“
Ich: „Uhmm… I don’t know. Perhaps a mile. And you?“
Dennis: „I’m doing 1,5 to 2 miles warm-up. Then some in addition for duration.“
Ich: „Ohhhhh…..“, lange Pause und: „How often do you come here?“
Dennis: „Six times a week.“

Er taucht ab, zieht seine erste Bahn, kommt mit einer gekonnten Rollwende zurück, während Andy und ich uns ungläubig anschauen und bescheiden ins Becken kriechen.

Auch am nächsten Morgen treffen wir Dennis im Pool. Wir kommen ins Gespräch. Er lebt hier auf Maui mit seiner Frau, die gerade im Nachbarbecken mit einer Freundin Wassergymnastik treibt. Ich frage ihn kräftig aus und er erzählt mit glänzenden Augen: „I used to be a surfer. Still doing open water swimming and we are still sailing.“

Erstaunlich, wie fit und agil hier manche „Alten“ sind! Als wir uns verabschieden, sage ich noch mit dem Brustton der Überzeugung: “ You are my new role model!“ Er lächelt verschmitzt. Es schien ihm zu gefallen.

Frisch inspiriert und topfit erlebten Andy und ich unsere Maui-Highlights. Mit dem Helikopter einmal um die ganze Insel und hoch zum Haleakala-Crater.

Und mit dem Four-Wheel-Jeep auf der Road to Hana, mit ihren unzähligen Wasserfällen und abenteuerlichen Fahrpassagen!

Beides unvergleichlich schön und fesselnd. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus!

Wollt ihr Video- Material dazu? Für alle ‚Hard Core Follower‘ kann ich einen Link zu Google Drive schicken. Die Dateien sind zu fett und ein „One Minute Clip“ zu billig, um die Eindrücke zu teilen. Ich will hier euer ganzes Mitgefühl!

Bestellungen hierzu nehme ich sehr gerne über das Kommentarfeld entgegen.

Week #6

Kona im Triathlon Fieber

Es herrscht geschäftiges Treiben am Flughafen Kona auf Big Island. Triathleten aus aller Herren Länder überfluten die Insel. Sie kommen, weil sie die Besten aus den vorangegangenen Qualifikationsrennen sind. Die Profis, genau wie die ‚Age Grouper‘. Sie haben ihr Equipement und ihre Familie als privaten Fan Club dabei. Sie sind top in Form und bereits im ‚Kona-Fieber‘.

Mitten drin – wir! Top vorbereitet und qualifiziert als ’spectator‘!

Die IRONMAN World Championship 2019 lädt ein. Das Städtchen Kailua-Kona auf Big Island gibt sich ganz und gar seinen Triathleten hin. Es ist geschmückt mit Bannern und Fahnen. Die Vorbereitungen für die Rennstrecke, der Aufbau der Absperrungen und Tribünen sind bereits Tage vorher in vollem Gange.

Wir tun, was getan werden muss! Als wahre ‚World Champonship Spectators‘ besuchen wir die Merchandising-Messe, kaufen Shirts, BaseCap und Renntrikot. Wir wandern die Straßen von Kailua-Kona auf und ab, inhalieren die Atmosphäre, ziehen im Angesicht der durchtrainierten Menschen, die uns auf ihren Aerobikes in Tri-Suites oder laufend in Rennhöschen entgegenkommen, den Bauch ein.

Da allerdings unsere sportliche Performance nicht annähernd für eine Qualifikation ausreicht, müssen wir uns mit dem legendären ‚Coffee Boat Swim‘ zufriedengeben. Für uns ein ‚amazing fun‘, ein ‚Must‘ für jeden Athleten und deren Supporter und genau die richtige Einstimmung. In dem Trubel, der hier wie Musik, die man immer ein wenig lauter stellt, stetig anschwillt, ist der Coffee Boat Swim eine wahre Entspannung:

Als Zuschauer hat man in Kona wenig Möglichkeiten den Schwimmstart der Athleten zu erleben. Man kann an den Absperrungen stehen um den Athleten, sobald sie aus der Wechselzone kommen, zujubeln.

