
Während ich gerade mit meinem (…nur über’s Wochenende) geliehenen Wrangler Jeep zum Strand fahre und darüber nachdenke, was ich euch erzählen kann, läuft im Radio hawaiianische Unterhaltungsmusik. Ein kräftiger Wind biegt die Palmen am Straßenrand Richtung landesinnere. Die Sonne scheint und es ist heiß.
Statt aufgeschnittener, bepflanzter Autoreifen schmücken hier ausgediente Surfbretter die Vorgärten. Große GMCs und Familiy Vans stehen vor den typisch amerikanischen Holzhäusern. Alles nichts Besonderes, wenn man USA kennt. Doch die bergige Kulisse, die sich hinter der Häuserreihe auftut, ist einfach sensationell. In saftigem Grün und gleichmäßigen Falten, die himmelwärts zeigen, geben sie einem sofort das richtige Jurassic-Park-Feeling.

Ich wohne hier in einer ruhigen und typischen ‚neighborhood‘ am nord-östlichen Ende von Kailua – the Kalaheo neighborhood. Meine Ohana (family) ist sehr nett und kümmert sich ganz entzückend um mein Wohlergehen. Ich habe alles, was ich brauche.
Eine Woche bin ich nun hier und kann mich immer noch nicht so recht orientieren. Obwohl das eigentlich ganz einfach sein sollte, denn es gibt eine ‚mountain side‘ und eine ‚beach side‘! Die Straßennamen machen mich ganz kirre: Ich wohne im Kaimake Loop, muss durch die Kaha Street zum Kainalu Drive oder über Kihapai Street, um über die Kailua Road ‚Downtown‘ zu kommen. Oder ich fahre über die Kalahoe Avenue zur Kawailoa Road, um zum Beach zu fahren.


Nachdem ich meine Einkäufe in den einschlägigen Supermarkets, wie Target, Foodmarket und Wholefood erledigt hatte, musste ich eine neue Matratze für mich finden. Gutes Schlafen ohne Rückenschmerzen ist für mich so bedeutsam geworden, wie Zähne putzen.
Ich habe sie alle durch: Bedmart, Costco, FurnitureWorld, Slumberworld etc. – so lernt man auch die Gegend kennen! Und viele neue Wörter über Größe (Queen, King, Split King) und Aufbau von Betten („… do you need a foundation or have a pegboard? “), den Härtegrad von Matratzen („What kind of support do you want? Firm, Extra Firm, Plush, Pillow Top? “). Anyway I‘m done! Ich hab‘ etwas Reisebudget in eine neue Matratze investiert und schlafe hervorragend (… ich brauche übrigens mindestens ‚Firm‘.)

Die ‚living cost“ sind sehr hoch. Für 5 kinderfaustgroße Kartoffeln habe ich $5,99 und für einen Apfel $2,00 gezahlt und bin jedes Mal, wenn ich aus dem Supermarkt komme, geschockt wie hoch die Rechnung und wie klein meine Einkaufstasche ist. Das liegt nicht nur am Tourismus, sondern auch daran, dass Hawaii quasi ein kleiner Mückenschiss, irgendwo im Zentralpazifik ist. Wenn es sich nicht gerade um Ananas, Papaya, Mangos und Macadamianüsse handelt, dann wird vieles hier eingeflogen.
Gegen Plastikmüll oder für nachhaltige Lebensweisen scheint niemand wirklich einen ‚sense“ zu haben. Hier in Kailua gibt es allerdings eine Menge ‚bike lanes‘, zumindest down town. „Öko“ wacht hier erst langsam auf.

Man-O-War
Mein erstes, kleines Abenteuer war das ‚Open Water Swimming‘ im Meer. Offen gestanden, hatte ich, trotz der Tatsache, dass ich es liebe im offenen Wasser zu schwimmen, ziemlich Schiss! Nicht so sehr vor den Quallen (man-o-war = Portugiesische Galeere), sondern vor der Vorstellung im großen, weiten Meer einem Hai oder sonst einem großen Getier zu begegnen.
Eine archaische und vielleicht irrationale Angst, allerdings sehr deutlich spürbar! Allein die Tatsache, dass die sechs Schwimmer des Kailua Masters Swim Club so mir nichts, dir nichts in Wasser stapften, hat mich ihnen folgen lassen ohne weiter darüber nachzudenken.
Nach ein paar hundert Metern durchzuckte mich ein brennender Schmerz, eine Quallententakel hatte mich am Bein erwischt. Nicht wirklich schlimm, aber sehr unangenehm. Ich hab’s noch zur zweiten Boje geschafft, bin dann umgekehrt. Weitere ‚man-o-war stings‘ wollte ich mir ersparen.

Wieder aus dem Wasser gekommen, fragte ich eine der Schwimmerinnen: „What about sharks or other big fishes?“ und sie sagte: „If you see a shark with a black tip on its fin, don’t mind. If you see one with a white tip on its fin, they won’t do anything to you. If you see a shark with stripes, ….uuuhhhh you don’t wonna see ‘em!” Ojee, dachte ich, ich habe kaum meine Hand vor Augen gesehen, so unruhig war das Wasser, wie soll ich da einen Hai erkennen, bevor er zubeißen will?
„But remember, we’ve never seen the one with the stripes”
Als sie ging, sagte sie noch: „But remember, we’ve never seen the one with the stripes”, lachte und stieg in ihr Auto. Nächste Woche ist wieder Schwimmtraining im Pool, dann sehen wir weiter…!



kanz schön kompliziert, die Straßennamen! Sieht ja alles klasse aus. Eine schöne Week #2 🙂
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Haha, unklaublich oder!
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Bei sooo vielen Kahs muss sich der Orientierungssinn ja im Kreis drehen 🤣 Behalte einen kühlen Kopf und genieße diese unglaublichen Wolkengebilde über der Landschaft ☁️⛅🌤️🌥️
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Das ist so derartig schön zu lesen, dass du unbedingt einen Reisebuchverlag finden musst, wenn du wieder hier bist 🙂
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Tausche SOFORT und UNBEDINGT schnöde aufgeschlitzte u bepflanzte Autoreifen gegen Schwimmtraining NUR IM POOL u Bikecruisen mit dir durch rechtwinklig angelegte Straßen ans Meer! Wow, looks like maximum enjoyment! Keep it up!
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