VIP Zuschauertribüne

Mir reicht das nicht! Ich will nicht einfach „nur“ Zuschauer sein. Ich will näher ran, mitten rein. Ich gehe mit schnellem und bestimmtem Schritt – als sei ich hier im King Kamehamea Resort – schon tausend Mal gewesen – voran. Andy hinter her. Room #6. „You wanna sign up?“, „Yeah! You still need volunteers. Swim/Bike Transition?“. „Okay, here you go…, your shirts, your batches. See you tomorrow morning 5.30!“ So schnell kann es gehen!

Auch wenn man das denken mag, Kailua-Kona ist nicht die Geburtsstätte des IRONMAN. Es ist Oahu! 1978 hatten ein paar verrückte ‚Marines‘ die Idee sich miteinander messen zu wollen.

Damit es nicht zu einfach werden sollte, legten sie drei bereits exsistierende Sportveranstaltungen zusammen: Den ‚Oahu Rough Water Swim‘ (2,4 Meilen), die ‚Around Oahu Cycling Race‘ (115 Meilen) und den Honolulu Marathon (26,21 Meilen). Der Mitbegründer dieser Idee, Commander John Collins formulierte damals das „Mantra“, welches heute noch jede Frau und jeder Mann zu hören bekommt, sobald die Ziellinie überschritten wird.

You are an IRONMAN!

You are an IRONMAN!

Andy und ich haben unseren Dienst als ‚Volunteer‘ um 5:30am pünktlich gestartet. ‚As we are German, we are punctual, well organized and proper prepared‘! Andy im ‚Transition Tent Men‘ und ich im ‚Transition Tent Women‘. Es gab alle Hände voll zu tun, bevor die Athleten aus dem Wasser kamen: ‚Cold Towels‘ bereitstellen, Getränkebecher füllen, ’sunsreen‘ und Vaseline griffbereit halten. Eiswürfel holen, Eimer tragen, Stühle zurechtstellen und dann… als Belohnung den Schwimmstart aus nächster Nähe beobachten! Erst kommen die Profis dran, dann die ‚age grouper‘.

Die hawaiianischen Gesänge und die traditionellen Trommelspiele bringen die Spannung, die in den Minuten und Sekunden vor dem Startschuss immer dichter wird, bis in die Magengrube hinein.

Das ist der Held, der die Schwimmer mit ‚Hawaiian‘ Gesang begleitet und die ‘conch’ zum Schwimmstart bläst.

Es wird ganz still und dann, dann mit dem Kanonenschuss schießen sie los, die Helden des Triathlons. Erst die Männer, fünf Minuten später die Frauen. Sie wühlen sich wie Schaufelräder durchs Wasser und wir verfolgen sie johlend mit den Augen.

Jetzt haben wir etwas Zeit, bis „unsere“ Profis zurückkommen. Wir schauen noch bei den ‚Age Groupern‘ zu, als sie starten. Sie sammeln sich gruppenweise vor der Startlinie, welche Surfer mit ihren Brettern bilden und warten gespannt auf ihr Startsignal! Auch sie werden mit dem gleichen Gesang und Trommelspiel in ihren Schwimmstart hinein begleitet. Ich frage mich: „Wenn schon das Zuschauen vom Kailua-Pier aus so ein Gänsehaut-erzeugendes Erlebnis ist, wie muss es dann für diese Amateurathleten im Wasser sein?“ Es liegt etwas ganz Ehrfürchtiges in der Luft.

Swim-Bike-Transition

Voller Demut und Bewunderung kehren wir zurück in die Zelte, um uns auf unsere Aufgabe zu konzentrieren. Andy erzählt:

„Es geht los. Die ‚Pros‘ kommen in die Wechselzone. Es ist gleich ein ganzes Knäuel von Athleten. Der erste ist Jan Frodeno und direkt hinter ihm Patrick Lange. Kienle hat ca. 4min. Rückstand“.

Bei den Frauen ist es ganz ähnlich. Lucy Charles-Barclay flitzt ins Zelt. Eine Volunteer hilft den Swim Suitauszuziehen und unterstützt bei den routinierten Handgriffen. In Windeseile ist sie schon wieder draußen.Dicht gefolgt von Lauren Brandon, dann Erin Sosdian.Anne Haug kommt mit fast fünf Minuten Rückstand zu Lucy ins Zelt. Ich bin die Volunteer, die ihr mit dem SwimSuit hilft. Sie ist angespannt. Ich auch!

Die Wechselzeiten der ‚Pros‘ liegen zwischen gefühlten zwanzig Sekunden und zwei Minuten. Alles geht rasend schnell und schon sind sie wieder draußen!

Im ‚Men’s Tent‘ füllt es sich derweilen. Die ersten ‚Age Grouper‘ kommen aus dem Wasser, schnappen sich ihren Wechselbeuten und rennen ins Zelt. Die Jungs sind teilweise hektisch bis panisch. Schnell den nassen Swim Suit aus. Das ist schon weniger einstudiert als bei den Profis. Man kommt sich vor wie bei einer Massenpanik, alle rennen in unterschiedliche Richtungen, man versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Irgendwann sind alle draußen und es herrscht wieder Ruhe im Zelt. Man findet nur noch die Hinterlassenschaften der einzelnen Triathleten. Brillen, Badekappen, Gels.

Im ‚Women’s Tent‘ startete der ‚Age Grouper‘-Ansturm deutlich später. So konnten wir Volunteer-innen die männlichen Athleten auf ihrem Lauf ins Wechselzelt anfeuern. Dieser Umstand erlaubte mir im Übrigen auch den Einlauf von Jan Frodeno ins Wechselzelt zu filmen.

Logisch, dass es bei uns im Frauenzelt nicht ganz so hoch herging, wie im Männerzelt. Von den 2250 Teilnehmenden waren ca. 30% Frauen. Trotz dieser Tatsache, waren beide Wechselzelte gleich groß und mit gleich vielen Helfern, Stühlen und Toiletten ausgestattet. Die Athletinnen kamen am Schnürchen herein. Es gab einen Peak, an dem es ziemlich hektisch und unübersichtlich wurde. Swim Suit runterziehen, Beutel leeren und die Utensilien (Helm, Radschuhe, Socken, Startnummernband, Gels, Salztabletten, Sonnenbrille….), je nachdem, was die Athletinnen brauchten. „How can I help you?“, war unsere Standardfrage. „Ok, I’ll have your helmet here, you care for your gels!“, „Do you want me to put your gels into your jersey pocket?”, “You want sunscreen?” “YES!” und wir schrien: “Sunsreeeen! Here, we need Sunscreeeeen!”, dann flitze eine Helferin mit Sonnencreme herbei und cremte die Athletin ein. Alle Wechsel-Utensilien wieder zurück in den richtigen Beutel packen. Beutel an Beutelbeauftrage weitergeben oder werfen. Zack, zack. Hand in Hand!

Jede einzelne Athletin wurde von uns mit Applaus „Yeaaaah! You are great. Juhuuuu, have a great race!“ aus dem Zelt verabschiedet. Die Stimmung im Zelt war ‚thrilled, even electric‘!

Bike – Run – Transition

Der zweite Wechsel, also vom Rad auf die Laufstrecke, erlaubte uns Helfern eine längere Pause. Wir konnten im Zelt wieder „klar Schiff“ machen und uns ein wenig ausruhen. Es war sprichwörtlich die Ruhe vor dem Sturm.

Für den folgenden Blog-Beitrag möchte ich mich bei meinem neuen „Gast-Autor“ Andy bedanken, der die Berichterstattung als Augenzeuge aus erster Hand aus dem Männerzelt übernimmt. Quasi eine Live-Übertragung:

Wir stehen in den Startlöchern und warten auf die Profis. Ich höre schon das Gejohle von draußen. Sie kommen! Alles steht parat. Sonnencreme, Vaseline, eisgekühlte Tücher.

Jan Frodeno kommt, wie zu erwarten, als erster ins Zelt. Er setzt sich auf den Stuhl genau vor mir! Ich war überrascht und glücklicherweise geistesgegenwärtig und fragte ihn: „Möchtest Du ein kaltes Tuch? Und Sonnencreme?“ Jan war, trotz dieser Stresssituation sehr entspannt und antwortete höflich: „Ja, gerne!“

Ich lege ihm das eisige Tuch auf Schultern und Nacken und creme ihm die Arme mit Sonnenmilch ein. Als er wieder aufsteht, bittet er noch um Eiswürfel. Ich stecke sie ihm in den Lauf-Suit. Er bedankt sich und läuft aus dem Zelt zu seinem Sieg!

Ich hatte einen gestressten Sportler erwartet, aber im Gegenteil. Er erschien mir sehr entspannt und fokussiert.

Es dauert eine Weile bis seine Verfolger eintreffen. Sie sehen schon etwas angespannter aus… kann man ja verstehen! Dann ist erst einmal eine Weile Ruhe im Zelt. Die nachfolgenden ‚Age Grouper‘ brauchen ja etwas länger!

Dann aber bricht eine Armada von Triathleten über uns herein. In ihren Beuteln sind teilweise unendlich viele Sachen. Wie nach einem Großeinkauf: fünf Riegel, sechs Gels, teilweise in kleinen Kühltaschen verpackt. Allein das Gewicht der ganzen Teile macht sie schon chancenlos.

Ich sehe alle Arten von Typen. Meist durchtrainierte Körper, aber auch dünne oder kräftige Männer. Einer fällt mir besonders ins Auge. Er hat Krampfader wie Nürnberger Rostbratwürste. Ein anderer hat sogar eine Pizza dabei, die er mit einem Helfer genüsslich teilt.

Besonderen Respekt habe ich vor den zuletzt ankommenden Age Grouper zwischen 60 und 80 Jahren. Sie setzen sich in aller Ruhe hin und ziehen sich um. Ab und zu kommt ein jüngerer Nachzügler, der sich völlig gestresst und gehetzt umzieht und versucht seine Sachen zu ordnen. Begleitet vom gnädigen Kopfschütteln der „alten“ Helden. Die wissen nun mal wie das hier abläuft und Stress hilft da nicht weiter!

Manche dieser erfahrenen Herrschaften haben alle Zeit der Welt ihre – ja, wirklich – Schiesser-Feinripp-Unterwäsche anzuziehen. Man erkennt bei diesen Menschen worum es ihnen bei diesem Wettkampf geht: Finishen, sonst nichts!

Equipment ist auch so ein Thema! An manchem Triathleten kleben mehrere Hundert bis Tausend Dollar Ausrüstung. Da ist das Aero-Bike noch gar nicht mitgerechnet. Es gibt auch Athleten, die verlassen sich auf ihre trainierten Fähigkeiten. Ein Mann, der vor mir sitzt und mit einer Rolle Klebeband vor meiner Nase herumfuchtelt, bittet mich ihm zu helfen. Seine Radschuhe sind so alt und kaputt, dass sie mit einem schwarzen Klebeband zugehalten werden müssen. Da kommt man schon ins Grübeln, ob die Ausrüstung nicht doch überschätzt wird…?! Sonst wäre dieser Athlet wohl kaum nach Kona gekommen. Respekt!

Für das Wechselzelt der Frauen kann ich sagen, dass es nicht ganz so hektisch zu ging. Die Profis waren schnell. So schnell, dass man als Helfer kaum reagieren konnte. Lucy Charles-Barclay kam als erste vom Rad ins Zelt. Sie war ruhig und konzentriert, setze sich kurz, zog die Laufschuhe an, sortierte sich und lief unter unserem tosenden Applaus aus dem Zelt.

Dicht gefolgt von Lauren Brandon und Anne Haug, die mit wenigen Sekunden Abstand nacheinander ins Zelt kamen. Anne Haug hatte sich zwischenzeitlich vom 6. Platz beim Schwimmen auf den 3. Platz nach dem Rad vorgearbeitet.

Die Age Grouper Damen strömten bald darauf ins Wechselzelt. Manche waren noch topfit und relaxed, andere den Tränen nahe! Manche waren in Sekundenschnelle fertig für den Marathon, andere zogen sich von Kopf bis Fuß neue Klamotten an. Ich habe Blasen verarztet, verletzte Füße getapt, Arme und Beine mit Sonnenmilch eingerieben. Ich habe versucht auf hektische und aufgeregte Athletinnen beruhigend einzureden: „Take your time! You’re doing awesome. All good, calm down.“ Kälte Tücher, Sunscreen, Wasser und Eiswürfel gehörten auch hier zum Helfer-Repertoire.

Leider habe ich es nicht geschafft, obwohl ich nach ihr Ausschau gehalten hatte, eine Triathletin mit der Startnummer 646 (Heike Dieteren) aus Bensheim, meiner Geburts- und Heimatstadt, zu begegnen. Ihr gilt mein besonderer Respekt, weil sie es im Alter von 60 Jahren geschafft hatte, eine Qualifikation für Kona zu bekommen! Auch eine Heldin….!

Es fiel uns schwer unseren Platz an die nachfolgende Helferschicht abzugeben, obwohl wir schon zwei Stunden länger als geplant im Zelt geackert hatten. Als wir aus dem gesicherten Bereich draußen waren, hatte Jan Frodeno gerade die Siegerbanderole durchschritten. Aus dem Lautsprecher ertönte:

Jaaaaan Frrrrooodeenoooo, you’re an IRONMAN!

Week #5

Aloha und ‘Unexpected Achievements

The Honolulu Century Ride: Ride Aloha!

Nachdem ich nun vier Wochen auf der Insel war und einige Radtouren bereits mit den ‚Thursday Brunch Rider’ und mit George unternommen hatte, war ich gut für Hawaii’s ‚largest cycling event‘ vorbereitet. Der einzige Stress bestand darin, morgens sehr, sehr früh aufzustehen (4am) und um 6 Uhr im Kapiolani Park, Honolulu mit tausenden anderer Radfahrer am Startpunkt zu erschienen. ‚Well …, done!‘

6am at Kapiolani Park, Honolulu

Man kann nicht gerade behaupten, dass die 100 Meilen lange Strecke (50 hin, 50 zurück) ‚the cyclists delight‘ sind. Insbesondere nicht, wenn man bereits in Deutschland und Österreich radeln war. Abgesehen von den hinreißenden Passagen, die einen wunderschönen Ausblick auf die einzigartigen hawaiianischen Berge und das kristallgrüne Meer geben, fährt man einfach sehr viel auf stark befahrenen Straßen mit teilweise ‚very small shoulder‘. In den Städten gibt es ‚bike lanes‘, auf den Highways teilt man sich die Straße mit trucks, vans, jeeps and other cars‘. Da muss man als Radfahrer schon ‚traffic resistent‘ sein!

Gleichzeitig ist es so wunderbar die Insel, oder besser gesagt die ‚Eastside‘ mit dem Fahrrad zu erkunden und kennen zu lernen. Ich sehe einfach so viel mehr als mit dem Auto. Ich spüre die warme Luft an mir vorbeiziehen. Ich arbeite gegen den Wind, der trotz aller Hitze erfrischend ist. Ich schwitze und tropfe vor mich hin, wenn die Sonne auf den Asphalt knallt und die Hitze zurückstrahlt. Und wenn ein paar Wolken den Himmel queren, dann bin ich dankbar für diese Erleichterung.

Für alle ‚Non Biker‘ hier: Wovon sprechen wir? Von 100 Meilen. Das sind ca. 160 km. Das ist richtig lang! Die ersten 40 km waren ‚easy‘, ab km 80 dachte ich „wow“, ich habe schon die Hälfte!“. Ab km 120 habe ich quasi jede Minute auf mein Garmin geschaut und die Kilometer gezählt – schlechtes Zeichen! Ab km 140 war es richtig Arbeit.

Ich war stolz, dass meine Beine so gut mitgemacht haben. Und war dankbar, dass mein Rücken mich hat fahren lassen. Besser, viel besser als ich erwartet hatte! ‚It was great fun‘, denn alles stand unter dem Motto ‚Ride Aloha‘! Man nimmt Rücksicht aufeinander, lacht miteinander, nimmt es ‚easy‘, hat ein Lächeln auf den Lippen und grüßt sich mit dem ‚shaggy‘. That’s Aloha!

Der ‚Aloha Spirit‘

Es ist mir fast peinlich über den berühmten ‚Aloha Spirit‘ noch weitere Worte zu verlieren. Gibt man ‚Aloha Spirit‘ in die Internetsuche ein, poppen hunderte von Beschreibungen und Definitionen auf. Allerdings wird nur selten die Tatsache erwähnt, dass es sich um ein Gesetz des Bundesstaates Hawaii handelt. Als ‚State Law‘ (§5-7.5 Aloha Spirit) ist sein eigentlicher Zweck, das Verhalten der staatlich Beschäftigten, die ihre Arbeit mit ‚deep care‘ und ‚respect‘, also Respekt, Sorgfalt und Achtsamkeit gegenüber den Menschen für die sie arbeiten, ausführen sollen.

Für mich steckt im berühmten ‚Aloha‘, das meist als Grußwort oder Abschiedsfloskel verwendet wird, der ‚spirit‘ drin, von dem die Welt heutzutage mehr braucht: Wechselseitige Anerkennung, Toleranz, Wohlwollen und Freundlichkeit und menschliche Wärme.

Erleben kann das hier jeder und für mich als ‚German perfectionist‘ und Kaizen-Junkie ein weites Übungsfeld der Selbstüberprüfung mit ausreichend Trainingseinheiten für meine Impulssteuerung. Jaaaa, es ist gar nicht so einfach über den eigenen Schatten zu springen…

Ich lerne! Lerne entspannter zu sein. Mir selbst und meinen Mitmenschen gegenüber!

Und weil ich zwischenzeitlich ganz gar diesem Spirit verfallen bin, begrüße ich Andy auch traditionell hawaiianisch. Jede/r verbindet mit Hawaii unter anderem die Blumenkette, die Besuchern bei Ankunft auf der Inselkette von schönen, hawaiianischen Frauen, mit langem, schwarzem Haar, üppigen Blumenkranz auf dem Kopf und Hula-Röckchen geschmückt, um den Hals gelegt werden. Zugegebenermaßen, werde ich nur den Blumenkranz mit dieser Assoziation gemein haben.

Der traditionelle „Flower Lei“, den man zu besonderen Anlässen als Geschenk mitbringt, ist eine Kunst für sich. Man erhält die Standardware in jedem Supermarkt. Solche sind für einfache Begrüßungen gerade recht. Sollte der Lei allerdings als Geschenk beispielsweise an eine schwangere Frau gehen, dann ist ausdrücklich nach dem Grundsatz „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, der Florist bzw. ‚lei maker‘ zu konsultieren. Nur diese Fachleute wissen um die Feinheiten in der hawaiianischen Blumensprache und deren „psycho-sozialen“ Konsequenzen!

‚By the way‘, für alle Damen unter uns: Wer Single ist und nicht bleiben will, trägt eine Blüte hinter dem rechten Ohr – ‚it means she’s available‘. Wer vergeben ist – also ‚already taken‘ – und keine neuen Abenteuer sucht, trägt eine Blüte hinter dem linken Ohr!

Profipaddeln auf Hawaiiansch!

Paddeln oder Kanu fahren ist ja eigentlich nichts Besonderes. Vielleicht seid ihr schon mal auf der Lahn oder sonst einem Flüsschen Kanu gefahren. Manche von euch haben vielleicht sogar im Ruderboot gesessen und können vom technischen Feinschliff des Ruderzugs berichten. All das hatte bisher keine besondere Wirkung auf mich. Ich mag paddeln, Kanu und Kajak fahren, habe aber nie mehr als ein Freizeitevent darin gesehen.

Hier am Kailua Beach konnte ich oft aus der Ferne beobachten, wenn die Locals ihre Outrigger – die traditionellen hawaiianischen Kanus, mit einem Seitenausleger – ins Meer schoben und sich rhythmisch paddelnd gen Horizont entfernten. Ich kann nicht genau sagen, was mich triggerte: „Das muss ich ausprobieren“ murmelte ich!

George, mein „Cyclist-Mate“, gab mir den Kontakt zu Stacey. Sie traf ich am hiesigen ‚Kailua Canoe Club‘! Mittwochmorgen. Ich trete um 7:30 Uhr an. Erste theoretische Instruktionen. Wie steige ich ein, wie sitze ich, wie halte ich das Paddle. Wir (5 Frauen und der Trainer) schieben das Outrigger ins Wasser. Zum Glück geht es nicht gleich ins offenen Meer, sondern in den ‚Canal‘ bzw. das Inlet, welches Wasser vom Landesinneren ins Meer leitet.

Ich bin beruhigt. Jake, der Trainer weist mich kurz ein und ehe ich mich versehe bin ich am Paddeln: ‚Stroke one. Stroke two. Dip stroke. Deep Stroke‘. Long stroke’. “Patricia, hold on! Keep the rhythm. Good joooob! Don’t bend your arm. Smoooooth entry. Relax bottom wrist. One, two, three – One, two, three – One, two, three. Ahhh, there you go! Keep that. “

Eine gute Stunde ging das so. Das Kanu wird wieder an Land gezogen, abgewaschen. Kurze Trainingskritik von Jake. Alle stehen im Kreis, strecken ihre rechte Hand in die Mitte und legen sie aufeinander und schwingen sie mit Energie in die Luft und rufen dabei „Patricia“. Ich bin aufgenommen!